Interview mit Tom Basden aus dem Kinofilm "The Ballad of Wallis Island"
Aus beiden Leidenschaften entstand im gleichen Jahr der Kurzfilm "The One and Only Herb McGwyer Plays Wallis Island". Nun wurde die Geschichte um einen Sänger und Songschreiber im Liebeskummer zu einem Langfilm mit seinen eigenen Songs ausgeweitet. Zur Deutschland-Premiere von "The Ballad of Wallis Island" kam Tom Basden zusammen mit Regisseur James Griffiths und Co-Star Tim Key zum Filmfest München, auf dem CountryMusicNews.de mit ihm sprechen konnte.
Wie ist es dazu gekommen, aus dem Kurzfilm vor 18 Jahren nun einen kinotauglichen Spielfilm drehen zu wollen?
Tim Key und ich können uns nicht mehr genau erinnern, woher die Idee kam oder wer von uns sie hatte. Aber ich glaube, damals kurz bevor wir den Kurzfilm drehten, haben wir viel Live-Comedy gemacht und waren gerade erst richtig in Fahrt gekommen. Einer unserer Freunde erzählte uns von einer Familie, die bei sich zu Hause einen privaten Comedy-Auftritt suchte. Also engagierten sie fünf von uns für eine Live-Comedy-Show. Es war ein ziemlich lustiger Abend, an dem wir nur für diese eine Familie auftraten. Das muss uns zumindest beeinflusst haben. Wir fanden, ein privater Auftritt wäre eine gute Ausgangssituation für eine Geschichte.
Aber Sie brauchten einen besonderen Schauplatz wie eine einsame Insel…
Genau! Ich denke, wir waren auch von echten Geschichten beeinflusst, etwa als wir hörten, dass jemand wie Sting für einen Milliardär auf einer Privatinsel ein Konzert gab. Es gibt auch Oligarchen, die Musiker für den 18. Geburtstag ihrer Kinder auf ihre Inseln holen. Einen Musiker auf eine Insel zu schicken, damit er vom Rest der Welt abgeschottet ist, erschien uns filmisch sehr reizvoll. Das gab der Geschichte Komplexität und Spannung verleihen.
Sie traten privat ja als Comedian auf. Warum haben Sie Ihre Rolle zu einem Sänger und Songschreiber umgeschrieben?
In meinem Comedy-Programm baute ich damals etliche Songs, die ich selbst geschrieben hatte. Wir waren alle der Meinung, dass die Komödie nur mit einem Künstler funktioniert, der sich selbst wirklich ernst nimmt. Also kein Komiker, sondern lieber einen mürrischen Musiker, der nicht mit seinem Fan, der ihn allein für sich allein engagiert hat, interagieren will.
Humor passt nicht zu einem Musiker?
Sagen wir mal so, Musik drückt so starke Gefühle aus, dass ein wichtiger Teil des Lebens ist. Musiker selbst tun sich aber oft schwer damit, zu erkenne, wie wichtig ihre Arbeit für andere ist. Sie fühlen sich damit unwohl und wollen eigentlich gar nicht darüber reden. Im Gegensatz dazu muss ein Komiker eine bestimmte Persönlichkeit ausstrahlen oder eine bestimmte Atmosphäre schaffen. Musiker indes können sehr mürrisch sein und ziehen oft einfach nur ihre Show ab. Ihre Fans sind sogar begeistert, wenn sie nur ihre Musik hören, ohne dass der Musiker anwesend sein muss. Die Emotionen werden trotzdem geweckt.
Haben Sie für "The Ballad of Wallis Island" tatsächlich alle Songs, die zu hören sind, selbst gesungen und geschrieben?
Ja, aber ich habe die Songs über mehrere Jahre geschrieben. Einige der Songs im Spielfilm stammen noch aus dem Kurzfilm, die andere Hälfte der Songs sind komponierte ich erst in den letzten Jahren. Allerdings habe ich die Texte später geschrieben, nachdem klar war, dass dieser Film entstehen soll. Erst ab diesem Zeitpunkt wusste ich ja erst, wie unsere Geschichte erzählt wird und was die Songs in Hinblick auf die Beziehung von Herb und seiner Ex-Partnerin Nell emotional bewirken sollen.
Wie arbeiteten Sie die Songs dramaturgisch in die Handlung ein?
Es gibt Momente im Drehbuch, über die wir sorgfältig nachgedacht haben, wann wir die Musik einsetzen und sie von Herb und Nell zusammenspielen lassen. Etwa die Szene, in der sie beim Abendessen Herbs Gitarre holen, um einen Song für Charles darzubieten. Das war so ein Moment im Drehbuch, den wir sehr sorgfältig planten. Er hat eine ganz besondere Wirkung -sowohl auf Charles als auch auf Herb und Nell.
Die Musik dient dazu, die Geschichte voranzutreiben?
Genau! Oft wird die Musik auch nur als Soundtrack eingesetzt. Man hört dann im Film nur Songs, die Herb und Nell singen, um ein bestimmtes Gefühl zu vermitteln. Das kam aber eher beim Schnitt zum Tragen, nachdem wir den Film gedreht hatten. Wir haben einfach versucht, herauszufinden, wie wir die Musik am effektivsten einsetzen, ohne dass es fürs Publikum zu viel wird.
Wann haben Sie überhaupt angefangen, sich als Sänger und Songschreiber auszuprobieren?
