Ein ausgekochtes Schlitzohr

Ein ausgekochtes Schlitzohr, oder: Ein total verrückter Kerl, den das Gesetz mal sonstwas kann.

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Und weil das so ist, haben wir in unsere Überschrift einfach mal all die Titel zusammengeworfen, unter denen der Siebzigerjahre-Kultkrimi "Ein ausgekochtes Schlitzohr" noch so bekannt ist. Die Actionkomödie von Hal Needham war hierzulande nämlich tatsächlich auch unter den Namen "Ein total verrückter Kerl" sowie unter "Das Gesetz kann mich mal" bekannt und erhältlich. Mit welchen Skurrilitäten die anschließend zwei weiteren Filme und eine mittelprächtige TV-Serie nach sich ziehenden Crime-Comedy zusätzlich aufwarten kann, haben wir anlässlich des vierzigjährigen Jubiläums von "Ein ausgekochtes Schlitzohr" einmal zusammengetragen.

Sich im Jahre 2016 noch einmal die Story des am 10. Februar 1978 in den westdeutschen Kinos angelaufenen Films "" vor Augen zu führen, lässt ehrlicherweise nur einen Schluss zu: Knapp vierzig Jahre später würde ein Film nach diesem simplen Konzept wohl kaum noch funktionieren. Andererseits: Im vergangenen Jahr avancierte der nicht weniger minimalistisch erzählter "Mad Max: Fury Road" zu einem der Kritikerlieblinge schlechthin, während das Publikum eher wenig davon mitbekam. Worum geht's also? Da ist der raubeinige Trucker Bo "Bandit" Darville (gespielt vom nicht minder raubeinigen Burt Reynolds, der zum damaligen Zeitpunkt als der erfolgreichste Schauspieler Hollywoods gehandelt wurde), der im Zuge einer Wette dazu überredet wird, 400 Kisten Coors-Bier von Texas nach Georgia zu schmuggeln. Dabei gilt es, die Polizei von seinen Fersen abzuhalten, es kommt zu einer folgenschweren Begegnung mit einer geflohenen Braut und schließlich mündet das ganze Unterfangen in handfeste Schießereien und Verfolgungsjagden. Ein klassisches Happy End gibt es nicht. Vielmehr wusste man sich schon damals geschickt die Optionen für ein Sequel offen zu halten. Das kam dann auch. Mit "Das ausgekochte Schlitzohr ist wieder auf Achse" sowie "Das ausgekochte Schlitzohr III", in dem Burt Reynolds nur noch für einen Cameo-Auftritt vorbeischaute, versuchte zunächst Hal Needham und anschließend Dick Lowry, "Ein ausgekochtes Schlitzohr" zu einem Franchise aufzubauen. Und das nicht zwingend aus Profitgier, denn was dem "ausgekochten Schlitzohr" gelang, kann sich für einen Actionfilm noch heute sehen lassen.

Awards, Budget und Kritikerreaktionen

Was vor "Mad Max: Fury Road" unmöglich schien - die Nominierung eines Actionfilms für mehr als einen der prestigeträchtigsten Filmpreise der Welt - gelang "Ein ausgekochtes Schlitzohr" bereits im Jahre 1978. Der im Original "Smokey and the Bandit" betitelte Film wurde für einen Academy Award in der Kategorie "Bester Schnitt" nominiert und Sally Field, Darstellerin der Braut Carrie, hatte Chancen auf einen Golden Globe in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin". Wenngleich sich sowohl die Editoren Walter Hannemann und Angelor Ross, als auch Sally Field von der Konkurrenz geschlagen geben mussten, dürften Box-Office-Ergebnis und die weltweiten Kritikerstimmen darüber hinweggetröstet haben, dass die Awards schlussendlich in andere Hände gegangen sind. Der gerade einmal 4,3 Millionen US-Dollar teuren Produktion, für die zu Beginn nicht einmal ein halb so großes Budget seitens des Regisseurs und Universal Pictures eingeplant war, gelang ein sagenhaftes Einspielergebnis von über 300 Millionen US-Dollar. Auch den Kritikern gefiel, was Hal Needham mit "Ein ausgekochtes Schlitzohr" fabriziert hatte: Der renommierte Filmkritiker Leonard Martin gab dem Film seinerzeit drei von vier Sternen und beschrieb den Film "so subtil wie 'Die Stooges'", erkannte aber schon früh das Potenzial zum Klassiker. Die Zeitschrift "Cinema" attestierte Reynolds eine "Topform" und das Magazin "Prisma" beschreibt den Film als "übermütige Highway-Komödie mit atemberaubenden Autostunts".

