Dr. Quinn - Ärztin aus Leidenschaft entwickelt sich zum Kult

Dr. Quinn - Ärztin aus

"Dr. Quinn - Ärztin aus Leidenschaft" läuft als Dauerbrenner derzeit auf SAT.1 Gold.

Serien oder Filme mit Bezug zum "Wilden Westen" oder den USA in der "guten alten Zeit" scheinen beim Publikum noch immer ganz gut anzukommen. Der Spartensender SAT1Gold setzt auf genau diese Zielgruppe und zeigt seit langem frühe Relikte, wie "Bonanza", "Die Waltons" und auch "Dr. Quinn - Ärztin aus Leidenschaft". Irgendwo muss es also Menschen geben, die sich immer wieder gern in diese Epoche versetzen, in der die Welt zwar auch nicht immer heil war, Probleme jedoch offenbar noch auf andere Weise gelöst wurden.

Die Handlung von "Dr. Quinn - Ärztin aus Leidenschaft"

Im Original hieß die Drama-Serie "Dr. Quinn - Medicine Woman" und war einer der großen Serien-Klassiker der 90er Jahre. Von 1993 bis 1998 wurden alle sechs Staffeln von "Dr. Quinn - Ärztin aus Leidenschaft" in Deutschland bei RTL II ausgestrahlt. Begeistert verfolgte das Publikum damals generationenübergreifend, wie sich Jane Seymour als Michaela Quinn in die fiktive Stadt Colorado Springs ungefähr ab 1867, also nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg, aufmacht, um dort als Ärztin zu praktizieren. In einer Zeit, in der Frauen noch kaum Rechte besitzen, ist sie, die in einer wohlhabenden Mediziner-Familie in Boston aufgewachsen war und das Privileg hatte, Ärztin zu werden, Außenseiter in einer von Männern geprägten Gesellschaft. Die Einwohner stehen ihr voller Misstrauen gegenüber.

Einzige Unterstützung findet sie zunächst in der Hebamme Charlotte Cooper, die jedoch kurz danach stirbt und Dr. Quinn ihre drei Kinder Matthew, Colleen und Brian hinterlässt. So steht sie nun vor der Herausforderung, auch noch als ledige, unerfahrene Mutter gegen alle Hindernisse anzukämpfen. Schließlich gelingt es Dr. Quinn mit Geduld und Hartnäckigkeit, eine Praxis zu eröffnen und langsam das Vertrauen der Menschen in Colorado Springs zu gewinnen. Vor allem Byron Sully (Joe Lando), der bei vielen wegen seiner freundschaftlichen Beziehung zu den Indianern als verschroben gilt, wird ihr Berater uns später sogar ihr Ehemann.

Bezug zur Realität

Wenngleich die Story um Dr. Quinn, ihre Familie und die Bewohner von Colorado Springs erfunden ist, wurden ins Drehbuch immer wieder historische Fakten und sozialkritische Themen eingebaut. Regelmäßig taucht beispielsweise die Ausgrenzung der Indianer auf, bis hin zu ihrer Ausrottung. Im Gebiet um die Stadt lebt in der Serie der Stamm der Cheyenne mit ihrem Häuptling Black Kettle. Ihr erbitterter Feind ist, wie in der Realität, General George Armstrong Custer (1839 bis 1876). Auch kommen die Massaker am Sand Creek 1864 und am Washita River 1868 in der Handlung vor. Vermittler zwischen den Indianern und den Weißen ist in der Serie Byron Sully. Seine Rolle ist ansatzweise an George Bent angelehnt, ein Halbblut, der im 19. Jahrhundert mit den Cheyenne lebte.

Doch nicht nur die Indianer, auch Schwarze, Mexikaner und Chinesen waren Opfer der Ausgrenzung durch weiße Siedler, die das Land im Westen Nordamerikas für sich beanspruchten. Dr. Quinn ist Verfechterin der Menschenrechte, gleich, ob es um Zuwanderer, Homosexuelle oder das Wahlrecht für Frauen geht. Die Ärztin ist immer auf der Seite der Schwachen, löst Konflikte und versucht, Krisen abzuschwächen.

