50 Jahre nach der Tragödie - Gedenken an Patsy Cline, Cowboy Copas und Hawkshaw Hawkins

Patsy Cline; Foto: Elwood Baker

Als ein Kleinflugzeug am Abend des 5. März 1963 in einem Waldstück ungefähr 100 Meilen westlich von Nashville abstürzte, erlitt Amerikas populäre Radiosendung Grand Ole Opry ihren wohl größten Verlust an Talenten in ihrer bislang 87-jährigen Bestehensgeschichte, denn an Bord waren Patsy Cline, Cowboy Copas und Hawkshaw Hawkins sowie Patsys Manager Randy Hughes.

Die Sänger hatten am 3. März in Kansas City ein Benefizkonzert für die Familie des Radiomoderatoren "Cactus" Jack Call gegeben, der gut einen Monat zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Aufgrund von Nebel konnten sie ihren Heimflug erst mit einem Tag Verzögerung antreten.

Als Grund für den Absturz wurde menschliches Versagen angegeben, da Hughes als Pilot nicht instrumentenflugberechtigt war und trotz Sturmwarnung nach einem Tankstopp in Dyersburg, Tennessee, abhob. Die Uhr im Flugzeug blieb um 18:18:15 Uhr stehen, Patsys Armbanduhr knappe 15 Minuten später gegen 18:30 Uhr.

Grand Ole Opry-Ansager und Star des Radiosenders WSM-AM/Nashville Eddie Stubbs bezeichnet den Absturz als die größte Tragödie aller Zeiten für die Opry-Familie. Das zweitschlimmste Ereignis sei gewesen, als Billy Walker, seine Frau Bettie und die beiden Bandmusiker Charles Lilly und Danny Patton 2006 bei einem Autounfall in Alabama ums Leben kamen. Ironischerweise hätte Billy Walker damals an jenem schicksalhaften Abend mit Patsy Cline und den anderen Passagieren fliegen sollen, aber Hawkshaw Hawkins gab ihm sein Flugticket, damit Walker schon früher bei seiner Familie in Nashville sein konnte.
Ironisch und ebenso tragisch war auch der Tod des Country-Musikers und Opry-Mitglieds Jack Anglin, der nur zwei Tage nach dem Flugzeugabsturz auf seinem Weg zu Patsy Clines Beerdigung bei einem Autounfall starb.

"Wenn man die Namen Cowboy Copas und Hawkshaw Hawkins erwähnt, heißt es meistens: 'Die beiden sind doch zusammen mit Patsy Cline abgestürzt'", erklärt Stubbs. "Es ist bedauerlich, wenn nur der eigene Tod in Erinnerung bleibt."

Stubbs ist sich sicher, dass Patsy Clines posthume Verehrung durch ihre Darstellung in den Filmen "Nashville Lady" (gespielt von Beverly D’Angelo) und "Der süße Traum vom Glück" (verkörpert durch Jessica Lange) einen bemerkenswerten Auftrieb erfuhr, denn zum Zeitpunkt ihres Todes waren Copas und Hawkins im Gegensatz zu heute die größeren Stars.

Patsy Cline vor The Mint in Las Vegas (1962); Foto: Julia S. Fudge

Cowboy Copas, der im Alter von 49 Jahren starb, war auf dem Cover des Billboard-Magazines zu sehen und ist vor allem durch seinen Hit "Tennessee Waltz" (geschrieben von Pee Wee King und Redd Stewart) bekannt. Hawkshaw Hawkins, 41 Jahre alt, landete mit Lonesome 7-7203 aus der Feder von Justin Tubb einen Riesenhit, der sich nach dem Absturz vier Wochen lang auf Platz 1 der Charts hielt. Er war mit dem späteren CMA Country Music Hall of Fame-Mitglied Jean Shepard verheiratet, die beim Tod ihres Ehemannes mit ihrem zweiten Sohn im achten Monat schwanger war.

Randy Hughes, 34 Jahre alt, war mit Copas Tochter Kathy verheiratet und nicht nur für viele Musikergrößen als Gitarrist tätig, sondern auch selbst Künstler und Geschäftsmann, Patsy Clines Manager und Hobbypilot.

