Mit "Into the Neon" erinnert Randall King mehr denn je an 90er Größen wie George Strait
Mit großer Wahrscheinlichkeit hat niemand der Konzertbesucher die Ausgaben für das Ticket bereut. Denn der junge Sänger mit der typischen Country-Lässigkeit ist für seine hingebungsvollen Shows bekannt. Er macht Country nicht nur, er lebt diesen Sound auch mit jeder Faser seines Körpers. Diese volle Hingabe hat ihm schon vor ein paar Jahren großes Lob von höchster Stelle eingebracht: Kein Geringerer als Garth Brooks schwärmte von Randall King mit den Worten: "Dieser Junge verkörpert für mich alles, was Country ausmacht. Ein toller Typ und ein verdammt guter Songwriter."
Randall King: ganz auf Retro-Kurs
Tja, und wer würde es schon wagen, Country-Megastar Garth Brooks zu widersprechen. Das Schöne daran ist, dass man auch keinerlei Gründe für einen Widerspruch ausmachen kann - zumindest nicht, was Randall King auf seinem neuen Album "Into the Neon" anbietet. Angefangen vom Opener, dem ganz in der romantischen Tradition von George Strait angesiedelten "One Night Dance" über das im Midtempo-Bereich gehaltene, etwas rockigere "Somewhere Over Us" bis hin zum aufgedrehten, mit Drive und Pedal Steel versehenen "Tonk Till I Die" - Randall King liefert ab. Kompetent, stimmkräftig und völlig schnörkellos.
"Into the Neon" ist aber weit mehr als nur ein starkes Album eines starken Interpreten. Es ist eine Zeitreise. Ein Trip in die späten 1980er oder frühen 1990er Jahre. In die Zeit, als Brooks & Dunn, Alan Jackson, Tracy Lawrence, Vince Gill, Randy Travis, George Strait, Garth Brooks & Co. das Genre Country neu definierten - und in ungeahnte Höhen sangen. Sie sorgten dafür, dass Country nicht mehr als Musik für engstirnige Hinterwäldler galt, sondern dass der Nashville-Sound auch ein urbanes, dazu globales Publikum erobern konnte. Sie stellten die Weichen für alles, was später in den 2000er Jahren noch alles kommen sollte. Sie waren die Pioniere - und sie sind für manche heutige Acts immer noch die Vorbilder, denen man gerne nacheifert.
"Into the Neon" in der Tradition von George Strait, Garth Brooks & Co.
Randall King ist einer von ihnen. Und dazu einer der talentiertesten. Denn in Titeln wie dem fröhlichen "Hard to Be Humble", dem aufgekratzten "When My Baby's In Boots" oder dem kernigen, mit Tiefbass-Stimme unterlegten Country-Shuffle "What Doesn't Kill You" stellt der Newcomer alle Tugenden eines überzeugenden Country-Sängers aus: er bringt einen Schuss Melancholie mit, er kann rocken und Party machen, er zeichnet sich durch großen Stimmumfang und stilistische Flexibilität aus und - darauf kommt's an - er hat hochprozentiges Country-Feeling im Blut.
Dass der Trip in die Country-Vergangenheit so überzeugend ausfällt, liegt aber auch an den Arrangements und an der kompetenten Instrumentierung. Hier hat jede Note seine Berechtigung, ist jedes Instrument genau an seinem Platz. So wie es erwähnte Helden vor 30 Jahren gemacht haben, arrangierte man auch die Songs von "Into the Neon" - ohne zu viel Studio-Makeup und ohne überflüssige Verzierungen. So gewinnen die Songs an Statur und mit ihnen der Sänger Randall King. Sein Album zu hören, beschert genau das, was er in einem seiner neuen Songs beschwört: ein "Good Feelin'".
Fazit: Randall King huldigt auf seinem Album "Into the Neon" dem Country-Sound der 90er Jahre - und erinnert dabei stimmlich und atmosphärisch immer wieder an George Strait.