Morgan Evans widmet sich auf seinem neuen Album "Steel Town" bodenständigen, authentischen Themen
Morgan Evans wuchs in Newcastle, New South Wales, auf und erlangte in Australien erstmals Anerkennung, nachdem er 2013 bei den CMC Music Awards als "New Oz Artist of the Year" ausgezeichnet wurde, bevor er 2018 mit seinem selbstbetitelten Album den US-Markt eroberte.
Das Album brachte den Multi-Platin-Hit "Kiss Somebody" hervor und machte ein weltweites Publikum mit seinem optimistischen Sound und seiner emotional direkten Erzählweise bekannt. Bekannt dafür, persönliche Erfahrungen mit arena-tauglichen Hooks zu verbinden, hat sich Evans durch Veröffentlichungen wie "Things That We Drink To" und "Life Upside Down" weiterentwickelt und dabei radiotauglichen Optimismus mit zunehmend introspektivem Songwriting in Einklang gebracht.
"Steel Town" wirkt wie ein Dokument der Genesung und Erneuerung
"Steel Town" versetzt den Hörer gleich zu Beginn in die Vergangenheit von Morgan Evans, wobei der Titelsong sowohl als Autobiografie als auch als Leitbild fungiert. Bei seiner Rückkehr in seine Heimatstadt in Australien denkt Evans an Kohleschiffe, V8-Motoren und die bescheidenen Anfänge, als er seinen ersten Auftritt vor nur drei Zuschauern gab, und schafft dabei einen Ausgleich zwischen der Aufregung, in Nashville seinen Träumen nachzujagen, und einer tief verwurzelten Nostalgie für den Ort, an dem alles begann. Der Track steigert sich stetig zu einem ausgelassenen, hymnischen Refrain, den langjährige Fans sofort als klassisches Evans-Terrain erkennen werden – wie geschaffen für Fäuste in der Luft und gemeinsam erhobene Stimmen. Persönlich und doch feierlich, scheint er dazu bestimmt, zu einem entscheidenden Live-Moment zu werden, während Evans sich wieder mit seiner Identität und seinen Wurzeln verbindet.
Dieser nachdenkliche Ton setzt sich in "Beer Back Home" fort, das an die vertraute Energie von Trinkliedern anknüpft, wie man sie aus Titeln wie "Day Drunk" und "Young Again" kennt. Getragen von einer vage irisch anmutenden Melodie und dem Geist gemeinschaftlichen Mitsingens wirkt der Song zunächst wie unbeschwerter Eskapismus, bevor er einen eher bittersüßen Kern offenbart. Während Evans singt: "Nichts schmeckt besser als ein Bier zu Hause", dreht sich der Track weniger um Alkohol als vielmehr um verlorene Unschuld, jugendlichen Ehrgeiz und die Sehnsucht nach einer Rückkehr zu einfacheren Tagen, als Träume noch weit offen schienen.
Einer der intimsten Momente des Albums ist "Two Broken Hearts", ein Duett mit Laci Kaye Booth, das angesichts ihrer Beziehung im wirklichen Leben von entwaffnender Ehrlichkeit geprägt ist. Die beiden schildern zwei Menschen, die durch ihre gemeinsamen Verletzungen Heilung finden, und erkennen die emotionale Zerbrechlichkeit an, die hinter einer neuen Romanze steckt, während sie singen: "Zwei gebrochene Herzen finden einen Weg zueinander … heilen unter der Decke, damit alles nicht auseinanderfällt." Booths verträumter, fast ätherischer Gesang verleiht dem Song Textur und Verletzlichkeit, während Evans auf theatralische Gesangselemente verzichtet und stattdessen Zurückhaltung übt. Getragen von Mundharmonika und Emotionen statt von Pomp, ist der Song ein unverfälschtes Spiegelbild der Genesung nach seiner öffentlichkeitswirksamen Scheidung von Kelsea Ballerini.