Patsy Cline, die im Alter von 30 starb, vermochte mit ihrer prachtvollen Altstimme jeden Song mit Weisheit, Herzschmerz und Reue zu füllen.

Erstaunlicherweise hatte sie bis zu ihrem Tod nur zwei Nummer-eins-Hits, nämlich "I Fall to Pieces" (Hank Cochran und Harlan Howard) und "She’s Got You" (Cochran). Zwei ihrer anderen Klassiker, "Crazy" (Willie Nelson) und "Walkin’ after Midnight" (Alan Block und Donn Hecht), schafften es auf Platz 2.

Genau ein halbes Jahrhundert nach der Tragödie haben die Fans nun die Möglichkeit, die musikalischen Vermächtnisse der verunglückten Country-Größen auf mindestens drei verschiedene Weisen zu feiern: bei einem Gedenkwochenende in Camden, Tennessee, einem Radiotribut auf WSM und im Rahmen einer Ausstellung im Country Music Hall of Fame and Museum.

"Von uns gegangen, aber nicht vergessen"

Die Stadt Camden im US-Bundesstaat Tennessee wird zum 50. Jahrestag der Flugzeugkatastrophe gemeinsam mit dem Radiosender WSM vom 28. Februar bis zum 2. März 2013 eine Gedenkveranstaltung mit dem Titel "Gone, But Not Forgotten" zu Ehren der verunglückten Künstler veranstalten.

Als Programmpunkte sind eine Oldtimer-Rallye, ein Cline-/Copas-/Hawkins-Imitatorenwettbewerb sowie ein Podiumsgespräch mit den Verwandten der Country-Legenden sowie anderen Künstlern wie Jan Howard geplant. Die Gäste dürfen sich außerdem auf Auftritte von Stars wie Whisperin’ Bill Anderson, Country-Sängerin und Patsy Cline-Darstellerin Mandy Barnett, David Browning alias "The Mayberry Deputy", The Grascals und Jean Shepard freuen, zudem wird eine Kerzenwache an der Unglücksstelle abgehalten. Für den Transport vom Veranstaltungsort New Beginning Annex zur Absturzstelle nahe der Stadt Big Sandy, etwa 14 Meilen nördlich von Camden entfernt, stehen Shuttle-Busse zur Verfügung.

"Meiner Meinung nach ist es unsere Pflicht, diesen Menschen und ihren Fans angemessen Anerkennung zu zollen", sagte Bill Kee, Direktor der Handelskammer von Camden im County Benton. "Wir planen ein paar Video-Interviews als ewiges Andenken für das County Benton und die Stadt Camden."

"Randy stand für Musikalität und das Business. Cowboy Copas und Hawkshaw Hawkins waren für ihr Songwriting und ihre Auftritte berühmt. Und Patsy Cline war die starke Frau im Rampenlicht", stellte Claire Ratliff von Laughing Penguin Publicity fest, die für die Koordinierung des Events verantwortlich ist und für die nötige Werbung sorgt. "Alles, was Country Music heute ausmacht, haben wir diesen vier Menschen zu verdanken."

Eddie Stubbs moderiert Live-Sendung

Patsy Cline in Owen Bradleys Quonset Hut Studio in Nashville; Foto: Elmer Williams

"Seit 1997 widmen wir den Talenten Patsy Cline, Cowboy Copas, Hawkshaw Hawkins, Randy Hughes und Jack Anglin jährlich eine Tributsendung", so Stubbs, der seit 2012 Mitglied der Country Radio Hall of Fame ist.

"Jedes Jahr feiern wir ihre Songs und das, was sie der Musik beschert haben. Unser Ziel ist es nicht, ihren Tod zu glorifizieren, und wenn wir ihre Familienmitglieder im Studio haben, gibt es immer viel zu lachen. Es fließen auch ein paar Tränen, aber im Grunde ist es immer ein Gedenken an das, was sie uns geschenkt haben, an ihre Vermächtnisse als Menschen und ihren Beitrag für die Musikbranche."

