Chris Schummert

Vor wenigen Minuten endete auf SAT.1 die dritte Staffel der erfolgreichen Casting-Show "The Voice of Germany", in deren Finale sich heute live Andreas Kümmert (Team Max Herre), Chris Schummert (Team Samu Haber), Judith Van Hel (Team Samu Haber) und Debbie Schippers (Team The BossHoss) gegenüber standen. Als strahlender und verdienter Sieger ging - wie erwartet - Andreas Kümmert hervor.

Im Fokus der Country-Fans stand von Beginn an, unabhängig von seiner Platzierung, ein Teilnehmer im Besonderen: Chris Schummert. Einiges in der Auswahl seiner Liedern sowie seiner persönlichen Geschichte wies darauf hin, dass Verbindung zu dieser Musikrichtung bestand.

Wer ist Chris Schummert und wieso singt er Country Music

Der aus Berlin-Steglitz stammende 20-jährige Abiturient erwarb 2012 seinen Abschluss, direkt im Anschluss bewarb er sich bei "The Voice of Germany". In der ersten Staffel war er dort im Publikum gewesen und als in einer Showpause der Moderator fragte, ob nicht jemand Lust hätte, ein bisschen was vorzusingen, hatten seine Freunde auf ihn gezeigt, woraufhin er, selbstbewusst, wie er war, sich auf die Bühne gestellte hatte. Erfahrung auf dieser hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits besessen, da er seit 2007 mit eigener Band durch Clubs der Hauptstadt getourt war. Eine Gesangsausbildung jedoch besitzt er bis heute nicht.

Seine Affinität zu Country Music hat Chris Schummert immer wieder geäußert. Wie zu erfahren war, hat er hier Erfahrungen bei Besuchen seiner Tante im US-Bundestaat Michigan gesammelt und auch schon bei seiner Blind-Audition-Show als Zugabe "Wagon Wheel"(Old Crow Medicine Show oder aktuell Darius Rucker) zum Besten gegeben.

Der musikalische Weg zum Finale bei The Voice of Germany

Ihrer aller Grundlage ist Talent und ihr wirkungsvollstes Instrument die Stimme. Diese Gemeinsamkeit bringen alle Teilnehmer mit, die es durch die Vorausscheidungen geschafft haben und sich in den Blind Auditions der Jury bei "The Voice of Germany" stellen. Das Werkzeug aber dennoch auch bewusst mit gedanklichen Inhalten zu füllen, vermag nicht jeder. Einfach "nur" singen, oder aber durch thematischen Bezug überzeugen, da liegt vermutlich der Unterschied. Chris Schummert bekam bereits hier Aufmerksamkeit, als er sich mit dem Song "Pumped Up Kicks" (von der US-Indie-Band Foster The People) vorstellte und direkt von Songwriter Samu Haber in dessen Team geholt wurde.

In den nächsten Battles vervollständigte er sein Bild durch Songs wie "Follow Me" von Uncle Kracker, "Fast Car" von Tracy Chapman, mit dem auch schon The Wilkinsons in der Country-Version Erfolge im Radio feiern konnten, und "Hey Brother Avicii". Das Bewusstsein von Jury und Publikum gleichermaßen jedoch erreichte er jedoch wahrscheinlich endgültig mit seiner Version von "Every Breath You Take" (The Police), als er den völligen Energiepunkt mit strategischer Selbstsicherheit angestrebt hatte. Die Qualifikation hierzu war deutlich und die Anleitung hatte er sich selbst gegeben.

Die erste Single "The Singer" überzeugt als Country-Single

Chris Schummert - The SingerUnd dann kam die 3. Staffel von "The Voice of Germany" und vorbei war es mit irgendwelchen Cover-Songs und Pop-Geplänkel. Jetzt war der Moment von Chris Schummert gekommen, sein wahres Gesicht zu zeigen. Nun ließ er sich eigene Songs auf den Leib schreiben und die sollten in eine klare Richtung gehen: Country. Latent vorhanden, aber dennoch hörbar. Das Präsentationssystem war einfach, erinnerte uns an Josh Turner, Easton Corbin oder den ganz jungen George Strait (hätte man ihn in einen Anzug, statt in die Wrangler gesteckt und ihm den Stetson weggenommen). "The Singer" ist ganz einfach ausgedrückt ein wunderschöner Song und betrachtete man die tränengetränkten Augen der vor allem weiblichen Zuschauer bei der ersten Live-Präsentation, wurde klar, dass er berührte. Ein Fühlbild des Mannes, der ihn darbrachte. Vom Sinn her nicht anders als "The Troubadour", die Vergegenwärtigung des jungen Sängers in Rückschau des gealterten. Nur dass er hier leibhaftig auf der Bühne steht. Natürlich liegt es immer im Auge des Betrachters. Ein Nicht-Country-Mensch wird das nicht so sehen und hören (wollen).

Innerhalb weniger Tage schoss der Song auf Platz 4 der deutschen iTunes-Charts, diese Verkaufszahlen werden mit in die Finalbewertung eingerechnet. Man kann das Lied bei Amazon.de, iTunes und Musicload herunterladen.