Der emotionale Kater fließt direkt in "Another Drink Coming" ein, wo Evans Herzschmerz in eine Honky-Tonk-Atmosphäre versetzt. Oberflächlich betrachtet luftig und beschwingt, verschmilzt der Track krachende Gitarren, whiskeygetränkte Bilder und lebhafte Klavierläufe zu einer klassischen Country-Bar-Hymne. Zeilen wie "she's gone for good this time" deuten erneut auf persönliche Geschichte hin, doch die Energie des Songs hält ihn fest im publikumswirksamen Bereich. Im Gegensatz dazu verlangsamt "She Talks About Texas" das Tempo mit einem reduzierten Akustik-Arrangement, das von klagender Steel-Gitarre untermalt wird und allmählich zu einem warmen, nachdenklichen Refrain anschwillt. Mit deutlichen klanglichen Anklängen und einer Gesangsführung im Stil von Keith Urban liefert Evans eine sanfte Reflexion darüber, das Leben aus der Perspektive eines anderen neu zu betrachten.
"Steel Town" ist Morgan Evans' bisher bodenständigste und organischste Veröffentlichung
Das emotionale Herzstück des Albums bildet die Kombination aus "Back to Country" und "Land I Love". Ersterer fungiert als kurzes instrumentales Zwischenspiel, erfüllt von Vogelgezwitscher und Naturgeräuschen Australiens, bevor er nahtlos in eine herzliche Hommage an Evans’ Heimat übergeht. "Dieses Land, das ich liebe, liebt mich auch", singt er, während sich der Titel zu einer mitreißenden Hymne entfaltet, die sich in einer Arena in Nashville ebenso zu Hause fühlt wie in einem australischen Pub. Die Verschmelzung von Country-Flair mit typisch australischen Bildern unterstreicht das wiederkehrende Thema der Wiederentdeckung auf dem Album und lässt vermuten, dass Evans durch die Wiederannäherung an seine Heimat Halt gefunden hat.
"Forgiving You for Me" liefert vielleicht den emotionalen Schlag mit der größten Wucht auf dem Album. Aufgebaut um ein zurückhaltendes akustisches Arrangement, thematisiert der Song Heilung durch Vergebung statt Versöhnung. Texte wie "Ich dachte immer, du würdest zur Vernunft kommen, aber ich habe es satt, darauf zu warten" tragen enormes emotionales Gewicht, ohne jemals anklagend zu wirken. Dieses Gefühl des stillen Wiederaufbaus setzt sich in "The Farm" fort, einem erdigen, von der Geige untermalten Liebeslied über das Wiederlernen des Vertrauens, unterstrichen durch die markante Zeile "Meine verlorene Hand hält ein Ass". Zusammen markieren diese Songs einen Wendepunkt, an dem Herzschmerz der Akzeptanz und einem erneuerten Glauben weicht.
Der Schlussabschnitt greift klassische Einflüsse auf, beginnend mit "Settle It Down", einer von Klavierklängen getragenen Ballade, die tief in der Songwriting-Tradition der 1970er Jahre verwurzelt ist und an Billy Joel oder Bob Seger erinnert. Evans tauscht seine unruhige Vergangenheit gegen Beständigkeit ein und singt davon, dass er sich endlich "mit dir niederlassen" möchte, bevor der Album-Abschluss "Letting You Go" die Retro-Palette noch weiter ausdehnt. Mit Anklängen an Oasis und, im weiteren Sinne, an die Beatles, besticht das Finale durch mitreißende Melodien und emotionale Befreiung, während Evans über Nüchternheit, persönliches Wachstum und das Hinter-sich-Lassen von Schmerz und öffentlichem Trubel reflektiert. Das Ergebnis ist ein erlösendes Ende, das offen und hoffnungsvoll wirkt und es den Zuhörern ermöglicht, ihre eigenen Bedeutungen auf den Akt des Loslassens zu projizieren.
Fazit: Morgan Evans legt einen Großteil des Nashville-Glanzes und des Pop-Country-Glanzes früherer Werke ab und liefert eine Sammlung, die von Einfachheit, Ehrlichkeit und emotionaler Klarheit geprägt ist.











