Taylor Swift; Foto: Melinda Norris

"Es ist kaum zu glauben, aber es ist gerade mal ein halbes Jahr her, da saß ich in einem Gebäude, das mein Label werden sollte. Die Wände waren noch nicht gestrichen, und wir steckten das, was einmal meine erste Single werden sollte, in Umschläge" - Taylor Swift sagt dies mit diesem unvergleichlichen "was kostet die Welt" Enthusiasmus, den sie seit ihrem plötzlichen Aufstieg ausstrahlt. "Wir haben einfach gehofft, dass die Leute sich ein Lied mit dem Titel 'Tim McGraw.' anhören"

Sie haben aber mehr getan als nur zuzuhören. Über 40 Millionen MySpace Streams bis zum 16. Februar 2008, drei Singles auf Anhieb in den Top 6 ("Tim McGraw," "Teardrops on My Guitar" und "Our Song", der volle sechs Wochen ganz oben in den Charts stand) dazu ein selbstbetiteltes Album, das 15 Wochen lang auf Platz 1 der Billboard Country Albums Charts stand. Das Publikum und ihre Fans stürzen sich offensichtlich kopfüber in den von Swift losgetretenen Strom. Sie ist die erste weibliche Solokünstlerin in der Geschichte der Country Music, die jeden Song ihres Doppel-Platin-Debütalbums selbst geschrieben- oder mit jemand anderem zusammen geschrieben hat und die jüngste Künstlerin, die jemals eine No. 1 Country Single ("Our Song") komplett allein geschrieben und gesungen hat.

Im Januar erreichte sie neue Verkaufs-Meilensteine mit dem digitalen Platin-Zertifikat von "Teardrops on My Guitar" und digitalem Gold für "Our Song." Swift gehört mit ihrem digitalen Platin-Status zur Elite der Country-Superstars, außer ihr haben nur Dixie Chicks, Rascal Flatts und Carrie Underwood diese Stufe der Zertifizierung erreicht.

Taylor Swift; Foto: MelindaNorrisphotography.com"Ich stelle fest, dass ich ein Geschäft bin," gibt die 1,80 m große Blondine zu, die bei der Entgegennahme des Horizon Award anlässlich der 2007 CMA Awards spontan ausrief "dies ist der absolute Höhepunkt meines Abschlussjahres an der High School!". "Ich bin so glücklich, ihn bekommen zu haben. Es ändert deine Sichtweise auf die Dinge. Aber ich weiß, dass ich nicht 25 bin. Wenn ich 25 bin, werde ich ein ganzes Jahr lang 25 sein. Ich rede zwar gerne über Geschäfte, aber ich bin erst 17."

Aber trotz ihres jugendlichen Alters, seit der Preisverleihung ist sie 18 geworden, hat sie bereits Abenteuer für ein ganzes Leben erlebt. Man muss die Fernsehserie "Hannah Montana" kennen um vielleicht ansatzweise zu verstehen, was sie bereits erlebt hat: Swift war gerade 11 als sie den Stars, die sie verehrte, nach Nashville folgte. Bereits zuvor hatte sie in ihrer Heimatstadt Wyomissing, Pennsylvania, an Autorennächten und Karaoke-Wettbewerben teilgenommen. Mit 13 schloss sie eine Entwicklungs-Vereinbarung mit der RCA Label Group ab und dann, mit 14, wurde sie die jüngste Autorin bei Sony/ATV Music Publishing.

"Ich fühlte mich etwas ausgegrenzt," gibt sie zu. "Nach der High School machten meine Freunde und Freundinnen Sport oder wurden Cheerleader, während ich bereits feste Verpflichtungen im Songwriter-Geschäft hatte. Aber ich konnte wenigstens mit meinen Mitautoren zusammensitzen und darüber reden, was in der Schule passiert war."

Das Schreiben war Swifts Rettung in diesen Jahren. Sie kam mit "Teardrops on My Guitar" heraus, als der Liebesschmerz für "den Jungen, den sie gern hatte, der aber ihre Freundin liebte" unerträglich wurde und "Wrapped Up with a Smile" erschien, als sie sich Sorgen machte um eine schöne "perfekte" Freundin, die ihre Bulimie vor ihr verbarg.

"Die High School ist ein eigenes Universum," stellte sie fest. "Alle Dinge sind 10 mal dramatischer als alles, was sonst in der Öffentlichkeit passiert. Man spürt eine unglaubliche Energie, wenn sich jeder für das Homecoming Fest schick macht, wenn jemand laut im Flur heult, weil der Freund mit ihr Schluss gemacht hat. Da ich selber jung bin, kann ich gut für Leute meines Alters sprechen."

Taylor Swift; Foto: Kristin Barlowe"Jeden Dienstag um vier," sagt Swifts Co-Autorin Liz Rose,Gewinnerin des SESAC's 2007 Songwriter of the Year-Award, "ging Taylor bereits als Schulmädchen zu Jody Williams Music, lief die Treppen hoch, schloss die Tür hinter sich und sagte, 'Ich hab' eine Idee.' Sie schrieb absolut wahrhaftig, alle die Dinge, die von den Kids gelebt werden. Sie hat alles ausgebreitet - und Jungs kaufen ihre Platten, weil sie selbst Drew waren, der Typ, der durch "Teardrops on My Guitar" unsterblich wurde. "Sie haben selbst Mädchen verletzt. Sie wissen Bescheid."

