Raul Malo - Lucky One

Raul Malo - Lucky One CD Cover
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Redaktionswertung Bewertung: 5 Sterne = sehr gut
Userwertung

Angenommen, Sie, verehrter Leser, sind schlecht drauf. Nur mal angenommen. Vielleicht ist es Montag, kalt, grau, regnerisch. Der Chef hat gemault, die Freundin nicht angerufen und am Wochenende hat der Lieblingsclub sein Heimspiel verloren. Vielleicht auch noch ein Brief vom Finanzamt. Dann könnte es doch durchaus sein, dass selbst ein normalerweise bestens gelaunter Country-Fan seinen Honky Tonk mal in Moll singt. Habe ich Recht?

Doch keine Sorge, lieber Leidgeprüfter, die Rettung naht: In der schlichten Form des neuen Albums von Ex-Maverick Raul Malo - "Lucky One". Die CD ist einfach: klasse! Okay, vielleicht nicht für jeden (Country-Fan). Man sollte schon ein paar Voraussetzungen für ungetrübten Hörgenuss mitbringen. Zum Beispiel sollte man tunlichst mit nostalgischen Rockabilly- und Swing-Klängen und mit rattenscharfem Tex-Mex etwas anfangen können. Und - vor allem! - eine Freude an augenzwinkernden, dezent ironischen, leicht überzeichneten Songs und Texten haben. Wenn dies alles auf Sie, geschätzter Musikkenner, zutrifft, dann kann man nur noch den Kauf dieser CD empfehlen.

Sie geht vielleicht noch nicht mal so großartig los, wie man das nach diesen Zeilen erwarten würde. Der Titeltrack und Opener lässt sich jedenfalls Zeit. Einige interessante Gitarren-Pling-Plings, ein hämmernder, synkopierter Groove, Harmonien, die an die John-Travolta-Tanzszene bei Pulp Fiction erinnern. Etwas düsterer Tex-Mex also - dabei heißt der Track doch "Lucky One". Und als solcher entpuppt er sich auch im Refrain. Mit einer breit grinsenden Melodie, die alle Gewitterwolken im Nu wegwischt und dem Hörer ein erstes Lächeln ins Gesicht zaubert. Super!

Die nach oben gezogenen Mundwinkeln bleiben gleich mal in dieser Stellung: Beim Fifties-Schmalztollen-Rockabilly "Moonlight Kiss", beim Roy-Orbison-typischen Schleicher "Something Tells Me", auch beim recht wuchtigen, mit einer quietschenden Orgel ausstaffierten Pop von "Hello Again" (keine Sorge, nicht das Howard Carpendale-Cover) und vor allem beim exquisiten Herz-und-Schmerz-Country-Swing von "Ready for My Lovin'". Bläsersätze legen sich hier ins Zeug, dass es eine wahre Freude ist, die Schweine-Orgel wummert und Raul Malo zeigt, dass er nicht nur mit einer grandiosen Balladenstimme, sondern auch mit unerhört flinken Fingern an der Gitarre gesegnet ist. Wer den Mavericks-Klassiker "Music for All Occasions" mag, wird diesen Titel lieben.

In den nächsten Titeln behält er diese Mixtur aus köstlich schmalztriefenden Balladen ("Crying for You" - Roy lässt wieder grüßen; "Rosalie"), stampfendem Rockabilly ("Lonely Hearts" - mit gemütlicher Duane-Eddy-Gitarre) und swingendem Country ("Haunting Me" - nach "Ghostriders"-Art) bei. Und das Niveau hält er weit, weit oben. Klar, kritischer Konsument, so ganz weiß man bei dem korpulenten Schelm nicht, woran man ist. Alles nur Gaudi? Alles eine Verarschung? Vor allem wenn er, wie in der Wild-West-Ballade "You Always Win", einen verstaubten Chor schmettern und dazu eine Harp weinen lässt. Verarschung, Gaudi? Vielleicht, doch wenn schon! Es macht einfach Spaß. So viel, dass die Laune selbst an einem miesen, kalten, verregneten, Finanzamt-Brief-Montag allerbestens ist. Probieren Sie es ruhig aus, wagemutiger Leser!

Fazit: Wie zu besten Mavericks-Tagen präsentiert Raul Malo wieder einen notaglischen Mix aus Country, Rockabilly, Swing und Schmalz. Top!

Label: Fantasy (in Deutschland nicht erschienen) VÖ: 03. März 2009

  • Titelliste

  • Links


01 Lucky One 07 You Always Win
02 Moonlight Kiss 08 Lonely Hearts
03 Something Tells Me 09 One More Angel
04 Hello Again 10 Rosalie
05 Ready for My Lovin' 11 Haunting Me
06 Crying for You 12 So Beautiful

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