Melissa Etheridge - 4th Street Feeling

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Redaktionswertung Bewertung: 4,5 Sterne = sehr gut
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Kinder, wie die Zeit vergeht! Knapp ein Viertel Jahrhundert ist es her, dass eine recht zierliche, blonde Sängerin aus Kansas die Bildfläche betrat. Ihr selbstbetiteltes Debüt - Jahrgang 1988 - brachte ihr auf Anhieb schmeichelhafte Vergleiche ein. Zum Beispiel "der weibliche Springsteen". Damit ist auch schon ziemlich alles über Gangart und Power der 1961 geborenen Künstlerin gesagt. Diesem hemdsärmeligen Image wird sie nunmehr in unzähligen Konzerten und einem Dutzend Alben gerecht. Auch mit ihrem aktuellen, "4th Street Feeling".

Der Titel bezieht sich auf ihren Geburtsort Leavenworth. Eine verschlafene Kleinstadt, die höchstens durch das angesiedelte Staatsgefängnis und einem Armeestützpunkt bekannt ist. Oder eben wegen Melissa Etheridge. Das Album der zweifachen Grammy- und Oscar-Gewinnerin trägt konzeptionelle Züge. Schon der Opener bezieht sich auf ihre Roots: "Kansas City" -c ein strammer, starker Auftakt. Und mit allen Zutaten versehen, die für die Karriere der kernigen Sängerin stehen: solider Groove, rockige, aber auch an Folk- , Country- und Blues gemahnende Gitarrenriffs und - mittendrin - die ganz nach regelmäßigem Reissnägel-Gurgeln klingende Stimme der Interpretin. Manchmal, in nachdenklichen Tracks, zügelt Etheridge ihr Temperament. Im Titeltrack zum Beispiel. Zu einem moderaten Beat und einem verträumten Fender-Piano sinniert sie über ihre Jugend, über ihre frühen Erlebnisse, über den Chevrolet ihres Vaters. Wehmut klingt hier durch jede Note, das bluesige Arrangement passt dazu vortrefflich. Ein Song, wie ein Tagebucheintrag, den man nach Jahrzehnten liest - und alle Erinnerungen wieder hochkommen. Auch bei dem soften "A Disaster" hat sie Kreide gefressen und klingt sanft wie ein Lamm. Gut, wie ein heiseres Lamm ...

Die bekennende Lesbe - sie outete sich schon Anfang der 90er Jahre - ist natürlich eine Kämpferin. So stehen den wehmütigen, auch mal wehleidigen Momenten viele energisch entschlossene Titel gegenüber: "Falling Up" (ein Reisser), "Shout Now" (ein echter Rocker), "Be Real" (lässig soulig) oder "Sympathy" (ein Riff in "All Right Now"-Manier) stehen für die Energie der Sängerin und Songschreiberin. Und auch für ihre Nehmerqualitäten. Die musste sie in den letzten Jahren auch mitbringen. Denn neben der Trennung von ihrer Partnerin Julie Cypher erkrankte Melissa Etheridge 2004 an Brustkrebs. Operationen und Chemotherapie folgten, 2005 meldete sie sich wieder zurück: agil wie eh und je.

Der Blues scheint es der rockenden Lady angetan zu haben. "Rock And Roll Me" ist ein reinrassiger, langsamer, auf Slow-Motion runtergedimmter Zwölftakter. Ein schnurrendes Blues-Gefährt, bei dem sie neben ihren gesanglichen Vorzügen auch ihr Talent als Gitarristin in die musikalische Wagschale wirft. Man hört: Sie hat als Gitarristin in den letzten Jahren deutlich zugelegt. Deshalb übernimmt sie, laut Booklet, auch alle Parts am Instrument, sogar die Soli. Und das macht sie gut, Bonnie Raitt hat Konkurrenz bekommen.

Dass Etheridge auch mit komplexen Arrangements prächtig zurecht kommt, beweist sie beim synkopierten "A Sacred Heart" und beim finalen, hymnischen "Change The World" (nicht zu verwechseln mit dem Clapton-Hit). Der Refrain geht herrlich ins Ohr und sorgt für einen überzeugenden Schlusspunkt einer überzeugenden CD.

Fazit: Nach etlichen Schicksalsschlägen zeigt sich Melissa Etheridge nachdenklich, kämpferisch und musikalisch ausgereifter denn je. Starkes Album!

Label: Island (Universal) VÖ: 4. September 2012

  • Titelliste

01 Kansas City 09 Enough Rain
02 4th Street Feeling 10 A Sacred Heart
03 Falling Up 11 I Can Wait
04 Shout Now 12 Rock And Roll Me
05 The Shadow of a Black Crow 13 You Will
06 Be Real 14 The Beating of Your Heart
07 A Disaster 15 Change The World
08 Sympathy


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