Mit "Back to the Boots" verfolgten The BossHoss den Plan zurück zu ihren Wurzeln zu gelangen
Nun ist "Back to the Boots" heraußen und die eigentliche Frage ist ja, was das künstlerische Ziel des Werks sein hätte sollen. Back to the Boots? Bitte wo? Wo auf diesem Album ist der Moment, an dem der Hörer nur den Hauch spüren soll, dass hier Musiker ein Verständnis von Country Music haben? Wie in Zeiten, als beispielsweise ein Hit wie "Jolene" noch in einer grandiosen Version umarrangiert wurde oder ein hervorragendes Album wie "Dos Bros" 2015 die Vielfältigkeit der Band darstellte.
Cover-Versionen bekannter Country-Klassiker
Als erste Single wagte man sich nun an Willie Nelsons "On The Road Again" und hatte die Hoffnung eingeleitet, jetzt Country Music zu ehren. Es hätte echt mal originellere Titel gegeben, als einen, der schon gefühlte tausendmal gecovert wurde und wahrscheinlich die Nummer 1 in jeder Karaoke-Bar weltweit ist. Die banale Version hat bei jeglichem Verständnis auch nichts mit The BossHoss-Sound zu tun. Es ist einfach nicht schön.
Dann dachte man sich, nehmen wir halt mal den am zweit totgenudelten Country-Song in Deutschland - "Ring of Fire". Nicht nur, wer den Film "Walk The Line" gesehen hat, weiß, dass es sich dabei im Ursprung um eins der wohl am meist missverstandenen Lieder in der Geschichte handelt. Geschrieben von June Carter Cash mit tieftraurigem Hintergrund in einer Zeit, als sie eine verbotene Liebe durchlebte. Später noch ehrenvoll von ihrem inzwischen Ehemann Johnny Cash aufgenommen, wurde es danach oft ganz furchtbar als Party-Song missbraucht und seiner Würde entraubt. The BossHoss haben diesen Standard mitgemacht, auch sie plärren den Text lieblos dahin.
Tatsächlich zeigten sich The BossHoss erstaunt und sogar teilweise empört, dass nach ihrem Album "Electric Horsemen" im Jahr 2023 eine öffentliche Debatte Einzug hielt. Es gelang einfach nicht, vor den Fans eine neue Identität zu etablieren. Nun hilft weg vom Vegas-Glam und zurück zum Möchtegern-Cowboy-Image eben auch nichts. Denn Stücke wie "One More Time" oder "Burn Baby Burn" sind bei aller Liebe keine Country-Songs. Lediglich bei "Too Much" drücken wir mal ein Auge zu und lassen ihn als nettes Rockabilly-Stück durchgehen. Wahrscheinlich das einzige Lied auf "Back to the Boots", das annähernd wirklich an die Wurzeln von The BossHoss erinnert. Etwas überarrangiert vielleicht, doch wohltuend.
Gecovert haben The BossHoss schon immer. Legendär ist wohl ihre Version von "Hey Ya!" der Hip-Hop-Band OutKast aus 2005. Der Song schlug ein und bringt noch heute auf jedem einzelnen Live-Konzert die Menge zum Eskalieren. Schwer zu glauben, ob langweilig dahingspielte Lieder, wie ein "Ride It Like a Cowboy" vom aktuellen Album es jemals in eine solche Liga schaffen werden. Überhaupt hat man bei "Back to the Boots" irgendwie das Gefühl, als wäre das gesamte Werk in einem Schubs im Schnelldurchlauf aufgenommen worden und irgendwer stand in der Ecke, schaute auf die Uhr und gab ein Zeichen, "so jetzt macht mal schneller, wir haben das Studio nur für eine Stunde gebucht".
Da hilft es halt auch nichts, wenn man sich namhafte Unterstützung wie einen Arnold Schwarzenegger holt, denn erstens ist auch der gemeinsame Song mit ihm eher öde ("I'll Be Back") und Kenner durchschauen die Doppelmoral. Denn Arnold Schwarzenegger ist bei vielen inzwischen bekannt und sehr geschätzt für seine Botschaft für überwiegend pflanzenbasierte Ernährung. Auch organisiert er regelmäßig Charity-Events für Klimaschutz. Auf einem dieser seien dann wohl auch The BossHoss auf Einladung hin aufgetreten. Dass diese ihrerseits jedoch ein Kochbuch für Grillrezepte herausgebracht haben, passt dann ja wiederum so gar nicht zu diesem Konzept.
Geplante Club-Tournee im Oktober
In vielleicht weiser Voraussicht haben The BossHoss ihre Club-Tour schon vor der VÖ von "Back to the Boots" angekündigt, was tatsächlich innerhalb kürzester Zeit zu ausverkauften Hallen und sogar zwei Zusatzkonzerten geführt hat. So dürfen sich die Fans Anfang Oktober darauf freuen, die Musiker in kleinen Clubs im Querschnitt der Republik zu erleben und wir wünschen beiden Seiten so sehr, dort (wieder) zueinander zu finden und wirklich ein Stück weit wie früher auf Augenhöhe einfach nur die Musik für sich zu spüren und für den Moment zu vergessen, dass es dazwischen mal gefloppte Alben gab.
Im Grunde lieben wir Alec, Sascha und die Jungs doch für das, was sie uns mal geschenkt haben und hoffentlich möglicherweise auch irgendwann wieder schenken werden. Wer weiß. Vielleicht verstehen sie ja auf dieser kleinen feinen Tour auch, dass es kein Finale mit Alkoholherumgespritze auf der Snare Drum und viel jungen Mädchen, für die in die Jahre gekommenen Männer auf der Bühne braucht. Echt jetzt, das wirkt langsam abgedroschen und passt auch irgendwie nicht mehr in die heutige Zeit.
Fazit: The BossHoss haben sich bemüht, das gestehen wir ihnen zu. Sie sind neue Wege gegangen, haben mit synthetischen Sounds experimentiert, das kam nicht an. Sie kehrten zurück zum Ursprung, auch das kommt nicht so wirklich nicht an. Möglicherweise geht die Ära der Band ja auch einfach dem Ende entgegen und es wird Zeit für die Cowboys, sich irgendwann darauf vorzubereiten, dem Sonnenuntergang entgegenzureiten.









