John Hollier liefert auf seinem neuen Album "Rainmaker" eine Meisterleistung des Heartland-Sounds
Aufgewachsen auf einer Flusskrebsfarm und umgeben von Kirchenmusik, Familienfeiern und lokalen Musikern, entwickelte John Hollier schon früh eine tiefe Verbundenheit mit dem Geschichtenerzählen und dem Gefühl für Musik. Nach jahrelangen Tourneen durch die USA und Kanada zog er schließlich nach Nashville, um sich weiter dem Songwriting zu widmen, und gründete The Rêverie als kreatives Ventil, geprägt von Instinkt, Emotion und der Weigerung, sich Erwartungen anzupassen.
Diese Reise rückt auf "Rainmaker", dem neuen Album der Band deutlich in den Fokus. Es verbindet Rock, Soul und Alt-Country zu einem Sound, der sich sowohl organisch als auch voll ausgereift anfühlt. Das Album basiert eher auf Zurückhaltung und Authentizität als auf aufwendiger Produktion und rückt Holliers Gesang und Songwriting in den Mittelpunkt, wobei es die Chemie und Energie einfängt, die ihre Live-Auftritte auszeichnen. Mit ersten Lobeshymnen, die seine Ehrlichkeit und emotionale Tiefe preisen, stellt "Rainmaker" einen entscheidenden Moment für Hollier dar, während er weiterhin einen Sound verfeinert, der einzig und allein ihm gehört.
"Rainmaker" ist eine Platte, die sich zugleich sorgfältig konstruiert und völlig ungezwungen anfühlt
Schon mit den ersten Takten von "Gonna Love You" gibt Hollier bewusst den Ton an. Ein treibender Drumbeat untermalt den Track, während er von Vertrauen, Loyalität und emotionaler Verbundenheit singt: "I know you've been left abandoned, broken hearted, empty hearted." Während das Arrangement anschwillt, entfaltet sich der Song zu etwas Fröhlichem und Trotzigem, getragen von einem deutlichen Springsteen-artigen Geist, der von einem gefühlvollen Saxophon untermalt wird. Wenn dann die Handklatsche einsetzen und der Song in seinen Endspurt geht, ist er zu einer Hymne geworden – teils Bekenntnis, teils Erlösung. Diese Balance zwischen Verletzlichkeit und explosiver Entladung setzt sich mit "If She's Lonely" fort. Er beginnt in einem verschwommenen, wehmütigen Raum – Holliers Gesang schwebt in einem traumhaften Dunst, der an den britischen Indie der 80er Jahre erinnert –, bevor er mit dem eindringlichen Refrain in den Fokus rückt: "It ain't love if she's lonely!" Wenn die zweite Strophe losbricht, tut sie dies mit der ganzen Kraft des Boardwalk-Rock: hämmernde Trommeln, dröhnendes Saxophon und eine kraftvolle Energie, die sich sowohl nostalgisch als auch unmittelbar anfühlt.
"Holding Too Tight" verlangsamt das Tempo, vertieft aber die emotionale Spannung. Die gleichmäßigen Percussion-Klänge und zarten Klavierläufe schaffen einen reichhaltigen Americana-Hintergrund, während Hollier mit Selbstzweifeln ringt: "Habe ich zu fest gehalten?" Es ist ein Moment der Selbstreflexion, der sich zu einer grandiosen Instrumentalpassage steigert – zunächst ein rauchiges Saxophon-Solo, das von der Textur der 70er Jahre durchdrungen ist, dann ein schneidender Gitarren-Lead, der die Unsicherheit durchbricht.
Der emotionale Kern des Albums tritt mit "Crashing" noch deutlicher zutage, einer eindringlichen, klagenden Ballade, die von Melancholie durchtränkt ist. Saxophonmelodien hallen wie ferne Erinnerungen wider, während Hollier von Schatten, alten Lieben und dem Schmerz der Erinnerung singt. Es ist sparsam, aber vernichtend – jede Note und jeder Text trägt Gewicht. Diese Zerbrechlichkeit fließt direkt in "Can't Say No Tonight" über, das sich zunächst wie ein Begleitstück anfühlt, bevor es in etwas weitaus Turbulenteres ausbricht. Die Zeile "Du hast mich da, wo du mich haben willst, ich glaube, du weißt es bereits, also lüg mich an und sag mir, dass alles gut werden wird" fängt die Essenz emotionaler Kapitulation in einer scheiternden Beziehung ein. Im letzten Drittel ist der Song in voller, hektischer Bewegung – Holliers Stimme bricht unter der Anspannung, während die Instrumentierung um ihn herum anschwillt.
