Runaway June präsentieren sich auf ihrem neuen Album "New Kind of Emotion" größer und mutiger
Im Laufe der Jahre hat Runaway June Besetzungswechsel, Labelwechsel und eine sich schnell verändernde Country-Landschaft überstanden, doch ihre Widerstandsfähigkeit und ihr künstlerisches Können sind nur noch ausgeprägter geworden. Ihre Musik verbindet Einflüsse von Shania Twain bis Fleetwood Mac und verbindet Geige, Gitarre und Pop-Country-Polish mit lyrischem Witz und emotionaler Tiefe. Runaway June sind sowohl für ihre mitreißenden Live-Auftritte als auch für ihre Fähigkeit bekannt, Songs zu schreiben, die sowohl auf der Tanzfläche als auch am Lagerfeuer Anklang finden. Sie sind ein Leuchtturm der weiblichen Selbstbestimmung und kreativen Furchtlosigkeit in der heutigen Country-Szene. "New Kind of Emotion” ist ihr bisher kühnstes Statement - ein Album, das zeigt, wer sie sind, wo sie herkommen und welches grenzenlose Potenzial in ihnen steckt.
"New Kind of Emotion" fühlt sich wie ein Neustart an
Wie bereits erwähnt, erscheint "New Kind of Emotion" sechs Jahre nach ihrem Debüt und fühlt sich wie ein Neustart und eine Neuerfindung an. Der Eröffnungstrack "Real Good Night" gibt mit luftigen Gitarren, feurigen Geigen und einem funkigen, Shania-ähnlichen Rhythmus, der zum Tanzen einlädt, den Ton an. Wenn sie singen "let me go outta control" (lass mich außer Kontrolle geraten), ist das nicht nur ein Songtext, sondern ein Leitbild. Mit einer frechen Anspielung auf Whitney Houstons "I Wanna Dance with Somebody" im Refrain positioniert sich das Trio eindeutig im Bereich des großen, kühnen Pop-Country. Es ist der perfekte Eisbrecher für ein Album, das nie vor Spaß zurückschreckt, aber immer auch Tiefe hat.
Die Party geht weiter mit "Drink Champagne", einem lateinamerikanisch angehauchten, hüftschwingenden Groove, der zeigt, wie sehr Runaway June ihre Palette erweitert haben. Stevies verspielte Zeile "my girls are showing up" hat eine augenzwinkernde Zweideutigkeit, die dem Track Persönlichkeit verleiht. Handklatschen, synkopische Rhythmen und die Erklärung "we’re so over, being sober" treiben den Song zu einem feierlichen Höhepunkt und beweisen, dass das Trio mit tropischen Pop-Einflüssen flirten kann, ohne seinen Country-Kern zu verlieren. Der Song ist überschwänglich, witzig und wie geschaffen für Sommer-Playlists.
Das Album handelt jedoch nicht nur von energiegeladenem Eskapismus. Der Titelsong "New Kind of Emotion" schlägt mit einer raffinierten, an die Westküste angelehnten Hymne, die an Lady A in ihrer sanftesten Form erinnert, ganz andere Töne an. Der Midtempo-Groove und die stampfenden Gitarren wirken cineastisch, wie eine Fahrt bei Sonnenuntergang entlang des Pacific Coast Highway. Wenn die Gruppe harmonisch singt "so fühlt sich ein Liebeslied an", wirkt diese Zeile sowohl meta als auch herzlich und fasst das Leuchten einer langjährigen Liebe zusammen. Es ist zwar ein langsamerer Moment, aber einer, der den emotionalen Herzschlag des Albums trägt.
Runaway June lassen sich ihre Songs an Verspieltheit und Genre-Fusion anlehnen
Dieser nachdenkliche Ton setzt sich in "Stars on the Ceiling" fort, einem herausragenden Pop-Country-Song mit einem bittersüßen Kern. Der Song beginnt mit Stevies müdem Geständnis "Die Welt steht in Flammen ... und ich bin einfach so müde" und greift das universelle Verlangen nach Einfachheit in chaotischen Zeiten auf. Nostalgisch und doch zukunftsorientiert, baut er sich aus zarten Harmonien zu einem mantraartigen Höhepunkt auf, der zum Mitsingen einlädt. Ebenso zeigen "To Be Yours" und "Come Home to Me" die intimere Seite von Runaway June: Ersteres ist eine Ballade mit Geige und Gitarre, die sich für Lagerfeuer eignet und von der stillen Widerstandsfähigkeit der Liebe handelt, Letzteres ist eine irisch angehauchte Bitte um Trost, die von emotionaler Befreiung geprägt ist. Diese ruhigeren Songs beweisen, dass das Trio in leisen Momenten genauso überzeugend sein kann wie bei voller Lautstärke.
Im mittleren Teil des Albums verbinden sie Widerstandsfähigkeit mit Feuerkraft. "Done with Me Yet" ist eine von Geigen begleitete Hymne voller Entschlossenheit, in der sie verkünden, dass "noch etwas Wildheit in meinem Westen steckt", bevor sie in einen mitreißenden Schlussakt übergehen. "Miss Me" folgt mit einem Drama, das an Carrie Underwood erinnert: donnernde Trommeln, sengende Gitarren und Stevies leidenschaftlichster Gesang auf dem Album. Es ist ein Song darüber, unvergesslich zu sein, und seine feurige Ambition macht ihn zu einem der Kronjuwelen des Albums. Dieselbe Haltung treibt auch "He Ain’t My Problem" an, wo freche Texte wie "it’s been too damn long since I got laid" einem ausgelassenen Barroom-Rocker Biss verleihen. Mit einem Gitarrensolo und spielerischen Nebenbemerkungen - "vergiss nicht, einen Ehevertrag aufzusetzen" - erhält man eine Meisterklasse in ironischer Selbstermächtigung.
An anderer Stelle lassen Runaway June mit Songs, die sich an Verspieltheit und Genre-Fusion anlehnen, die Haare herunter. "Make Me Wanna Smoke” und "Fine Wine” (sowohl in der Vollversion als auch in Dukes reduzierter Version) unterstreichen das Talent der Band für Wortspiele und fiddlegetriebene Prahlerei und verbinden Humor mit Herzschmerz. "Sad Girl" ist vielleicht der kreativste Titel von allen - ein von Fleetwood Mac inspirierter Groove, gespickt mit Disco-Glanz und Fiddle-Breakdowns, der die Zuhörer dazu auffordert, ihren Herzschmerz mit dem Schlachtruf "Put your heels on and leave the tears home" abzuschütteln. Der Song ist clever, stilvoll und wie geschaffen für Live-Auftritte.
Fazit: Insgesamt ist "New Kind of Emotion" ein triumphales Comeback für Runaway June. Sechs Jahre nach ihrem Debüt, nach Besetzungswechseln, Labelwechseln und den Umwälzungen in der Country Music klingen Jennifer Wayne und ihre Bandkollegen nicht nur unverändert, sondern sogar noch energiegeladener.










