Jason Boland and The Stragglers - Squelch

CD Cover: Jason Boland and The Stranglers - Squelch

Noch immer gehören Jason Boland and The Stragglers nicht zu den unbedingt kommerziell erfolgreichsten Bands, doch mittlerweile assoziiert man nicht nur mehr in Insider-Kreisen ihren kompromisslosen Honky Tonk-Stil mit der perfekten Gratwanderung zwischen traditioneller Country Music, die doch alle Bedingungen erfüllt, sich auch in der modernen Zeit effektvoll darzustellen.

Immerhin schon 1998 gründete Jason Boland seine Band, ursprünglich in Oklahoma. Bereits zu dieser Zeit war der aktuelle Drummer Brad Rice mit von der Partie. Später siedelten sie nach Texas über und nahmen mehrere Alben auf, die ihnen nach und nach Platzierungen in den Genrecharts einbrachten. Alkohol- und Drogen-Therapien, denen sich Jason Boland unterziehen musste, waren jedoch für die Karriere nicht unbedingt zielführend. Dennoch schöpft er aus seinem nicht immer eleganten Handeln die Voraussetzungen für aussagende Texte wie im Song "I Guess It's All Right to Be an Asshole".

Squelch (eine Rauschsperre, die am Radio oder von Truckern benutzt wird, um den Klang ihrer CB-Funk-Geräte zu verbessern) ist das achte Studioalbum von Jason Boland and The Stragglers, aufgenommen in Austin, Texas, und unabhängig aller Nashville-Konventionen. Die Übereinstimmung des Spiels von Cody Angels Pedal Steel und Nick Worleys Fiddle gibt die Richtung vor, die Elemente sind in die passende Form gebracht und bringen den individuellen Stil auf den Punkt. Jason Boland schreibt seine Songs unbehelligt aller Zweifler. Er lehnt sich ins Leben hinein und gibt die Dinge wieder, wie sie aus seiner Sicht eben sind.

Das Album startet mit "Break 19" so, wie man sich Country Music wünscht, unverändert in ihrer Substanz, Weisheit beinhaltend. Zum Fiddle-getriebenen "The First to Know" dürfte wohl jeder Tow Stepper die Tanzfläche stürmen, ebenso (jedoch gepflegt schleichend) zu "Holy Relic Sale", welches die nette Geschichte eines paar Glücks-Sockens erzählt. Die quälende Frage eines Mannes, ob sie ihn weniger lieben wird, wenn er gegangen ist, ob sie wohl an einen anderen denken wird, wenn sie ihren Lieblingssong hört, arbeitet Jason Boland im wunderschönen "Do You Love Me Any Less" auf. Die schmerzerfüllte Pedal Steel bringt die Gefühle hier in die innere Ebene. Etwas morbid dagegen ist die Story hinter "Christmas in Huntsville" (geschrieben vom früheren Stragglers-Mitglied Dana Hazzard), welche die Empfindungen eines zum Tode verurteilten schildert. Etwas Sarkasmus schadet ja nicht. Dass Jason Boland in der Äußerung seiner Meinung schlichtweg auch rotzfrech sein kann, zeigt er in "Fuck, Fight And Rodeo", das in fetzig treibenden Country-Rhythmus die Aussage verpackt, dass sich unter dieser Art "Show" der momentan führenden Politiker ja doch nichts ändern wird.

Die Musik von Jason Boland and The Stragglers ist ehrlich und rau, tastet doch alle Geschmacksempfindungen an, wenn sie denn traditionelle Country Music meint. Authentisch in allen Systemen, doch insofern anders, als dass sie sozialkritisch ist, Grenzen überschreitet und Position bezieht. Vielleicht ist unsere Gesellschaft reif für genau derartige Alternativen, die auf äußerst angenehme Weise aus dem Schlummern aufrüttelt.

Fazit: Die Einflüsse des Red Dirt sowie des Texas Country verbinden sich hier mit Hinweisen auf aktuelle gesellschaftliche Themen. Jason Boland and The Stragglers blieben bei ihrer Verantwortung für erstklassige traditionelle Country Music ohne jede Verzerrung.

Label: Proud Souls (Alive) VÖ: 15. Januar 2016
01 Break 19
02 The First to Know
03 I Guess It's Alright to Be An Asshole
04 Holy Relic Sale
05 Hearthland Bypass
06 Lose Early
07 Do You Love Me Any Less
08 Fat And Merry
09 Christmas In Huntsville
10 Bienville
11 Fuck, Fight, And Rodeo

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