Mit "Rival" erreicht das Album einen seiner Höhepunkte. Eine sich langsam aufbauende, vom Klavier getragene Einleitung – die an eine moderne Neuinterpretation von Springsteens "Jungleland" erinnert – bereitet die Bühne für eine zutiefst emotionale Darbietung. Holliers zitternder Gesang von "Hey honey, I ain't your rival" ist voller Verzweiflung und Trotz. Als endlich das Schlagzeug einsetzt, entfaltet sich der Song zu einem Sturm der Leidenschaft, wobei jedes Instrument die emotionale Turbulenz in seiner Stimme widerspiegelt. Dann kommt das Ventil: "Saturday Night Polly". Wie der Titel schon andeutet, ist es ein rauer, energiegeladener Rocksong, der vor Lebensfreude nur so strotzt. Gitarren und Saxophone prallen in einem Klangwirbel aufeinander, wie geschaffen zum Tanzen und Mitsingen. "Es ist kein Verbrechen, sich gut zu fühlen", erinnert uns Hollier – ein einfaches, aber notwendiges Mantra inmitten der schwereren Themen des Albums.
"Raunmaker" ist ein mutiges, emotionsgeladenes Nachfolgealbum
Die zweite Hälfte der Platte neigt eher zu Zurückhaltung und Reflexion. "Never See Me Again" reduziert alles auf akustische Texturen und lässt Holliers Stimme das emotionale Gewicht eines flüchtigen, möglicherweise letzten Moments tragen: "Hold me like you'll never see me again." Es ist intim und unverfälscht, ein ruhiger Höhepunkt. Ähnlich tauscht "Somewhere Down the Road" das Saxophon gegen die Mundharmonika und nimmt ein einsameres, vom Leben auf der Straße gezeichnetes Americana-Feeling an. Hollier greift das zentrale Motiv des Albums wieder auf – "sich mit aller Kraft festhalten" –, diesmal umrahmt von Isolation und Unsicherheit. Das allmähliche Hinzukommen der Slide-Gitarre treibt den Track zu einem mitreißenden, emotionalen Höhepunkt.
Der Titelsong "Rainmaker" bildet das thematische Herzstück des Albums. Mit seiner düstereren Stimmung beginnt er mit einer sich wiederholenden E-Gitarren-Loop, bevor er sich zu einer selbstbewussten Mischung aus der Rauheit von Aerosmith und dem Groove der Black Crowes entfaltet, wobei das Saxophon eine funkige Note hinzufügt. Holliers Stimme zittert vor Dringlichkeit, während er gegen "schlechten Aberglauben" wettert und darum fleht, dass die Liebe nicht entschwindet. Das ausgedehnte Solo und der ruhigere Breakdown steigern die Spannung nur noch weiter – es ist der Klang von jemandem, der in Echtzeit zerbricht und nach etwas greift, das er zwischen seinen Fingern zerfließen spürt.
"Lonesome Highway Waltz" wechselt erneut den Ton und bietet einen nachdenklichen, fast nostalgischen Moment. Anklänge an die Americana der 90er Jahre – Counting Crows, The Wallflowers, sogar ein Hauch von Cake – schimmern durch, während Hollier in einer steigenden Welle der Emotionen "There she goes again" wiederholt. Das Saxophon wirkt hier weniger triumphierend, eher resigniert – eher ein Begleiter des Verlusts als eine Befreiung davon.
Der letzte Titel "Hollow Heart" bildet den krönenden Abschluss des Albums – eine mitreißende Ballade, die die Theatralik von Elton John mit der rauen Heartland-Rauheit von Petty und Springsteen verbindet. Hollier legt sein Innerstes bloß: "Feel this hollow heart." Der Song steigert sich durch schmerzvolle Strophen und ein kraftvolles Gitarrensolo, bevor er in ein leiseres, verletzlichereres Ende mündet. Während Saxophon und Gitarren um ihn herum klagen, trägt seine Stimme den letzten emotionalen Schlag – Qual, Sehnsucht und das verzweifelte Bedürfnis, verstanden zu werden.
John Hollier mit viel Selbstbewusstsein und Herzblut
Insgesamt ist "Rainmaker" eine Meisterklasse in Sachen Zusammenhalt und emotionalem Storytelling. Jeder Track fließt nahtlos in den nächsten über, als wäre das Album selbst ein einziger durchgehender Atemzug – jedes Ende ein Anfang, jeder Höhepunkt von Zweifeln überschattet. Die wiederkehrenden Themen – Angst, Leidenschaft, Veränderung und die Vergänglichkeit von Beziehungen in den Zwanzigern und Dreißigern – ziehen sich wie Schriftzüge durch einen Zuckerstangenstiel durch das Album, untrennbar mit dem Ganzen verbunden.
Fazit: "Rainmaker" ist ein Stück Heartland-Americana und Pop-Rock-Brillanz, vorgetragen mit Überzeugung und Klarheit. John Hollier hat das Versprechen seines Debüts von 2023 nicht nur erfüllt – er hat es erweitert, vertieft und ein Album geschaffen, das sich sowohl klanglich als auch emotional zeitlos anfühlt.











