Mumford & Sons - Prizefighter

CD Cover: Mumford & Sons - Prizefighter
 

Ein Jahr nach ihrem letzten Album ("Rushmere") legen Mumford & Sons schon wieder nach: "Prizefighter" markiert eine neue Phase in der Karriere der britischen Indie-Folk-Formation – eine hitverdächtige dazu.

Das Album Prizefighter" von Mumford & Sons mit Chris Stapleton als Gast

Aber Hits sind Mumford & Sons ja gewohnt. Schon ihr 2009 erschienenes Debüt-Album "Sigh No More" landete sowohl auf den europäischen als auch auf den US-Hitlisten ganz weit oben. Dennoch: Als sich Mumford & Sons 2007 in London gründeten, war noch nicht abzusehen, dass die Band einmal zu den einflussreichsten modernen Folk-Gruppen des 21. Jahrhunderts gehören würde. Doch bereits mit frühen Song-Volltreffern wie "Little Lion Man" und "The Cave" rüttelten Marcus Mumford, Ben Lovett, Ted Dwane und Winston Marshall an den Grundfesten des Folk-Rock und sie katapultierten Banjo, Mandoline und Herzblutlyrik weltweit in die Charts.

Mumford & Sons: Senkrechtstarter im Indie-Folk

Es folgten die Alben "Babel" (2012) – Grammy-prämiert als Album des Jahres –, "Wilder Mind" (2015), das den Sound erstmals elektrifizierte, und "Delta" (2018), ein Album zwischen hymnischem Pathos und fließender Introspektion. Nach dem Ausstieg von Winston Marshall 2021 schien die Zukunft der Band kurz offen. Doch das von Dave Cobb produzierte Album "Rushmere" (2025) deutete bereits in die Zukunft der Band. Wie das nun erschienene Album "Prizefighter" belegt, ist die zum Trio geschrumpfte Formation heute agiler und produktiver denn je.

Aufgenommen in gerade einmal zehn Tagen unter der Regie von Aaron Dessner (The National, Taylor Swift), klingt "Prizefighter" nicht ausgefeilt, sondern erlebt und erfühlt. Ein Album, das passiert, wenn man sich nicht lange den Kopf zerbricht, sondern einfach spielt. So entsteht eine Unmittelbarkeit, die der Band ausgesprochen gut steht: kein Konzept, kein Überbau. Nur Musik, Gefühl, Inhalte und Timing.

"Here" eröffnet den 14 Tracks umfassenden Song-Reigen – und setzt das erste Ausrufezeichen. Immerhin präsentieren die Briten mit Chris Stapleton einen Country-Giganten als Star-Gast. Stapleton aber, ganz der Profi, singt sich bei dem lakonisch-lässigen Track nicht in den Vordergrund. Er hält sich, wie alle anderen auch, zurück und lässt den Titel wachsen und atmen – und im Refrain schließlich über sich hinauswachsen. Ein sonniger, gute Laune verbreitender Track und dazu einer jener Songs, die auf leisen Sohlen zum Hit avancieren können.

Das nachfolgende "Rubber Band Man" nimmt diesen gesponnenen Indie-Folk-Faden auf und spinnt ihn mit eine guten Portion Pathos und Dynamik zu einem weiteren Top-Track. Zunächst fast flüsternd, dann hymnenhaft aufblühend, erinnert der Song in seiner Spannweite an U2, vor allem durch Marcus Mumfords eindringlich-beschwörenden Gesang.

"The Banjo Song" liefert genau das, was der Titel verspricht: rhythmisch geschrammelt, reduziert, dabei gerade durch seine Einfachheit berührend. Hier zeigt sich, wie Mumford & Sons mit minimalen Mitteln maximale Wirkung erzielen können. Eine Kunstform, die sie wie kaum eine andere Band ihres Genres beherrschen. Wie gut, zeigt sich gleich im nächsten Song: Auch "Run Together" lebt von diesem Prinzip des Weglassens: Eine Mandoline, eine Stimme, eine Melodie – mehr braucht es nicht. Und dennoch ist da diese Wärme, dieses Gefühl von Zusammenhalt und Zuversicht, das sich still und ehrlich entfaltet.

Weitere Glanzlichter setzen das berührend-intime "Conversation with my Son" (mit Gangsters & Angels als Gäste), der ruhige, balladeske, fast trancehafte, von leisen Gitarren und einem schwebenden Arrangement getragene Titeltrack und "Alleycat" – ein Song, der mit seiner repetitiven Struktur fast cineastisch wirkt und irgendwo zwischen Sufjan Stevens und einem melancholischen Roadtrip durch den nächtlichen Mittleren Westen angesiedelt ist.

"Prizefighter": klarer Punktsieg für den Preisboxer

"Prizefighter" ist kein lautes Album. Im Gegenteil. Es will nichts beweisen – und genau das ist seine größte Stärke. Dieser neue Mumford-&-Sons-Jahrgang zeigt eine Band, die sich nicht mehr selbst überholen muss. Die weiß, wer sie ist, und die ihre musikalische Sprache zwischen Folk, Americana und fragilem Indie wieder neu verortet hat. "Ich hoffe und glaube, dass wir am Anfang von etwas stehen, das wir nicht wieder loslassen wollen", sagt Marcus Mumford. Nach diesem Album glaubt man ihm jedes Wort.

Fazit: Mit "Prizefighter" gelingt Mumford & Sons eine Rückkehr, die gleichzeitig auch Neubeginn ist. Ein Werk, das sich dem hektischen Popzeitgeist entzieht und wieder auf das Wesentliche besinnt: auf Gefühl, Songhandwerk und Authentizität.

vgw
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