Auf "Country is Dead" covert Benjamin Tod 12 Country-Klassiker auf ungewöhnliche Art und Weise
Düster und direkt von der Straße weg, so lässt sich die Musik von Benjamin Tod am ehesten beschreiben. Doch wo sonst kommt Country auch her. Es braucht eine Brise Staub, um Musik von Legenden, wie Merle Haggard, Hank Williams, Jimmie Rodgers oder Bob Dylan zu neuem Leben zu erwecken und gleichzeitig so klingen zu lassen, als stünde man direkt an einem alten Bahnhof im Westen in einer längst vergangenen Epoche. Die Zugpfeife ist eigentlich eine Pedal Steel und man stellt sich die Wirkungen der Generationen vor, die einfließen in dieses Projekt, um dem Ganzen den letztlich rauen Stil zu verleihen. Produziert wurde "Country is Dead" von Andrija Tokic im Bomb Shelter Studio in Nashville.
Freundschaft mit Sierra Ferrell
Auf seinem Soloalbum "Shootin Star" im Jahr 2024 war auch ein Walzer im Vintag-Stil enthalten, den Benjamin Tod mit Sierra Ferrell aufnahm. Er bezeichnet die Künstlerin als Freundin. Wahrscheinlich ist es dann auch das Ergebnis, wenn am Ende ein Paar zusammenspielt, das sich auf allen Ebenen versteht. Mit "One Last Time" präsentierten sie damals einen einfach wunderschönen Song. Gern hätte er sie auch diesmal zur "Country is Dead" einladen dürfen. Es hätte gepasst.
Denn es ist ein aktuelles Phänomen, dass ehemalige Straßenmusiker, wie eben Sierre Ferrell, Benjamin Tod oder auch beispielsweise Charley Crockett, die sich früher tatsächlich für ein paar Dollar irgendwo durchgeschlagen haben, ihren authentischen Stil transportieren. Die Gesellschaft sieht ihre Werte und liebt die schonungslosen Geschichten über Armut und das Leben am Limit.
Dabei ist Benjamin Tod nur bedingt durchs Land gezogen. Tatsächlich wuchs er nördlich von Nashville in Tennessee auf. Dafür durfte er so auch miterleben, wie die klassische Country Music im Schatten des Mainstreams vernachlässigt wurde. Jedoch festlegen auf einen bestimmten Stil hat er sich nicht wollen. Auch auf keine Ära. Er interpretiert fast die gesamte Breite der Epochen.
Der Geist der Vergangenheit
Doch der Geist der Neuinterpretation durfte in das aktuelle Album einfließen. Benjamin Tod arrangierte die Cover-Versionen aller zwölf Songs auf so einzigartige Weise, wie kaum jemand zuvor.
"Coffee black, Cigarettes…"… und jeder weiß bei diesen Worten sofort, was kommt. Doch diesmal eben nicht Don Williams, sondern Benjamin Tod brilliert in seiner Version, berührt den Zuhörer. Geschrieben wurde es von Wayland Holyfield und stieg am 12. März 1977 auf Platz 61 der Billboard Country Charts, wo es ganze 10 Wochen brauchte, um auf Platz Eins vorzurücken. Unzählige Cover-Versionen gab es über die Jahrzehnte, doch Benjamin Tod führt wieder zurück.
Er kommt mit unverblümter Ehrlichkeit und zeigt die leichte Seite auch anderer Klassiker, wie "Hickory Wind" von den Byrds, "Ragged Old Truck" von Billy Joe Shaver oder "You Take Me For Granted" von Merle Haggard". Benjamin Tod setzt sich schonungslos mit dem Schmerz auseinander. Die melancholische Kraft seiner Musik ist gewaltig. Selbst Ricky Skaggs' "Highway 40 Blues", das wir als rasantes Bluegrass-Stück mit schneller Banjo-Instrumentierung kennen, verwandelt er in eine sentimentale Pedal Steel-getragene Schönheit.
Fazit: Benjamin Tod kennt das Leben in all seinen Facetten. Diese zu steuern, obliegt in der Fähigkeit, dies in seine Musik zu verschieben. Mit jeder einzelnen Interpretation der Klassiker auf "Country is Dead" ist ihm ein Meisterwerk gelungen.









