Rechtszeitig vor ihrer Deutschland-Tournee veröffentlichen The Bros. Landreth das Album "Dog Ear"
Seit dem Jahr 2013 versorgen die Brüder Joey und David Landreth die kanadische Country- und Folk-Rock-Gemeinde mit erstklassiger Song-Kost. Die beiden sind nicht nur gesanglich und an ihren Instrumenten erste Liga. Sie sind auch talentierte Songschmiede, die es trefflich verstehen, aus den Elementen Country, Folk, Blues und Rock einen – mittlerweile – ureigenen Bros-Landreth-Sound zu kreieren. Da versteht es sich fast von selbst, dass die Brüder aus Winnipeg, Manitoba, im Ahornstaat so gut wie alle renommierten Preise eingeheimst haben.
Aber auch beim südlichen Nachbar USA kommen die Bros. Landreth gut an. Auch bei den geschätzten Kolleginnen und Kollegen. Das zeigte sich beispielsweise, als John Oates (die dunkelhaarige Hälfte von Hall & Oates) 2015 für die Brothers den Opening-Act bei einer Show in Nashville gab. So etwas ist nicht nur eine Gefälligkeit unter Profis. So etwas ist ein künstlerischer Ritterschlag. Den bekamen Joey und Dave auch von Bonnie Raitt verliehen. Die Blues-Legende borgte sich 2022 den Bros. Landreth-Song "Made Up Mind" aus – und gewann damit prompt einen Grammy in der Kategorie "Best Americana Performance".
Da spitzen selbst Hunde die Ohren: das neue Album "Dog Ear" von The Bros. Landreth
Womit wir beim neuen Album "Dog Ear" wären. Denn erwähnte Bonnie Raitt – mittlerweile 75 Jahre alt, aber immer noch voll im Saft – bedankt sich bei den Brüdern jetzt für den geborgten Grammy-Song mit zwei Gastauftritten: Bei den beiden erdig-bluesigen Tracks "Half Moon Eyes" und "Knuckles" greift sie zwar nicht zur Slide-Gitarre (den Part lässt sich Joey nicht nehmen), steuert aber ihre unverkennbaren Vocals bei.
Alle Songs von "Dog Eye" schrieben Joey und David Landreth gemeinsam mit ihrem (singenden) Drummer Roman Clarke. Sie bilden, das zeigt sich auf dem Album, ein ausgezeichnetes Songschreiber-Trio. Die Chemie scheint zu passen, denn sie legen über die gesamte Album-Distanz eine unangestrengte, coole Gelassenheit an den Tag. Schon der akustisch gehaltene Opener "Sunrise, Sunset" gibt diese Richtung vor. Das kleine, vom erwähnten Trio geschriebene Folk-Schmuckstück schmiedete Joey Landreth als Interpret an Gitarre und Vocals im Alleingang. Ein schöner, gefühlvoller, ruhiger Einstieg in das Album.
Dass die Brüder natürlich auch anders können, beweisen sie gleich beim nachfolgenden "I'll Drive". Der von einem synkopierten Groove und einer knurrenden Hammond B3 angetriebene Track vermählt perfekt Blues mit Soul und Rock zu einem absoluten Song-Volltreffer. Wie mühelos The Bros. Landreth musikalische Grenzen überschreiten, deuten sie auch im nächsten Song "Half of Me" an. Dem sehr zurückhaltenden, ganz auf einer Gitarrenlinie basierenden Intro folgen komplexe Harmonieverbindungen und ein jazziger Shuffle-Groove. Die Stil-Schublade, in der man diesen Track ablegen kann, muss erst noch geschreinert werden.
Wie es sich für ausgebuffte Profis, und das sind Joey und David Landreth längst, gehört, wissen sie, dass ein Album von Spannungen und emotionalen Ausschlägen lebt. Besondere Tracks brauchen eine, sagen wir mal, normale Song-Umgebung – um eben als besonders wahrgenommen zu werden. "Vincent" ist so ein "normaler" Song, ein netter, unaufgeregter Folk-Rock-Track. Gut gemacht, grundsolide und leicht bekömmlich.
"Dog Ear": erstklassiges Songwriting, stark interpretiert
Im Mittelbau des Albums setzen die Kanadier einen deutlichen Blues-Schwerpunkt. Dem bereits erwähnten "Half Moon Eyes" folgt mit "Tumbling Wild" ein weiterer Track, der sich am Zwölf-Takt-Schema orientiert. Wer bei den beiden Songs an die frühen Bad Company (mit Paul Rogers hinter dem Mikro) erinnert fühlt, liegt damit sicher nicht falsch. Denn ähnlich wie die Briten in den 1970er Jahren servieren auch die Landreth-Brüder erdigen, stampfenden Blues-Rock mit behäbigen Rhythmen und tonnenschweren Gitarren-Riffs. Motto: die Kraft liegt in der Ruhe.
Etwas sperrig und gewöhnungsbedürftig kommt der Titeltrack daher: eine ätherische Sound-Spielerei, der es etwas an Drive und Schmackes fehlt. Weitaus besser macht sich da die anschließende Blues-Folk-Ballade "Knuckles", bei der erneut Bonnie Raitt mit von der Partie ist. Ein großartiges Duett, bei dem Raitt und Joey Landreth prächtig harmonieren und sich mit den Lead-Vocals abwechseln. Top! Zum Ausklang legen The Bros. Landreth einen in Singer-Songwriter-Manier vorgetragenen Folk-Track ("Let Me Down Easy") und einen weiteren Blues-Rock-Kracher ("Wide Awake And Dreaming") nach. Der Schluss fällt wie der Beginn verhalten aus: das mit der Sängerin Begonia angelegte Duett "Strange Dear" erinnert mit seiner sphärischen Folk-Melodie schon fast an den Indie-Folk-Romantiker Sufja Stevens.
Fazit: The Bros. Landreth zeigen sich auf "Dog Ear" als weiter gereifter Act, der unaufgeregt seinen Claim im Grenzfeld zwischen Country, Folk, Rock und Blues absteckt. Bonnie Raitt ist bei zwei Songs mit von der Partie.