Ein großer Erfolg trotz sinkender Einschaltquoten

Ähnlich wie bei anderen Musik-Castingshows waren in dieser Staffel bei "The Voice of Germany" vor allem die eigentlichen Castings in Form der "Blind Auditions" erfolgreich. Hier generierten die 4,58 Millionen Zuschauer der zweiten "Voice"-Episode am 18. Oktober 2013 sowohl insgesamt als auch bei den werberelevanten 14- bis 49-Jährigen den Top-Wert, wobei von letzterer Altersgruppe überragende 25,9 Prozent dem Format beiwohnten.

Auch die zweitbesten Werte der aktuellen Staffel verbuchte die Musikshow im Zuge der "Blind Auditions". So standen für ProSieben zur Staffelpremiere am 17. Oktober sowie am 24. Oktober 2013 jeweils 23,9 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe zu Buche.

Fast linear gingen die Quoten im weiteren Staffelverlauf abwärts. Erstmals am 14. November rutschte "The Voice" zur dritten Ausgabe der "Battles" mit 19,2 Prozent der Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren in diesem Alterssegment unter zwanzig Prozent. Noch deutlich schlechter lief es für die Ausgabe am 15. November, welche nur noch zu 16,8 Prozent beim jungen Publikum gelangte.

Während bei den "Blind Auditions" noch durchschnittlich 23,8 Prozent einschalteten, interessierten sich 20,6 Prozent für die "Battles". Den schlechtesten Mittelwert hatten allerdings die sieben Ausgaben der Liveshows inne. Nur die Folge des 21. Novembers lag noch knapp über 20 Prozent in der Zielgruppe. Mit fortschreitender Episodenzahl gingen die Marktanteile nun konstant abwärts, sodass der vorläufige Tiefpunkt am 13. Dezember, mit 16,3 Prozent der 14- bis 49-Jährigen, zu Buche stand. Im Schnitt schalteten 3,62 Millionen Menschen zur zweiten Staffel ein, was in einem Mittelwert von 12,0 Prozent aller Fernsehenden und 20,5 Prozent der jungen Zuschauer resultierte.

In den beiden vorangegangenen Staffeln sah es noch rosiger für "The Voice" aus: Beim für die Werbewirtschaft wichtigen jungen Publikum erzielte die erste Staffel 2011 noch einen Durchschnittswert von 24,3 Prozent - ein Jahr später wollten regelmäßig 23,0 Prozent des jungen Publikums die Casting-Show sehen. (Einschaltquoten mit Dank an Timo Nöthling von Quotenmeter)

Das große Finale am 20. Dezember 2013

Anders als die anderen Kandidaten, die sich für den ersten Durchgang "fremde" Duetpartner wählten, entschied sich Chris Schummert für eine ihm vertraute Person - Coach Samu Haber - und damit einem Menschen, mit dem er die völlig gleiche innere Haltung einnehmen kann, zu dem die Verbindung stimmt, was beide glaubhaft nach außen vermitteln. Moderator Thore Schölermann kündigte das Team an als "ein Coach, der auf den Nashville-Sound abfährt und ein Talent, das genau den im Blut hat", doch was dann kam, war vielleicht als Teil der Theorie, zunächst eben nicht den erwarteten Weg zu gehen, "Faith" von George Michael, welches die beiden Männer mit derart viel Freude vortrugen, dass das Publikum diese Methode sofort aufgriff und in einen Zugabe-Taumel verfiel. Einen großartigeren Einstieg hätte es schon mal nicht geben können.

Die Vorannahme, dass dieser frische Künstler Country im Blut hat, wurde weiter durch die Einblendung verdeutlicht, in der er erklärt, im nächsten Jahr auf jeden Fall nach Nashville zu wollen, weil er dann 21 sei und in Bars spielen dürfe. Im Anschluss folgte im nächsten Durchgang erneut "The Singer" und spätestens dann war klar, dass Chris Schummert diesem ohnehin wunderschönen Lied erneut eine countryfizierte Ausdrucksform verpasste, so schlicht und so berührend, dass sie selbst seinem Coach Tränen in die Augen zauberte. The BossHoss sahen es etwas kühler und doch präzise: "Wenn der nicht mit Dir nach Nashville geht, dann machen wir das."

Auch im dritten und letzten Etappenziel setzte Chris Schummert auf die bis dahin bewährte Schlichtheit. Sein zweiter Duetpartner war jemand, der ebenso wie er nur "ein Mikro und eine Gitarre" braucht, wie er sagte: James Blunt. Während seine Mitbewerber doch deutlich körperlich orientiert, lauter, heftiger agierten, blockierte Chris Schummert sich selbst keinen Moment lang durch irgendwelche optischen Ablenkungen. Wie schon zuvor mit Samu Haber sah man auch jetzt zwei Musiker, die konzentriert und entspannt, dabei mit eingebrachter Empfindsamkeit ihren Song "Bonfire Heart" dem begeisterten Publikum vortrugen.

Die Live-Darbietungen waren durch, jetzt entschied das Voting über das Schicksal der vier Kandidaten. Letztlich hat es für Chris Schummert mit 27,54% "nur" zum zweiten Platz gereicht, Sieger wurde Andreas Kümmert, der sich mit seinem komplett anderem Stil sowie Styling durchsetzte. Welcher der beiden Künstler sich langfristig auf dem Markt etablieren kann, wird sich zeigen. Auch als Zweitplatziertem stehen Chris Schummert hier viele Möglichkeiten offen und interessant bleibt in jedem Fall, ob wir ihn irgendwo im Bereich Country Music wieder finden werden.


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