Morgan Wallen ist wieder da - Ist ein Jahr genug?

Morgan Wallen

Ein Jahr nach seinem Fehltritt geht Morgan Wallen wieder auf Tournee

Bereits in jüngster Vergangenheit tauchte Morgan Wallen mit einem Auftritt in der Grand Ole Opry wieder in der Öffentlichkeit auf. Rund ein Jahr ist seit dem Video, in dem er sich rassistisch äußerte, vergangen und damit stellt sich die Frage: Ist ein Jahr genug?

In Kürze wird Morgan Wallen seine Live-Tournee beginnen. Angelegt auf acht Monate und mit Terminen in ganz Amerika, Wallen kann sich bereits jetzt auf die umstrittenste Live-Tournee vorbereiten. Unter anderem wird er im Madison Square Garden in New York und in der Bridgestone Arena in Nashville auftreten. Der ursprüngliche Beginn der Tournee, war 3. Februar, ist hierbei wohl kein zufällig gewählter Termin, denn exakt an diesem Tag vor einem Jahr stand sein Name in allen Schlagzeilen. Jedoch keinesfalls Schlagzeilen positiver Natur denn es ging darum, dass er in einem von TMZ veröffentlichten Video einen Freund mit dem N-Wort ansprach und so eine medienwirksame Rassismus-Kontroverse lostrat. Damals hätte der Zeitpunkt ein kaum schlechterer für Wallen sein können, denn bis zu diesem verhängnisvollen Video stand sein Album "Dangerous: The Double Album" auf Platz eins der Billboard 200. Als Reaktion auf das Video nahmen landesweite Radio-Stationen von seiner Musik Abstand, Streaming-Anbieter und Country Music Television (CMT) schlossen ihn aus ihren Diensten aus und sein Label, Big Loud, "suspendierte" ihn. Das klingt nach viel Gegenwind, jedoch ist ein Jahr später wenig von der Aufregung übrig.

Wenn die Pause zum Erfolgsschlager wird

Morgan Wallen zog sich für kurze Zeit aus der Öffentlichkeit zurück und ließ schlichtweg Gras über die Sache wachsen. Bereits im August 2021 war seine "Suspendierung" offenkundig abgelaufen, denn Big Loud veröffentlichte seine neue Single "Sand in my Boots" mit großem Erfolg. Ein Schritt, der für das Label wohl nicht früh genug kommen konnte, denn Wallens Karriere schien keinerlei Schaden von der vorangegangenen Sache zu tragen. Im Gegenteil: "Dangerous: The Double Album" kam am 8. Januar 2021 auf den Markt und ist mittlerweile das populärste Album in den Vereinigten Staaten. Dies bestätigen Daten von MRC Data, die auf zehn Wochen auf Platz eins der Billboard 200 hinweisen, das schaffte kaum ein Album in den letzten fünf Jahren. Zum aktuellen Zeitpunkt hält sich das Album 54 ununterbrochene Wochen in den Top-10 der Charts, nur ein Country-Album kann das noch überbieten und auch neben dem Album aus dem Januar letzten Jahres war Wallen erfolgreich unterwegs. Mit "Broadway Girls", ein Duett mit Rapper Lil Durk, brachte Wallen seine erste Single seit "Dangerous" heraus und landete prompt auf Platz eins der Hot R&B/Hip-Hop Song Charts des Billboard, nicht zu vergessen die erwähnte Single "Sand in my Boots", die auf Platz vier der Billboard Country Airplay Charts steht.

Etwa zur selben Zeit als "Sand in my Boots" herauskam, im Sommer letzten Jahres, nahmen auch die Radio-Stationen Wallen wieder in ihr Programm auf und die Wunden aus dem TMZ-Video und der Affäre des N-Wortes schien vergessen. Billboard wiederum befragte die Country-Music-Community und es ergaben sich gemischte Ergebnisse. Einige sagen, Wallen verdiene Vergebung und er solle die Möglichkeit bekommen, seine Taten hinter sich zu lassen, andere wünschten sich von dem Künstler, dass er öffentlich beweisen sollte, dass er sich in Rassenfragen weitergebildet hat. Dies hatte er schließlich in einem Instagram-Video vom 10. Februar 2021 versprochen. In einem waren sich jedoch alle von Billboard befragte einig: Das Scheinwerferlicht sollte aktuell nicht auf Wallen gerichtet sein, denn mit dem Fokus auf ihm, würden die großen Probleme des Rassismus in der Country Music in den Hintergrund gerückt werden. Unterstützend dazu äußerte sich Beverly Keel, Dekanin am College of Media and Entertainment an der Middle Tennessee State University, dahingehend, dass Wallen nun für ein Jahr die gesamte Energie der Öffentlichkeit aufgesaugt hatte. "Lasst uns jetzt darüber sprechen, wie wir die Dinge in der Country Music verbessern können. Solange wir von Morgan Wallen besessen sind, müssen wir uns nicht mit den ernsthaften Problemen befassen", so Keel.

Die Komplexität der Situation sei Keel dabei vollkommen bewusst und es müsse der richtige Zeitpunkt gefunden werden, über Wallen zu sprechen, ohne auf das Video zu verweisen. "Einerseits möchte man sagen, dass er sein Leben wieder aufnehmen kann. Andererseits ist es heute genauso falsch wie damals." Ein weiteres Problem der Situation ist, dass viele Künstler aus der Generation rund um Wallen sich zu der Thematik kaum bis gar nicht äußerten. Im Gegenteil, die Social Media-Beiträge von Wallen wurden auch nach dem Video und vielen Distanzierungen aus der Branche weiter mit "Gefällt mir" markiert. Dahinter steckt jedoch nach Aussagen von Walker Hayes keinesfalls Ignoranz oder Desinteresse an einem relevantem Thema. Der "Fancy Like"-Sänger könne schlichtweg als gläubiger Mensch die Sünde vom Sünder trennen. "Mein größtes Bedürfnis ist einfach kontinuierliche Barmherzigkeit", so Hayes gegenüber Billboard, "Ich kenn ihn nicht persönlich, aber ich weiß, dass er ein begnadeter Künstler ist. Ich liebe so ziemlich alles, was er herausbringt. Seine Handlungen halten mich nicht davon ab, seine Musik zu genießen." Wobei dem Statement die Aussage folgt, dass Hayes die Situation um Wallen wenig beobachtet hätte, offensichtlich keinen Rassismus dulde oder ihn irgendwie aufrechterhalten wolle. Er könne verstehen, wenn andere Menschen meinen, es sei zu früh. Andere in Nashville machten für den großen medialen Rückschlag für Wallen auch schlichtweg die Zeit damals verantwortlich.

"Wenn es einen schlechteren Zeitpunkt gegeben hätte, das zu tun, was er getan hat, hätten sie ihn meiner Meinung nach nicht finden können", sagte eine nicht näher definierte Führungskraft aus Nashville gegenüber Billboard. "Er wurde zum Aushängeschild der Wut, die in Amerika vor sich ging. Das soll nicht heißen, dass er nicht etwas Falschen gemacht und Dummes gesagt hat, aber durch den Fokus der ganzen Welt auf ihm, konnte man ihm bislang einfach nicht vergeben."


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