Reckless Kelly - Long Night Moon

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Redaktionswertung Bewertung: 4,5 Sterne = sehr gut
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Schöner Titel, schönes Album: Mit "Long Night Moon" präsentiert die aus Oregon stammende, seit Mitte der 90er Jahre im texanischen Austin lebende Formation ihr elftes Album. Eine stattliche Anzahl von Tonträgern - und dennoch rangiert Reckless Kelly immer noch in der Rubrik "Geheimtipp".

Vielleicht ja nicht mehr so lange. Denn wenn es der Band um die singenden und musizierenden Brüder Willy und Cody Braun gelingt, den Weg der letzten Alben fortzusetzen, dann ... ja, dann wird aus Reckless Kelly noch ein guter Bekannter aus den einschlägigen Hitparaden.

Das Zeug zum Erfolg haben die Wahl-Texaner allemal. Sie beherrschen ihre Instrumente, sie haben ein glückliches Songwriter-Händchen, sie sind mit charmanten, kraftvollen Stimmen gesegnet, und: sie sind kreativ und haben Phantasie. Manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu viel davon. So reicht ihnen bisweilen das simple, kerzengerade Arrangement nicht aus. Schon beim Opener und Titeltrack sorgen synkopierte Tom-Tom-Grooves und verzerrte Gitarren für wuchtiges Pathos - das in manchen Momenten an Neil Young während einer salbungsvollen Schaffensperiode denken lässt. Dennoch hat der Song natürlich seinen eigenen Reiz. Vor allem wohl für die Band, denn gegen Ende der CD servieren sie eine über dreieinhalb minütige "Reprise"-Version des Titels. Na ja, kann man machen. Muss man aber nicht machen.

Vor allem auch deshalb, weil Gebrüder-Braun und Co. auch simple, dafür aber zwingende Songs im Repertoire haben. Man höre nur "Real Cool Hand", ein rotziger, unbekümmerter, lässiger, kurzum: starker Titel, der jederzeit auch einem gut gelaunten Tom Petty zu Gesicht stehen würde. Oder "I Can't Stand It" - ein deftig, eckig-kantiger Country-Rocker im Midtempo-Bereich.

Zur vollen Blüte läuft das Ensemble immer auf, wenn es sich auf Folk-Rock-Terrain begibt. Das fröhliche, an Byrds-Höhenflüge gemahnende "The Girl I Knew" und die gar nicht mal so traurige Ode an den endgültigen Abschied "The Last Goodbye" gehören zu den schönsten Folk-Songs der letzten Zeit. Titel, die sich ganz klar auf die 70er Jahre beziehen: klassischer Harmonieaufbau, vielstimmige Harmony-Vocals, eine perlende Solo-Gitarre und – als solides Fundament – eine brummende Orgel.

Fast ein Jahrzehnt weiter rückwärts gewandt erscheint das finale (Bonustrack) "Any Directions From Her". Der zupackende, hemdsärmelige Country-Rock erinnert in seiner Unbeschwertheit an Buffalo Springfield. Womit der Kreis zum guten Neil geschlossen wäre.

Fazit: Das vermutlich stärkste Album der Country-Rocker aus Austin – mit herrlich nostalgischen Momenten und wunderbar eingängigen Songs.

Label: No Big Deal / Blue Rose (Soulfood) VÖ: 11. Oktober 2013

  • Titelliste

01 Long Night Moon 07 I Can't Stand It
02 Real Cool Hand 08 The Last Goodbye
03 Irish Goodbye 09 I Didn't Mean To Break Your Heart
04 Every Step of The Way 10 The Only Home I've Ever Known
05 Be My Friend (In Real Life) 11 Long Night Moon (Reprise)
06 The Girl I Knew 12 Idaho


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