Gleichermaßen wird im Drehbuch die Geschichte der Medizin relativ authentisch dargestellt. Krankheiten, wie Diphterie oder die Pocken führten zu jener Zeit oft zu Epidemien, ganze Städte mussten evakuiert werden, Impfungen waren weitgehend ein Fremdwort. Vor allem aber die teils extreme Armut und die mangelnden Hygienestandards, in denen die Menschen zum Teil lebten, waren katastrophal. Oft starben Kinder an einfachsten Erkrankungen. Zwar hatte der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis 1847 in Wien die Ursache des Kindbettfiebers entdeckt und damit den entscheidenden Durchbruch in der Hygienelehre geschaffen, doch die Umsetzung von Desinfektion und Sauberkeit waren noch lange nicht vollzogen und auch im amerikanischen Westen noch immer ein großes Problem. Doch zeigt Dr. Quinn in der Serie immer Improvisationstalent, operierte und praktizierte unter schwierigsten Bedingungen und bedient sich auch alternativer Heilmethoden, wie der der Indianer. Ihre Tendenz, sich oft in die Belange ihrer Mitmenschen einzumischen, bringt sie dabei manchmal selbst in Schwierigkeiten, doch schafft sie sich langsam eine gewisse Anerkennung. Die Rolle spiegelt das Bild der Frau in diesem Abschnitt der Geschichte, ihren Kampf in der Gesellschaft. Zum Teil dauert dieser bis heute an.

Country-Stars in Gastrollen bei Dr. Quinn - Ärztin aus Leidenschaft

Die einzelnen Episoden der sechs Staffeln sind geprägt zum einen durch die fortlaufende Geschichte der Hauptpersonen. Hinzu kommen Gäste, die jeweils einmalig oder auch wiederholt in Erscheinung treten. Zu ihnen gehören unter anderem die verstorbenen Country-Stars Johnny Cash und seine Frau June Carter, die in den Rollen von Sheriff Kid Cole und Schwester Ruth zweimal bei "Dr. Quinn - Ärztin aus Leidenschaft" dabei sind. Zuerst findet das gänzlich unterschiedliche Paar dank der Ärztin zueinander und heiratet. In einer anderen Folge merkt der totkranke Kid Cole dank Dr. Quinn, wieviel ihm seine Frau noch immer bedeutet. Johnny Cash steuert auch jeweils einen Song bei.

Auch Willie Nelson reitet in Colorado Springs ein. Als Marshall Elias Burch, der zunächst bei allen als gefürchteter Revolverheld gilt, zeigt er dem Sohn von Dr. Quinn, Matthew Cooper, wie man Konflikte auch ohne Gewalt löst. Später gerät er selbst unter Verdacht, einen unschuldigen Mann hinterrücks getötet zu haben und wird zum Tode verurteilt. Doch Matthew gelingt es, ihn aus dem Gefängnis zu holen, die Gerechtigkeit siegt.

William Shockley - Durchbruch durch "Dr. Quinn - Ärztin aus Leidenschaft"

Colorado Springs ist angelegt als die typische Siedlerstadt, die im Lauf der Serie heranwächst, die Entwicklung jener Zeit durchläuft und deren Bewohner den klassischen Tätigkeiten nachgehen. So gibt es neben Dr. Quinn und Byron Sully noch Loren Bray, der den Gemischtwaren betreibt, Jake Slicker, den Friseur, Horace Bing von der Post-Stelle, Robert E., den Schmied und Mietstall-Besitzer und seine Frau Grace, die ein Café führt. Ebenso Dorothy Jennings, die Besitzerin der örtlichen Zeitung, und den Reverent, quasi den "guten Geist".