Bereits als Kind habe ich schon gern gesungen. Ich war sogar im Schulchor. Aber so richtig angefangen mit der Musik und Songs selber zu schreiben habe ich erst, als ich eine Gitarre bekam. Da war ich schon Anfang 20. Bob Dylan hatte mich sehr beeinflusst, und ich fing an, viele Drei-Akkord-Songs zu schreiben.
Warum sind Sie dann nicht Musiker geworden, sondern Schauspieler?
Ich weiß nicht. Ich glaube, ich habe eine Weile mit der Musik aufgehört, weil ich hauptsächlich Drehbücher schrieb und als Stand-Up-Comedian Erfolg haben wollte. Dennoch kam ich immer wieder auf die zurück. Das war etwas, wozu ich im Laufe der Jahre plötzlich immer wieder den Drang verspürte, zur Gitarre zu greifen, um neue Lieder zu schreiben.
Wäre nach dem Film nicht noch eine Zweitkarriere möglich?
Ich würde die Musik gern mal vor Publikum spielen. Mir gefällt die Idee, irgendwann mit den Songs aus dem Film auf Tournee zu gehen. Ansonsten habe ich aber das Gefühl, dass es ziemlich schwierig ist, in die Musikbranche einzusteigen, besonders mit über 40. Deshalb bin ich erst mal froh, meinen Job als Schauspieler weiterführen zu können.
Wer hat Sie neben Bob Dylan musikalisch noch beeinflusst?
Als ich anfing, Gitarre zu spielen, war ich 21 und kam gerade von der Universität zurück. Da fand ich die alte Nylonsaitengitarre meiner Mutter. Die nahm ich dann mit, um meine Eltern in München zu besuchen, wo sie gerade mit dem Wohnwagen unterwegs waren. Meine Mutter sagte noch, ich solle die Gitarre nicht mitbringen, weil sie dafür keinen Platz hätte. In München kaufte ich mir dann ein Buch mit den gesammelten Songs des britischen Gitarristen Nick Drake. Ich wollte herausfinden, wie er Songs geschrieben hat. Neben Dylan und Drake hatte natürlich auch Neil Young einen großen Einfluss auf mich.
Über Bob Dylan erschien kürzlich der Film "Like a Complete Unknown". Haben Sie ihn gesehen?
Ja, Timothée Chalamet hat wirklich eine großartige Arbeit als Bob Dylan in "Like a Complete Unknown" vollbracht. Mir gefiel, wie sie diese Anfangszeit in Dylans Karriere gestaltet haben. Anderseits liebe ich Dylans neueste Sachen wirklich sehr. Für mich ist er erst in den späten Sechzigern, frühen Siebzigern die viel interessantere Figur geworden, als er weniger cool wurde und plötzlich ganz andere Musik schrieb. Das ist der interessantere Teil in seinem Leben. Darüber würde ich gern einen Film sehen. Die Geschichte über seinen Aufstieg zum berühmtesten Sänger und Songschreiber der Welt finde ich weniger interessant.
Wie fühlen Sie sich, wenn Sie mit Gitarre auf der Bühne stehen, um zu singen?
Ich singe nicht oft vor Leuten. Ich habe es gemacht, als ich in meinen Comedy-Shows einige Songs einbaute. Aber solche Auftritte waren eher selten. Ich fühle mich dabei auch ziemlich wohl, aber ich habe schon lange keine Gelegenheit gehabt.
Wie viele Personen müssten mindestens anwesend sein, damit Sie auftreten?
In den Anfängen meiner Stand-Up-Comedy-Zeit bin ich vielleicht vor drei bis vier Leuten aufgetreten. Das kann ziemlich demütigend sein, andererseits befähigt es dich als Künstler, damit umzugehen. Auch vor Leuten aufzutreten, die nicht wissen, wer du bist und vielleicht auch deine Musik nicht mögen, macht dich härter.
Wie haben Sie es geschafft, einen Star wie Carey Mulligan als weibliche Hauptrolle für Ihren eher kleinen Film zu gewinnen?
Tim Key hatte ihre E-Mail-Adresse und nahm so Kontakt zu ihr auf. Es war so etwas wie ein verzweifelter Versuch, nur um zu sehen, ob sie bereit wäre, das Drehbuch zu lesen. Ich meine, wir kannten sie überhaupt nicht, hatten sie nie persönlich getroffen, aber wir waren offensichtlich langjährige Bewunderer von ihr. Sie reagierte sehr positiv darauf. Mit ihrer Zusage bekam unser Filmprojekt einen enormen Schub.
Carey wurde dann auch eine der Produzentinnen des Films…
Ja, es war nun mal ein recht kleines Filmprojekt mit kleinem Team. Aber so wollten wir das, um eine bestimmte Stimmung am Set beibehalten zu können. Deshalb war es wichtig, Carey nicht nur als Schauspielerin dabeizuhaben, sondern als jemanden, der sich mit dem Film verbunden fühlte.
Wie schwer ist es generell, Filme über Sänger und Songschreiber zu realisieren?
Genau weiß ich das nicht, aber in den letzten Jahren gab es etliche Filme über echte Sänger-Songschreiber wie zuletzt Bob Dylan. Ich denke, das Publikum hat wirklich Lust auf Filme mit Musik. Natürlich handelt es sich bei uns um einen fiktiven Sänger-Songschreiber, aber trotzdem enthält unser Film viel Musik und viele Emotionen, um ein Publikum dafür zu begeistern.













