Gretchen Peters: Eine Songschreiberin überzeugt beim Tour-Auftakt

Gretchen Peters

Es wird sicher eine ganze Reihe an Menschen geben, die den Namen Gretchen Peters nicht auf Anhieb zuordnen können. Dagegen hat sicher jeder schon einmal ein Lied der 53-Jährigen gehört. So gibt es kaum eine Platte von Bryan Adams, auf der nicht mindestens ein Stück der Songschreiberin zu finden ist. Country-Fans kennen mit Sicherheit den von ihr verfassten "Independence Day", mit dem Martina McBride den bisher größten Hit ihrer Karriere feiern durfte. Seit Donnerstag, dem 10. März 2011, befindet sich die Künstlerin auf ihrer ersten Tournee durch Deutschland.

Im kleinen "Yard Club" in Köln fand die Premiere des Programms statt, das Gretchen Peters nicht mit einer kompletten Band, sondern lediglich mit ihrem Gatten Barry Walsh musikalisch gestaltet. Doch da die Akustik-Gitarre eh das Gerüst eines Großteils ihrer Stücke darstellt, funktioniert die denkbar sparsame Live-Inszenierung. Und das manchmal sogar besser als auf CD, denn "The Aviator's Song", den Peters, wie sie erklärt, für ihren vor fast vier Jahren verstorbenen Vater geschrieben hat, ist ohne das sonst so störende Sopransaxophon einfach noch intensiver und berührender.

Es sind die kleinen Geschichten, die den Abend für die rund 50 zahlenden Gäste noch interessanter werden lassen, denn quasi zu jeder Nummer gibt es eine kleine Geschichte. So handelt "Sunday Morning (Up And Down My Street)" tatsächlich von den Gegebenheiten vor Peters' Haus in Nashville. Noch persönlicher wird die Sängerin, wenn sie von der Liebe zu ihrem (neuen) Mann erzählt. "Wir machen schon seit 20 Jahren zusammen Musik - aber erst im Oktober letzten Jahres haben wir geheiratet". In der Folge darf dann Barry, der an diesem Abend Keyboard, Akkordeon und ein Glockenspiel gekonnt bedient, ganz allein sein Können zeigen, indem er mit "The Crossing" einen träumerischen Song von seiner Solo-CD (einem reinen Instrumental-Werk) darbietet.

CD-Cover: Circus Girl - The Best of Gretchen PetersDie der Auswahl der Stücke ist im übrigen nicht zu stark von der kürzlich erschienenen "Circus Girl - The Best of Gretchen Peters" beeinflusst, so gibt es mit "Germantown" vom Album "Halcyon" oder auch "Thirsty" von der CD "Burnt Toast & Offerings" manche Überraschung. Neben diesen unbekannteren Titeln gibt es in der intimen, fast wohnzimmermäßigen Singer/Songwriter-Atmosphäre natürlich auch ein paar der erhofften Hits. Kurz vor dem Ende des in zwei Hälften geteilten Konzerts spielt Peters "On A Bus to St. Cloud", mit dem bekanntlich Trisha Yearwood Chart-Erfolge feiern durfte.

Den erwartungsgemäß längsten Applaus gibt es aber im Anschluss an "Independence Day". Dem Song, den - so berichtet Peters - Carrie Underwood auch im Wettbewerb "American Idol" (US-Pendent zu "DSDS - Deutschland sucht den Superstar") vor einem Millionen-Publikum gesungen hat. Weniger angenehm war Peters die Tatsache, dass sich US-Politikerin Sarah Palin das Stück für ihren Wahlkampf ausgesucht hatte. "Aber sie hat sich den Text wohl nicht angehört", sagt Peters. Immerhin geht es darin um eine misshandelte Mutter einer achtjährigen Tochter, die sich gegen ihren Gatten zur Wehr setzt.

Die Reise durch Deutschland ist übrigens für das Paar die erste Reihe von Konzerten nach den Flitterwochen. "Nehmt es uns also nicht übel, wenn mal etwas nicht wie gewünscht klappt". Doch größere Probleme haben stattdessen die Scheinwerfer, die ab und zu für einige Sekunden ausfallen.

Nach der Tour in Deutschland und den Niederlanden folgt eine ganze Reihe an Konzerten in England, bevor Peters wieder ins Studio geht, um eine neue Platte aufzunehmen. Als Appetithappen darauf serviert das harmonische Duo "Women On The Wheel", eine der wenigen up-tempo Nummern des Abends, das nicht zuletzt durch ein fetziges Pianosolo einen guten Eindruck hinterlässt.

vgw
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