Ein Abend von herausragendem künstlerischem Wert mit The Bros. Landreth

The Bros. Landreth im Luxor in Köln

Die zweifachen Juno-Award-Gewinner The Bros. Landreth aus Winnipeg (oder wie wir Kanadier sagen "Winterpeg"), Kanada, sind derzeit auf Tournee, um ihr viertes Studioalbum "Dog Ear" zu promoten und ihr Auftritt im Luxor Köln bewies, warum ihr Ruf weiter wächst. Vor ausverkauftem Haus betraten die Brüder aus Winnipeg als Trio die Bühne und verwöhnten das Publikum mit einer Meisterklasse in Sachen Musikalität, wobei sie mühelos ihre charakteristische Mischung aus Americana, Roots-Rock und Alternative Country zum Besten gaben.

The Bros. Landreth im ausverkauften Luxor in Köln

Da sie schon ihr ganzes Leben lang zusammenspielen, ist die Chemie zwischen Joey Landreth an der Gitarre und David Landreth am Bass unverkennbar. Beide sind starke Sänger und ihre Stimmen verweben sich zu reichen, natürlichen Harmonien, die sich eher instinktiv als arrangiert anfühlen. Die wahre Magie der Band liegt in dieser familiären Verbundenheit, die sich in einer Performance niederschlägt, die sich tief verbunden und authentisch anfühlt. Besondere Erwähnung verdient Schlagzeuger Roman Clarke, der nicht nur die Rhythmusgruppe mit Finesse zusammenhält, sondern auch während des gesamten Sets wunderschön zu den Gesangsharmonien beiträgt.

Obwohl ihr Sound oft als Bluesrock mit Country-Einflüssen beschrieben wird, werden Genre-Bezeichnungen The Bros. Landreth kaum gerecht. Ihre Musik überschreitet frei stilistische Grenzen und verbindet gepickten Blues, Deep Soul, Funk-Einflüsse und Old-School-R'n'B – alles eingebettet in eine Alternative-Country-Ästhetik.

Frontmann und Gitarrist Joey Landreth bleibt eine fesselnde Präsenz. Sein unverwechselbarer Spielstil – geprägt von fein ausgeführten Riffs und ausdrucksstarker Slide-Gitarre – füllt die Räume zwischen den Texten mit Nuancen und Emotionen. Gesanglich verleiht ihm sein kraftvoller, südstaatlich angehauchter Twang zusätzlichen Charakter. Joey spielte hauptsächlich eine Sorokin Gold Top, wechselte gelegentlich zu einer Novo Serus und holte aus einem umfangreichen und sorgfältig abgestimmten Pedalboard eine breite Palette an Klängen heraus.

Begonia begeistert das Publikum mit einer herausragenden Gesangsdarbietung

Es kommt nicht jeden Tag vor, dass ein Headliner persönlich die Vorgruppe vorstellt, was den Beginn des Abends besonders einladend machte. Pünktlich um 20:00 Uhr trat Joey Landreth ans Mikrofon, um Begonia herzlich vorzustellen und einen freundlichen und intimen Ton für den Abend anzuschlagen.

Die Sängerin und Songschreiberin Begonia (Alexa Dirks) stammt aus Winnipeg, Manitoba. Die für den Juno Award nominierte Künstlerin lieferte ein fesselndes 35-minütiges Set, begleitet von einem Keyboarder. Mit ihrer bemerkenswerten Stimme, die sowohl hohe Töne als auch tiefe Töne mit beeindruckender Präzision meistert, zieht sie das Publikum mühelos in ihren emotionalen Bann. Begonia singt mit einer fesselnden Einladungskraft – als würde sie die Zuhörer in eine Welt voller Blumen, Farben und Licht führen, ohne dabei jedoch Angst zu haben, auch deren dunklere Seiten zu zeigen.

Musikalisch balanciert ihr Sound subtile Gospel-Einflüsse mit eleganten Neo-Soul-Texturen und schafft so ein Hörerlebnis, das sowohl geschmeidig als auch tief expressiv ist. Der Auftritt entfaltete sich mit einer beeindruckenden emotionalen und stilistischen Bandbreite und trug das Publikum anmutig von der ersten Note bis zum letzten Song.

Rootsy, folkig und zutiefst gefühlvoll - Das Konzert von The Bros. Landreth

Das Set begann mit dem fröhlichen "Runaway Train", das sofort für Stimmung im Raum sorgte. Es folgten Songs wie Stay, "Half Moon", "Eyes", "Half of Me" und "Wide Awake and Dreaming", die jeweils durch flüssige Slide-Gitarrenklänge geprägt waren. Ein herausragender Moment war das jazzige, gefühlvolle "Knuckles", bei dem Begonia als Sängerin zur Band stieß und dem Abend eine weitere Facette hinzufügte.

David Landreth nahm sich Zeit, um Geschichten aus dem Leben auf Tournee zu erzählen und reflektierte dabei über familiäre Bindungen und die emotionale Belastung durch das Touren – Themen, die im Mittelpunkt von "Dog Ear" stehen. Der Titelsong hallte mit besonderer Wärme nach, bevor die Band zu dem von der Westküste geprägten Vincent, dem grungigen, funkigen Blues von "I'll Drive und Got to Be You" überging.

Einer der filmischsten Momente des Abends war "Tumbling Wild", das mit einem verzerrten Slide-Gitarrensolo eine Morricone-ähnliche Atmosphäre heraufbeschwor – der perfekte Soundtrack für eine Fahrt durch die kanadische Prärie irgendwo zwischen Calgary und Winnipeg. "Half Moon Eyes" rückte die für die Band so charakteristischen Harmonien wieder in den Vordergrund, während "Let Me Down Easy" und "Wide Awake and Dreaming" eher ein sanfteres, fast Eagles-ähnliches Westküsten-Feeling vermittelten.

Die Zugabe "I Can’t Win" steigerte die Chemie des Abends noch weiter und schickte das Publikum mit einem Höhepunkt nach Hause.

Rootsy, folkig und zutiefst gefühlvoll – und doch in der Lage, weitaus härter zu rocken, als ihre zurückhaltende Aufstellung vermuten lässt – lieferten The Bros. Landreth eine Performance, die großzügig, mühelos und völlig ungezwungen wirkte.

Das Kölner Konzert von The Bros. Landreth war das letzte Konzert ihrer diesjährigen Deutschland-Tournee. Eine große Auswahl an Konzerten und Festivals anderer Künstler kann man in unserem Terminkalender finden.

vgw
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