Alle fünf verunglückten Talente erhalten beim WSM-Tribut die gleiche Spielzeit. "Jeder dieser Künstler ist für uns ein Star", betont Stubbs. "Sie verdienen alle gleich viel Aufmerksamkeit." Er erinnert sich, wie Patsys Clines Witwer Charlie Dick bei der letzten Gedenksendung völlig unverhofft sagte: "Hey, beim Flugzeugunglück war doch Cowboy Copas der größte Star an Bord!"

Stubbs verrät, dass neben Charlie Dick auch Kathy Hughes, Jean Shepard und Bobby Wright, Jack Anglins Neffe und Sohn von Kitty Wells und Johnnie Wright, bei der diesjährigen Sendung dabei sein könnten. Eine Aufzeichnung der Sendung gibt es unter WSMonline.com.

"Crazy For Loving You"

Die biografische Ausstellung "Patsy Cline: Crazy for Loving You" wurde letzten August in der East Gallery im Country Music Hall of Fame and Museum eröffnet. Die Ausstellung, die noch bis zum 10. Juni 2013 zu sehen sein wird, zeigt unzählige Briefe von Patsy an ihre Familie und den ersten Vorsitzenden ihres Fanclubs und beschäftigt sich mit den Einflüssen der Sängerin auf die Country Music.

Ein Kernpunkt der Ausstellung ist ein Museumsfilm mit Interviews mit vier berühmten Mitgliedern der CMA Country Music Hall of Fame: Harold Bradley, Brenda Lee, Willie Nelson und Ray Walker von den Jordanaires, die alle mit Patsy Cline gearbeitet haben. Weitere Höhepunkte sind alte Ausschnitte ihrer beeindruckendsten Auftritte und Audioclips einiger Originalaufnahmen aus dem Archiv des Produzenten Owen Bradley.

Am Samstag, den 2. März um 13:30 Uhr, wird im Museum auch die Veranstaltung "Forever with Us: The 50th Anniversary of a Country Music Tragedy" stattfinden, in der die Vermächtnisse der verunglückten Country-Stars beleuchtet werden. Eddie Stubbs wird Songs auflegen und historisches Videomaterial zeigen und darüber hinaus das Podiumsgespräch moderieren, an dem unter anderem Charlie Dick, Kathy Hughes, Jean Shepard und Bobby Wright teilnehmen werden.

Zeitlose Musik

Jan Howard, eine enge Freundin von Patsy Cline, Cowboy Hawkins und Hawkshaw Shepard, schwärmt: "Ich könnte den ganzen Tag über Patsy reden. Sie hatte ein großes Herz, Sinn für Humor und eine wunderschöne Stimme. Wen sie mochte, den liebte sie auch. Und allen anderen teilte sie ihre Meinung ehrlich mit. Sie war einfach einzigartig. Sie lebte im Jetzt, verstehen Sie. Sie existierte nicht einfach nur, sie lebte."

Zeitungsausschnitt über den Tod von Patsy Cline, Cowboy Copas und Hawkshaw Hawkins aus der Country Music Hall of Fame and Museum

Patsy liebte Country Music und den Western Swing, aber sie hatte, so Howard, ihre eigene Meinung zu den Arrangements und legte sich deswegen mit ihrem Produzenten Owen Bradley an, dem die zeitlose Qualität ihrer Musik zu verdanken ist. "Der Musik von Cowboy Copas und Hawkshaw Hawkins hört man an, dass sie in den 60er Jahren aufgenommen wurde", meint Bill Kee. "Patsy Clines Musik dagegen könnte mit ihrer Orchestrierung und dem Background-Gesang auch gerade erst gestern in Nashville aufgenommen worden sein."

"Owen bot ihr die Stirn", fügt Jan Howard hinzu. "Er war ein Genie, als Produzent und als Musiker. Er war mein Produzent. Er kam herein und setzte sich direkt ans Klavier, und die Arrangements stammen meistens von ihm und den Musikern. Es war eine Kombination aus großartigem Produzenten und großartigem Künstler mit einer tollen Stimme. Wenn sie sich durchgesetzt hätte, wäre heute alles anders. Dank Owen lebt ihre Musik weiter."

vgw
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