Nicht nur Kids hören Swift; durch ihre Gabe Verletzlichkeit in ihren Texten auszudrücken, hat sie sich in der gesamten Country-Community Respekt verschafft, der soweit ging, dass sie 2007 im Wettbewerb Songwriter/Artist of the Year von der Nashville Songwriters Association International gleich auf mit Alan Jackson gewann. Und neben all den Geschichten, die auf ihrer MySpace-Seite als Anschub für den Swift-Zug veröffentlicht wurden, hat auch eine altmodische sorgfältig geplante Kampagne im Radio viel damit zu tun.

"Ich bin in MySpace reingekommen, weil alle meine Freunde dort schon aktiv waren," gesteht sie lachend. "das ist halt unsere Art zu kommunizieren. Ich wollte nicht, dass die Leute denken, dass eine Plattenfirma MySpace irgendwie zur Promotion benutzt. Aber da ich die Leute reingelassen und ihnen dort über mich erzählt habe, ist es eine gute Sache.

"Wir haben 'Tim McGraw' dort platziert, da wir genau wussten, dass die Leute es anhören würden, und wenn es auch nur aus Neugier wäre," fährt sie fort. "Ich wollte einfach nur, dass die Leute mir eine Chance geben: Lasst mich doch mal in eurem Konferenzraum vorspielen oder ladet mich in eure Morning Show ein."

Sechs Monate Setup und geduldige Arbeit an ihrem ersten Album, Touren mit McGraw, Brad Paisley, George Strait und Rascal Flatts, Videos, in denen mit echter mädchenhafter Unschuld in Teen-Phantasien geschwelgt wurde - und all dies unmittelbar von Swift, einer jungen Frau, die sich voll darüber im Klaren war, dass sie ihre wahre Identität unverdünnt zeigen musste.

"Du musst dir sehr genau überlegen, was du herausbringst," sagt sie. "diese Songs zeigen dich als die Person, die du bist. Ich liebe mein Label, denn wenn ich zu Scott [Borchetta, Präsident/Geschäftsführer von Big Machine Records] sage: 'Ich weiß, dass dies eine No. 1 Single ist, aber ich will den Titel nicht auf der Platte haben,' dann sagt er 'OK.' Und deswegen funktioniert es so gut."

"Taylor ist unglaublich smart und hat ein wahnsinniges Gespür dafür, was läuft," sagt Robert Deaton, CMA Awards Produzent und Co-Inhaber/Direktor von Deaton Flanigen Productions. "Sie erinnert mich an Reba: Sie hat diese angeborene Fähigkeit, genau sich selbst rüberzubringen. Das ist sehr selten, und zwar in jeder Altersgruppe.

"Und sie ist absolut angstfrei."

Taylor Swift CDAußerdem ist sie sehr musikalisch. Im Dezember 2007, kehrte sie mit dem Produzenten Nathan Chapman ins Studio zurück, diesmal als Co-Produzent. "Ich habe so viele Ideen," sagte sie und begann sie sofort umzusetzen. Ihre Unermüdlichkeit wird nur übertroffen von der Konzentriertheit und Intensität ihres Talents.

"Wir haben jeden Dienstag geschrieben bis es richtig verrückt wurde," erinnert sich Rose. "Und selbst wenn sie einen Tag Pause hatte, rief Tayloran und fragte, 'Willst du schreiben?' Ich schwöre, dass ich mich nicht erinnern kann, sie jemals ohne ihre Gitarre gesehen zu haben."

Viele junge Leute träumen von Ruhm, Reichtum und kreischenden Fans. Swifts Träume jedoch waren immer etwas größeres, das alles umfasste: die Arbeit genauso wie die Freude an der Belohnung. Die meisten Vertreter ihrer Altersgruppe hätten in ihrem Traum vom Ruhm sicher nicht jede Radiostation im ganzen Land besucht, um dort um eine Chance zu bitten, noch dazu drei- bis achtmal pro Tag, sie hätten wahrscheinlich auch nicht neben dem Songschreiben und den Konzertterminen die Schularbeiten allzu wichtig genommen, wo doch die Zahl der Fans mit jeder Show und jeder neuen Ausstrahlung stieg.

"Es war eine unglaubliche Erfahrung, dort hinauszugehen und mit diesen Leuten zu reden," sagt sie, während sie die Stufen ihres Erfolgs innerlich abhakt. "Die Leute der Country-Radiostationen sind meine Chance - und meine Helden. Sie haben meinem Label, das es erst seit zwei Jahren gibt, ihren allerersten CMA Award verliehen. Man macht sich so seine Gedanken darüber, aber es ist einfach zu viel."

Für jetzt. Aber für immer? Wenn man bedenkt, mit welchem inneren Antrieb, welcher Energie, Intelligenz und Enthusiasmus sie an die Sache geht und wie weit sie schon gekommen ist und wie weit sie vorausschaut, ganz zu schweigen von ihrer Bereitschaft, ihr Erwachsenwerden im 21. Jahrhundert für jeden hörbar zu machen, dann erscheint einfach alles möglich.

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