The White Buffalo in Hamburg

The White Buffalo live in Hamburg

Souveräner Auftritt von The White Buffalo.

Wer im Übel & Gefährlich in Hamburg auftritt, kann von einer ziemlich großen Fangemeinde sprechen. In die ausgefallene Location, welche in einem Weltkriegsbunker liegt, passen knapp 1.000 Menschen. Das schaffte The White Buffalo am 24. April 2018 zwar nicht ganz, aber immerhin kamen etwas mehr als 800 Fans, um den Musiker live zu sehen. Der noch vorhandene Platz wurde von den Zuschauern aber auch bitter benötigt, denn es wurde getanzt und gesprungen was das Zeug hält. Zumindest in den ersten Reihen. Dahinter wurde es etwas ruhiger. Sehr viel ruhiger. Doch warum?

Viele Fans kennen The White Buffalo durch die Serien "Sons of Anarchy" und "Californication". Nur die Wenigsten hatten schon vorher von Jakob A. Smith, wie The White Buffalo im wahren Leben heißt, gehört. Und es waren genau diese Fans, die im in den ersten Reihen sprangen und tobten. Ein Großteil der Zuhörer lauschte zwar der Musik, aber blieb ruhig. Das lag nicht zuletzt auch daran, dass The White Buffalo nur wenige der Masse bekannten Songs überhaupt spielte.

Brother Grimm: Zwischen Kunst und Musik

Als Vorband trat an diesem Abend im Übel & Gefährlich der Wahlberliner Brother Grimm auf. Was der Auftritt am Ende war, vermag wohl keiner zu sagen. Kunst? Musikinstallation? Wer weiß. 30 Minuten Auftritt, drei Lieder. Dabei war die Performance sehr ungewöhnlich. Manch einer wird sagen es war experimentell, ein anderer wird sagen es war gewöhnungsbedürftig.

In welches Genre die Lieder von Brother Grimm fallen, lässt sich nicht genau festmachen. Lange, psychedelischen Gitarrenklänge, minimale Melodien, viele Töne. Mit so viel Experimentierfreude hatte das Publikum nicht gerechnet. Der Applaus am Ende war verhalten. Vielleicht war das Publikum auch einfach nicht bereit für so viel Neuartigkeit, die auch klanglich so gar nicht zu The White Buffalo passen wollte.

The White Buffalo: Manche Fans wurden enttäuscht

"Wir dachten, wir würden mehr Songs aus Sons of Anarchy hören", sagte ein Gast nach ungefähr der Hälfte des Konzerts. Zugegeben, ganz fair ist dieser Satz nicht. Immerhin handelte es sich bei dem Auftritt nicht um ein "Sons of Anarchy"-Best-Of, sondern um die Tour zu The White Buffalos neustem Album "Darkest Darks, Lightest Lights", mit welchem der Musiker nun bereits seit einem halben Jahr unterwegs ist. Zuerst in den USA und Kanada, nun in Europa, darunter dreimal in Deutschland, davon Köln ausverkauft.

Trotzdem hätte The White Buffalo etwas mehr seiner Songs spielen können, mit denen er berühmt geworden ist. Gerade einmal "Oh Darlin' What Have I Done" und "Come Join The Murder" führte der gebürtige Kalifornier auf. Zwischendurch gab er auch Lieder älterer Alben zum Besten. Wie etwa "Black and Blue" aus dem EP "Prepare for Black and Blue". Die meisten Songs allerdings kamen von seiner neuen Platte.

Voller Energie, doch distanziert

Es ist die Frage, ob das Konzert deshalb nur etwas mehr als 80 Minuten ging, eben weil sich The White Buffalo nur auf sein neues Album konzentrierte oder ob es an seiner Stimme lag, die kurz nach Beginn immer mal wieder versagen wollte und zwischen den Songs kräftig mit Wasser (oder einem klaren alkoholischen Getränk?) geölt werden musste. Der Sänger entschuldigte sich dafür mehrmals.

Vielleicht lag es auch an der Stimme, dass The White Buffalo nur eine Zugabe gab. Allerdings kann es nicht an seiner Stimme gelegen haben, dass er kaum mit dem Publikum interagierte. Hier mal ein "Danke", dort mal ein "Seid ihr gut drauf?", das wars. Dementgegen stand die pure Energie und Qualität mit der Smith auf der Bühne performte. Er sprang, lief und headbangte wie ein Flummi über die Stage und schwitzte gefühlt literweise. Dabei klangen seine Lieder immer perfekt getimt. Zufällig geschah nichts. Alles in allem dürften Fans von The White Buffalo voll auf ihre Kosten gekommen sein. Wer allerdings nur auf dem Konzert war, um die bekannten Hits des Musikers zu hören, wurde enttäuscht.

The White Buffalo steht heute noch in Berlin auf der Bühne. Mehr dazu in unserem Terminkalender.

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