Helena Zengel Interview

Helena Zengel

Helena Zengel spricht über ihre Filmrolle an der Seite von Tom Hanks.

Nur einmal an der Seite von Tom Hanks vor der Kamera stehen - davon träumen sicherlich viele Schauspieler aus der ganzen Welt. Der zwölfjährigen Helena Zengel aus Berlin ist das nun gelungen, und dabei war ihr Tom Hanks vorher noch nicht mal ein Begriff. In dem Western "Neues aus der Welt" spielt sie eine Einwanderin aus Deutschland, die ihre Eltern verloren hat, beiden Kiowa aufgewachsen ist und nun ganz auf sich allein gestellt ist. Tom Hanks als ehemaliger Captain im amerikanischen Bürgerkrieg nimmt sich des Mädchens an, um es nächststehenden Verwandten zu übergeben.

Dass die kleine Berlinerin überhaupt in Hollywood landen konnte, liegt an dem hochgepriesenen Film "Systemsprenger", in dem Helena Zengel ein schwer erziehbares Kind spielt und damit Kritik und Publikum begeistere. Auch Regisseur Paul Greengrass sah das Drama und wusste sofort, dass er seine Hauptdarstellerin für "Neues aus der Welt" gefunden hat. Nun ist sie sogar für den Golden Globe und dem Screen Actors Guild Award nominiert, und wer weiß, vielleicht auch schon bald für den Oscar.

Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass Du als deutsche Nachwuchsschauspielerin sofort eine Hauptrolle in einem Hollywood-Film bekommen hast?

Es gab auch schon Mitbewerberinnen, aber als ich dann nach London eingeladen wurde, war relativ klar, dass ich die Rolle habe. Im Grunde genommen kam das alles durch "Systemsprenger", weil Paul Greengrass den Film gesehen hatte und ihn sehr mochte.

Gibt es schon weitere Angebote aus Hollywood und spielst Du bereits mit dem Gedanken, dort vielleicht ganz hinzuziehen?

Ich würde schon gern, aber das muss man noch sehen. Ich habe hier in Berlin mein Leben, mein Pferd und meine Schule. Insofern sind das noch Zukunftspläne, und ob es neue Projekte gibt, kann ich noch nicht sagen. Ich kann aber auf jeden Fall versprechen, dass es neue Filme mit mir geben wird und wir bereits in Kontakt mit Produzenten sind.

Gibt es denn Berühmtheiten aus Film und Fernsehen, mit denen Du gern mal zusammenarbeiten möchtest?

Lady Gaga, und Jane Fonda und Lily Tomlin aus der Serie "Grace and Frankie". Die beiden möchte ich unbedingt mal treffen. Sie sind so lustig, so cool und vertreten gute Werte, dass ältere Frauen auch noch Rechte haben! Ich finde es unglaublich, dass zwei Frauen über 80 noch so eine geile Serie machen können.

Wie schon in "Systemsprenger" lernen wir Dich in "Neues aus der Welt" anfangs wieder als wildes Mädchen kennen. Hast Du keine Angst, auf diese Rolle festgelegt zu werden?

Angst habe ich gar nicht. Ich fühle mich damit wohl und spiele gerne solche Rollen in diesen Filmen. Klar würde ich auch gern mal einen Kinderfilm drehen, das wird bestimmt auch noch passieren. Ich finde es aber nicht schlimm, in diese Schublade gesteckt zu werden, weil es mir liegt und ich es am meisten mag. Von daher macht es ja auch Sinn, mich zu besetzen, wenn ich das gut spielen kann.

Du hast im Film aber auch etliche zurückgenommenen Szenen, die oft ganz nonverbal ablaufen. Wie schwierig war es für Dich, sich darauf emotional einzustellen?

Generell finde ich, dass es mitunter zu den schwierigsten Aufgaben in der Schauspielerei gehört, nicht zu reden und alles über die Augen auszudrücken. Das war nicht immer leicht, aber gleichzeitig auch cool, mal nichts sagen zu müssen.

Auf Deine Rolle in "Systemsprenger" konntest Du Dich schon Monate vorher zusammen mit der Regisseurin vorbereiten. Gab es diese Möglichkeit diesmal auch?

Ja, Regisseur Paul Greengrass und andere vom Filmset habe ich schon vorher kennengelernt, aber Tom Hanks traf ich erst drei Tage vor Drehbeginn. Es sollte ursprünglich nur ein Tag vorher sein, weil wir am Anfang des Filmes keine gute Beziehung miteinander haben und es sollte möglichst authentisch sein, dass wir uns praktisch noch nie vorher begegnet sind.

Wie hat sich eigentlich Dein Alltag durch das Filmemachen verändert?

Gar nicht, ich gehe ganz normal zur Schule, außer jetzt, weil das Corona nicht zulässt.

Wie erlebst Du gerade diese ungewöhnliche Zeit und was macht das mit Dir?

Meine Hoffnung ist, dass Corona bald weggeht, wir Freunde und Familie wieder ganz normal treffen können und man wieder zur Schule gehen kann. Ich erlebe das alles gerade als nicht so schön. Ich komme zwar mit Home-Schooling soweit klar, aber es ist schon traurig, dass es kein Kino mehr gibt und es auch keine Promotion-Tour für unseren Film geben kann. Ich kann mir vorstellen, dass Corona die Leute schnell frustriert, weil es einfach keinen kurzfristigen Ausweg gibt. Von daher hoffe ich auf bessere Zeiten.

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