East Bound and Down

Der jüngeren Generation wohl hauptsächlich als Titelsong der ProSieben-Show "Circus Halligalli" bekannt, hat "East Bound and Down" von Jerry R. Hubbard und Dick Feller auch schon in "Ein ausgekochtes Schlitzohr" keine unwichtige Rolle inne. Der im Jahr 1982 bis auf Platz zwei der U.S. Billboard-Country-Charts gekletterte Song etablierte sich erst durch die mehrmalige Verwendung im Film als zeitgeistige Country-Pop-Nummer, die sicher mit dafür verantwortlich war, das der Song sich konstant in den weltweiten Hitparaden halten konnte. Heute zählt "East Bound and Down" zu den ganz großen Evergreens der Country-Szene und wurde bereits vielfach gecovert. Neben dieser Nummer besteht der Soundtrack zu "Ein ausgekochtes Schlitzohr" zum Großteil aus Rocksongs von Bill Justis.

Auch Dick Fellers leicht umgetextetes "West Bound and Down", angelehnt an die entgegengesetzte Fahrtrichtung von Bandit und seiner Crew, ist auf dem offiziellen Soundtrack-Album des Films vertreten.

Ein ausgekochtes Schlitzohr und seine Freunde

Der Erfolg des Erstlings ist untrennbar mit dem damaligen Prestige von Burt Reynolds verbunden. Dass dieser überhaupt für die Rolle des Bandit gewonnen werden konnte, war ganz allein seiner engen Beziehung zum Regisseur zu verdanken, den Reynolds über seine Tätigkeit als Stuntman kennengelernt hatte (Needham doubelte Reynolds). Mit "Ein ausgekochtes Schlitzohr" gelang Hal Needham in der Filmbranche der große Durchbruch und damit eine zweite steile Karriere. Die Verpflichtung Reynolds' kam für den Schauspieler mehr einem Freundschaftsdienst denn wirklichem Interesse an einem interessanten Filmprojekt gleich. Trotzdem probierte sich das Duo nach der Fertigstellung von "Ein ausgekochtes Schlitzohr" direkt noch einmal aus und legte 1981 das Actionvehikel "Auf dem Highway ist die Hölle los" nach. Auch dieser Film wurde bekanntlich ein Erfolg.

Auf emotionaler Ebene dürften Burt Reynolds jedoch die Dreharbeiten zum Schlitzohr besonders in Erinnerung geblieben sein. Nach der Fertigstellung des Films sollen sich der Haudegen und die zehn Jahre jüngere Sally Field über mehrere Monate lange gedatet haben. Daraus geworden ist offiziell leider nichts.

Das Ende von Ein ausgekochtes Schlitzohr

Trotz des großen Erfolgs von "Ein ausgekochtes Schlitzohr" kam schon die Fortsetzung "Das ausgekochte Schltzohr ist wieder auf Achse" nicht einmal mehr halb so gut bei Kritikern wie Zuschauern weg. Bei einem deutlich angehobenen Budget von 17 Millionen US-Dollar gelang es der im Jahr 1980 in die US-Kinos entlassenen Produktion nur noch, rund 66 Millionen wiedereinzuspielen. Mit "Das ausgekochte Schlitzohr III" folgte schließlich die Totalblamage, als der Film von Dick Lowry nicht einmal mehr seine Produktionskosten von 9 Millionen Dollar wieder einspielen konnte. Burt Reynolds hatte zuvor bereits die Reißleine gezogen, das zweite Sequel fokussierte nicht mehr die Eskapaden von Bandit Darville, sondern rückte den von Jackie Gleason verkörperten Sheriff Buford T. Justice in den Mittelpunkt. Im Jahr 1994 versuchte man sich schließlich noch einmal an der Wiederbelebung des Franchises, als Hal Needham sich an einer Serienvariante seines Films versuchte und die markante Hauptrolle mit Brian Bloom neu besetzte. Nach vier Folgen respektive TV-Filmen war Schluss; bis heute gibt es keinerlei Anstalten, "Ein ausgekochtes Schlitzohr wiederzuerwecken. Doch im Hollywood im Jahre 2016 ist bekanntermaßen alles möglich.

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