Mit "It's a Joy to Be Alive" veröffentlichen Ferris & Sylvester ihr drittes Studio-Album
Mit dem Titeltrack eröffnet das aus der Sängerin Issy Ferris und dem Gitarristen Archie Sylvester bestehende Duo Ferris & Sylvester das neue Album. Ein Song, der – getreu dem Motto "nomen est omen" – vor Lebensfreude nur so sprüht: Sansoweiche Wohlklang-Melodien, federnde, unbeschwerte Grooves, ein nostalgisches Fender-Piano, West-Coast-Gitarrenakkorde und dazu: die Engelsstimme von Issy Ferris. Am meisten aber prägt den Song das ganz auf Vintage-getrimmte Streicher-Arrangement. Ein fidelnder Klang-Teppich, der an Glen Campbell während seiner "Rhinestone Cowboy"-Phase denken lässt.
Nicht die schlechteste Referenz, wenn es um Lebensfreude geht. Campbell hatte sich in dieser Karrierenphase indes vom Country, selbst vom Country-Pop, meilenweit entfernt. Sein damaliges Produzenten-Duo bestand schließlich aus Dennis Lambert und Brian Potter, zwei ausgewiesene Soul-Experten (unter anderem für The Four Tops). Ähnlich wie der große Glen, kreuzt auch das mittlerweile verheiratete Musiker-Paar in diesen gefälligen Easy-Listening-Soul-Pop-Gewässern: Ein Cruise durch die Nostalgie.
Klingendes Carpe Diem: "It's a Joy to Be Alive"
Das vorweggenommene Fazit bestätigen Ferris & Sylvester mit nahezu jedem ihrer neuen Songs. Meistens geht die Zeitreise gut. Beispielsweise beim unaufgeregten, souligen Folk von "Jealous"; beim zuckersüßen, schon fast verwegen auf die frühen 70er getrimmten Love-Song "Tiny Little Love" oder bei dem bluesigen, mit synkopiertem Beat unterlegten "Peach Tree Street". Unter diesen sonnendurchfluteten Tracks sticht besonders "Fishing Song" heraus – mit seiner putzigen Kindermelodie und dem gepfiffenen Intro würde sich der Song glatt für einen Margarine-Werbe-Clip eignen. So nett, dass es fast ans Belanglose grenzt.
Warum sich Ferris & Sylvester für diese Reiseroute ihres dritten Albums entschieden haben ist nicht bekannt. Fest steht aber, dass von ihrer ursprünglichen Americana-Herkunft heute nur mehr wenig übrig ist. Selbst der Blues, eigentlich die künstlerische DNA des grandiosen Gitarristen Archie Sylvester, spielt bei "It's a Joy to Be Alive" nur eine Nebenrolle. Bei der herrlichen Ballade "Strange Things" lässt er allerdings mit typischen Hendrix-Licks aufhorchen; und "Lucky Night", der vorletzte Song des Albums, erinnert in Gangart und Machart deutlich an den unverwüstlichen Freddie King-Klassiker "Going Down".
Nicht immer funktioniert ihre sonnige Reise in die musikalische Vergangenheit. Auch, weil die beiden mitunter zu viel wollen und dann zu viel in einen Drei-Minuten-Song packen. Beispiel: "The Game". Auf einen Motown-Groove (Viertel auf die Snare) treffen die hier obligatorischen, etwas unglücklich gesetzten Streicher und eine nicht gerade schlüssige Gesangslinie. Trotz hübscher Arrangement-Einfälle ruckelt und holpert es in dem Song. Da denkt man unwillkürlich: Vielleicht wäre ein übergeordneter Produzent als Regulativ doch keine so schlechte Idee.
Ferris & Sylvester: ein weiterer musikalischer Haken
Auch wenn Ferris & Sylvester mit "It's A Joy To Be Alive" einen weiteren stilistischen Haken schlagen, bleiben sich die beiden dennoch treu. Denn wie sagte Archie vor zwei Jahren im CountryMusicNews.de-Interview: "Wir schreiben unsere Songs, ohne uns darum zu kümmern, wo man sie einordnet: Song first, Song first, Song first." Eine sympathische Haltung. Einen weiteren britischen Americana Music Award dürfte es für "It's a Joy to Be Alive" allerdings nicht geben. Aber wer weiß?
Fazit: Das Leben ist schön und Nostalgie ist noch schöner: Auf "It's a Joy to Be Alive" zelebrieren Ferris & Sylvester den geigenlastigen Easy-Listening-Sound der 70er Jahre. Nett, angenehm – letztlich aber etwas zu leicht.










