Filmore zündet 2026 mit seinem neuen Album "Atypical" voller genreübergreifender Ambitionen
Der in Missouri geborene Sänger und Songschreiber Filmore hat sich nach und nach einen Ruf für seine Kombination aus prägnantem Songwriting und genreübergreifender Produktion aufgebaut, wodurch er Hunderte Millionen Streams und eine wachsende nationale Bekanntheit erlangt hat.
Nachdem er sich nach "Mean Something" aus dem Jahr 2023 zurückgezogen hatte, um sich auf seine Familie und kreative Erneuerung zu konzentrieren – während er eng mit seinem Mentor Pitbull zusammenarbeitete –, kehrt er nun mit einem Projekt zurück, das sowohl persönlich als auch bewusst mutig wirkt.
Filmore auf neuen Pfaden
"Atypical" läutet ein neues Kapitel ein, da Filmore der erste Country-Künstler ist, der bei Pitbulls Mr. 305 Records unter Vertrag steht. Die 21 Titel umfassende Sammlung, die größtenteils von Filmore selbst mitgeschrieben und koproduziert wurde, verbindet ehrliche Geschichten über Liebe, Herzschmerz und den Alltag mit einer breiten Klangpalette, die sich aus Outlaw Country, Rock, Hip-Hop, Pop und darüber hinaus speist. Das Ergebnis ist ein Album, das seine Crossover-Ambitionen unterstreicht und gleichzeitig die Kernidee bekräftigt, dass es eine künstlerische Stärke und keine Einschränkung sein kann, wenn man nicht in die Norm passt.
Das Album wird seinem Titel von Anfang an gerecht und liefert ein bewusst genreübergreifendes Country-Album, das sich ebenso frei aus Pop und Hip-Hop bedient wie aus der Tradition Nashvilles. Es erinnert oft an die Crossover-Instinkte von Sam Hunt, Thomas Rhett und Florida Georgia Line, doch Filmores Persönlichkeit verhindert, dass es sich wie ein Abklatsch anfühlt. Seine gesprächige Gesangsphrasierung und sein Gespür für eingängige Refrains ermöglichen es ihm, stilistische Grenzen zu überschreiten und gleichzeitig eine einheitliche künstlerische Stimme zu bewahren.
Die unmittelbar zugänglichsten Stücke des Albums liegen im kommerziellen Pop-Country-Bereich. "Blame a Country Song", gemeinsam mit dem Hit-Songschreiberin Trannie Anderson geschrieben, sticht als Höhepunkt des Albums hervor – voller Kleinstadtbilder, knackiger Gitarren, cleverer Taktwechsel und einem riesigen Refrain, der zum Mitsingen einlädt und wie für Live-Publikum gemacht ist.
"Betcha Gonna" folgt mit einer sanfteren, radiofreundlichen Atmosphäre, die an moderne Country-Chartstürmer erinnert, während "Love at First Fight" Pop-Rhythmen, Gitarrenklänge im Stil der 80er Jahre und eine clevere lyrische Wendung darüber, dass man mitten in einem Streit erkennt, dass man verliebt ist, miteinander verbindet. Diese Titel zeigen, dass Filmore sich mühelos innerhalb der Erwartungen an zeitgenössische Country Music bewegt und dabei dennoch seine eigene Persönlichkeit einbringt.
Eine eher introspektive Ader zeigt sich in "Dark Side of Drinking", "365" und "Only Heaven". Die akustische Zurückhaltung in "Dark Side of Drinking" lässt die Zeile "Who knew sad songs were on the jukebox?" mit emotionaler Klarheit wirken, während der Album-Closer "365" Selbstverbesserung als ein ganzjähriges Versprechen darstellt: "my next 365" – das Leben auf die Reihe bekommen. Diese ruhigeren Songs offenbaren die Tiefe hinter der partytauglichen Fassade des Albums und bieten eine Reife, die einen schönen Kontrast zu den unbeschwerten Momenten, wie dem von Thomas Rhett inspirierten "Made for the Summer", bildet.
"Atypical" bedeutet wörtlich genommen "nicht typisch” oder "nicht dem Typ entsprechend"
Der mittlere Teil des Albums lehnt sich stark an den genreübergreifenden Southern Pop an. "Beach Bar" mischt Country-Geschichten über Trennungen mit tropischer Pop-Produktion auf eine Weise, die unerwartet eingängig ist, während "Reality" am weitesten geht und glänzende elektronische Texturen, roboterhafte Hintergrundgesänge und philosophische Texte über moderne Entfremdung umfasst. "The Moon", "Nobody Ever Loved You" und "Reel Life" balancieren Nostalgie, Herzschmerz und ländliche Bilder mit schlanken Pop-Klängen aus und schaffen einen hybriden Raum, in dem die Country-Identität eher thematisch als musikalisch wird, während die Produktionswerte wild zwischen glatten Keyboard-Sounds und poplastigen Klängen schwanken.
Der letzte Stilabschnitt erinnert an Szenen aus einem neonbeleuchteten Nachtclub in Miami. "Hola" vermittelt lateinamerikanische Pop-Energie, die an Enrique Iglesias erinnert, mit Bläsern, Rhythmus und Flirt. "Yeehaw" ist hingegen vielleicht der gewagteste Swing, der Country-Anklänge – sogar Anspielungen auf Johnny Cash und June Carter Cash – mit Hip-Hop-Club-Bravado verbindet, beeinflusst von Pitbull und dem genreübergreifenden Ansatz von Shaboozey. Auch "Cost of Living" und "South on Me" setzen diese Nachtclub-Atmosphäre fort und verbinden Herzschmerz und Romantik mit lateinamerikanisch angehauchten Dance-Beats. Letzterer ist sogar mit spanischen Wörtern und Phrasen gespickt, während Filmore es genießt, seiner Frau beim Tanzen zuzusehen!
Mit 21 Songs ist das Album wohl etwas zu lang geraten. Es gibt kaum Verschnaufpausen, und wenn man es am Stück hört, kann es ohne stilistische Abwechslung zwischen den einzelnen Songs etwas überwältigend wirken. Doch genau dieser Maximalismus ist Teil des Reizes: Filmore strebt eindeutig keine sichere Kohäsion an. Unter dem Einfluss eines poporientierten Labelumfelds liefert er eine kühne Fusion aus Country-Storytelling, Pop-Zugänglichkeit, lateinamerikanischen Rhythmen und dem Glanz des Nachtlebens in Florida, die eigentlich nicht ganz zusammenpassen sollte – aber dank seiner konsistenten stimmlichen Präsenz und Erzählstimme oft doch funktioniert.
Fazit: Die Verschmelzung von Country-Wurzeln mit einem modernen, genreübergreifenden Touch schöpft "Atypical" aus einer umfangreichen Klangpalette – von Outlaw-Country-Grit und Rock-Energie bis hin zu Hip-Hop-Rhythmen, Pop-Melodien und darüber hinaus, was bei dem Album von Filmore nur bedingt funktioniert.










