Tammy Cochran - Where I Am

CD Cover: Tammy Cochran - Where I Am
 

Das kann man schon Comeback nennen. Immerhin hat sich die aus Austinburg, Ohio, stammende Blondine fünf lange Jahre Zeit für ihr drittes Studio-Album "Where I Am" gelassen. Nach eigenen Angaben hat sie einfach eine Pause vom Starruhm und Tourrummel gebraucht, um als Songschreiberin zu reifen. Wahrscheinlich gab es aber noch ein paar weitere Gründe. Denn außer ihrer 2001 erschienen Single "Angels in Waiting" kann Tammy Cochran noch nicht so besonders viel auf der Erfolgs-Haben-Seite verbuchen. Doch: die Single hatte es in sich. Sie verarbeitete darin den Tod ihrer beiden Brüder (beide starben in jungen Jahren an Mukoviszidose), sang sich ergreifend den Schmerz von der Seele - und auf Anhieb in die Herzen zahlloser Countryfans. Der Lohn waren etliche Awards und einige dann doch zu hoch gegriffene Vergleiche mit Legenden wie Patsy Cline. Ihr nachfolgendes Album "Life Happened" jedenfalls konnte das Versprechen der Single nicht einlösen und verkaufte sich nur mäßig.

Nun ja, ein Mädchen wie Tammy Cochran lässt sich davon nicht unterkriegen. Davon berichtet auch - oder vor allem - das von ihr gemeinsam mit Mark Thompson produzierte und beim Roots-Label Shanachie erschienene Album "Where I Am". Einige Titel sind sehr autobiografisch eingefärbt. Zum Beispiel die rührselige Ballade "Nobody's Home", in der eine Frau vor lauter Arbeit, Kohlescheffeln und Haus-in-Stand-Halten das Wesentliche vergisst: zu Leben. Patricia Gray, seit Jahren ihre wichtigste Co-Autorin, stand ihr dabei feinfühlig zur Seite. Im Alleingang schrieb sie das recht poppige und vielleicht auch um einen Tick zu gefällig ausgefallene "And More", bei dem sie die richtigen Worte für eine neue Liebe findet.

Aus ihrem Leben gegriffen ist auch der Titelsong. Gemeinsam mit Terry Polk und Verlon Thompson singt sie über schwere Zeiten - und wie sie zu meistern sind. Der Song geht in jeder Beziehung zu Herzen. Eingebettet in eine wunderschöne Melodie erklimmt die stimmgewaltige Sängerin hymnische Höhen: "I've had to go through the worst to get to the best I've ever been." Das macht Mut...

Obwohl das Album bei dem für seine bodenständigen Roots-Klänge bekannten Label Shanachie erschienen ist, fällt die Produktion erstaunlich modern, pop- und rock-orientiert aus. "Long Way Down" für das sich das gleiche Songwriterteam wie für den gerade erwähnten Titeltrack verantwortlich zeigt, könnte sich beispielsweise locker auch auf einer LeAnn Rimes- oder Faith Hill-CD finden. Und auch das von Tammy Cochran gemeinsam mit Steve Bogard angerührte "Chemistry" erfüllt angesagte Country-Pop-Ansprüche. Traditioneller aber auch Folk-orientierter kommen dagegen sämtliche Balladen der CD: "Gone", "The Ride of  Your Life" oder das schmucke "In Our House".

Obwohl bei der Produktion nicht gerade Nashvilles A-Team der Studio-Szene mitmischte, lässt sich beim besten Willen kein Qualitätsverlust heraus hören. Leute wie Drummer Steve Turner (Drums), Dow Tomlin (Bass), Tony Harrell (Piano, B3), Mark Thompson (Gitarre) und die Pedal Steel-Gitarristen Mike Johnson und Pete Finney verstehen ihr Handwerk vorzüglich.

Fazit: Ein biografisches, sehr gefälliges Comeback der Sängerin, das Mut macht und für solides Hörvergnügen sorgt. Ein Album ohne Fehl und Tadel.

vgw
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