Julie Roberts - Who Needs Mistletoe

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Kaum zu glauben aber wahr - bald ist das Christkind schon wieder da. Im (zumindest in Tennessee) sehr warmen August diesen Jahres hat sich Julie Roberts ins gut klimatisierte Studio zurückgezogen, um erstmals Weihnachtssongs aufzunehmen. Herausgekommen ist eine EP mit insgesamt sieben Songs. Neben sechs bekannten Klassikern zum Fest hat es auch die neue und titelgebende Komposition "Who Needs Mistletoe" darauf geschafft.

Und gerade dieser Song ist es, der aufhorchen lasst. Das Stück, welches sich Roberts zusammen mit Jason Collum ausgedacht hat, enthält im Refrain die provokante Zeile "Who needs Mistletoe, I'd rather be under you". (Wer braucht einen Mistelzweig, ich bin lieber unter Dir) Weiter geht es mit "'Cause I want to be naughty" (Weil ich ungezogen sein möchte) und "This the season for giving - are you in a giving mood tonight?" (Dies ist die Zeit des Gebens und bit Du in der Geben-Stimmung heute Nacht). Im doch (angeblich) so prüden Amerika eine solche Zweideutigkeit?! Was hat sich die Dame aus South Carolina denn dabei gedacht? Fakt ist aber, dass ihre verraucht (bis verrucht) klingende Stimme und die sparsame Ausstattung des Lieds mit dominanter E-Gitarre, gestrichenem Schlagzeug oder schwülstiger Orgel exakt zum schlüpfrigen Inhalt passt. Ist nur die Frage, wie ein derart erotisch angehauchtes Lied bei den Kleinen unter dem Weihnachtsbaum ankommt?

Doch keine Sorge, bei ihren Interpretationen bekannten Liedguts hält sich die 32-Jährige an die sonst üblichen Regeln im Weihnachts-Geschäft. Das bedeutet, es geht überwiegend zuckersüß zu. Und da liegt die Grenze zwischen Kitsch und Kunst bekanntlich sehr nah beieinander. So punktet sie bei ihrer Version von "Blue Christmas" ganz allein mit ihrer vielseitigen Stimme, die nicht nur sexy, sondern auch verletzt klingen kann und das harmoniert wiederum mit dem traurigen Inhalt des Verkaufsschlagers von 1964. Anders sieht es bei "Have Yourself a Merry Little Christmas" aus, bei dem die Gute vor allen Dingen beim Finale etwas sehr angestrengt klingt. Im Gegensatz dazu aber gefällt Roberts wieder bei ihrer fast schon ergreifenden Neuauflage von Willie Nelsons "Pretty Paper".

Eins jedoch haben alle Songs gemeinsam. Wüsste man nicht, dass Julie Roberts eigentlich als Country-Sängerin firmiert - die Stücke würden diese Tatsache einem kaum verdeutlichen. Zwar stehtihre Stimme immer über allem - doch wo ist hier der Country-Twang in der Musik? Wo ist eine Fiddle oder eine heulende Pedal-Steel Guitar? Die hat das Christkind offensichtlich vergessen. Und das ist bei einem Weihnachtsalbum einer Country-Künstlerin schon etwas traurig.

Fazit: Ein kleines Christmas-Album mit einem provokanten Titelsong und überwiegend gut gesungenen Klassikern. Leider aber kommt der Country-Faktor dabei viel zu kurz..

Julie Roberts
Label: Aint Skeerd (in Deutschland nicht veröffentlicht) VÖ: 1. November 2011

  • Titelliste


01 Blue Christmas 05 O Holy Night
02 Who Needs Mistletoe 06 Away In a Manger
03 Pretty Paper 07 Have Yourself a Merry Little Christmas
04 I'll Be Home for Christmas


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