Was nicht fehlen darf, ist also "der Böse". Und diese Figur ist eindeutig Hank Lawson, der Saloon-Besitzer. Hank ist ein Polterer, der gern auch die Fäuste oder die Waffe sprechen lässt, doch gerade durch Dr. Quinn immer wieder zur Räson gebracht wird. Eine Paraderolle für William Shockley, den langhaarigen, gutaussehenden Sänger und Schauspieler aus Texas, der zuvor schon in einigen Filmen mitgewirkt hatte, seinen Durchbruch jedoch durch "Dr. Quinn - Ärztin aus Leidenschaft" hatte. Neben der Schauspielerei gehörte William Shockleys Leidenschaft immer der Kunst an sich. Er ist ein Allround-Künstler, der malt, Drehbücher schreibt, moderiert und vor allem auch Musik macht. In den 90er Jahren moderierte er in Los Angeles eine Radiosendung namens "The Road", in der er Country-Künstler vorstellte. Schon als Kind hatte er Gitarre spielen gelernt und war während seiner Rolle als Hank auch als Rhythmus-Gitarrist bei der Band "Hippie Hollow" tätig. 2005 nahm er mit seiner eigenen Band "Speedy Side" sogar ein Album auf.

2014 durfte William Shockley noch einmal in die Rolle eines Westernhelden schlüpfen. Zum einen produzierte er zusammen mit Dustin Rickert Randy Housers aufwendiges Video zum Song "Like A Cowboy". Im Kinofilm "Ambush at Dark Canyon" spielte er an der Seite von Kix Brooks, der auch den Soundtrack beisteuerte.

Erfolg trotz schlechter Quote

Die Beliebtheit von "Dr. Quinn - Ärztin aus Leidenschaft" scheint ungebrochen, sonst würde es längst nicht mehr laufen. Vor allem zur Prime Time am Samstag Abend. Meint man. Tatsächlich lag laut Fabian Riedner von Quotenmeter die Zuschauerzahl im Schnitt gerade mal bei 130.000, der Marktanteil durchschnittlich bei mageren 0,7 Prozent. In den letzten beiden Monaten habe sich die Serie sogar am Rand der Messbarkeit bewegt. Ob dieses Quotenproblem SAT1 Gold zum Umdenken und Handeln bringen wird, bleibt abzuwarten. Viele Fans der Drama-Serie würden sich wahrscheinlich trotzdem wünschen, dass sie weiter geht.

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Monticellofans Avatar
Monticellofan antwortete auf das Thema: #57937 2 Jahre 1 Monat her
Meine Tochter hat diese Serie angeschaut und Ich habe mir einige Episoden wegen der Gaststars angesehen.

Insgesamt war mir die Serie zu moralisierend (nur übertroffen von den Waltons.

Herzlichst,
Monti
CFPecoss Avatar
CFPecos antwortete auf das Thema: #57956 2 Jahre 1 Monat her
Zu moralisierend?
Nur weil man sich in der Serie Überlegte auch ohne Waffengewalt zu leben?
Daß ausgerechnet die Gastsstars aus der Countrymusic die Waffen mitbringen mußten fand ich schon damals etwas komisch.
Bettina Graneggers Avatar
Bettina Granegger antwortete auf das Thema: #57968 2 Jahre 1 Monat her
Die Serie bzw. Dr. Quinn in ihrer Rolle hatte immer einen erhobenen Zeigefinger, das stimmt schon. Wann immer etwas aus ihrer Sicht moralisch nicht richtig war, stellte sich Dr. Quinn auf die Seite des Guten, war gegen Gewalt, gegen Ausgrenzung von jedem, der anders war, gleich ob seiner Herkunft oder aufgrund eines Handicaps. Sully war das, was viele wohl als "Öko-Freak" bezeichnen würden, jemand, der für den Erhalt der Natur kämpfte, Nationalparks gründete. Die Kinder wurden stets der Werte belehrt und richteten danach ihr Leben aus. In sofern moralisierend, vielleicht. Doch interessant, wie schon in den 90ern Themen angepackt wurden, die heute aktueller denn je sind. Und in eine Zeit versetzt, die eigentlich doch so anders war? Scheinbar nicht, denn noch heute werden Menschen aus ihrer Heimat vertrieben, gibt es Konzerne, die auf Kosten der Umwelt rücksichtslos ihr Tun rechtfertigen und jeder, der nicht die moderne Erwartung erfüllt, gilt als Sonderling. Es sollte viel mehr Dr. Quinns und Sullys geben, die für eine gewaltfreie, gerechte Welt einstehen. Auch wenn die Serie manches etwas verharmlost und verkitscht, hat sie letztlich doch eine Aussage, von der viele lernen könnten.