Fiddler's Green und Redwood heizten Das Zentrum in Bayreuth ein
Die früher florierende Country-Szene in Franken, an die sich viele noch erinnern, musste einige Verluste hinnehmen und man kann über Gründe spekulieren, weshalb das Genre auch in dieser Region keinen Status erlangen mag, als eigenständige Kunstform anerkannt zu werden.
Doch in all der Vielfalt dieser Kulturrichtung hat sich eine Band tatsächlich über einen unglaublich langen Zeitraum etabliert und eine fast eigene Tradition erschaffen. Fiddler's Green aus Erlangen haben im vergangenen Jahr ihr unfassbar 35. Bühnenjubiläum mit einer riesigen Tournee gefeiert. Kaum eine Stadt, eine Halle, einen Saal, den diese sechs Musiker in dieser Zeit nicht bespielt haben. Über die Jahrzehnte haben sie ihren eigenen Stil entwickelt, haben Elemente aus Punk, Reggae, Ska und Country einfließen lassen und Fiddler's Green zu einer Marke gemacht.
2026 nun geht es weiter mit einem neuen Konzept, der Acoustic Pub Crawl-Tour. Als Support Act hat man sich die aus dem Raum Hannover/Köln/Osnabrück stammende Band Redwood dazu geholt.
Redwood brillierten als überragender Opener
Bayreuth ist in der Welt wohl für ihr Festspielhaus und die dramatischen Opern von Richard Wagner bekannt. Doch hat die Stadt kulturell durchaus mehr zu bieten und dazu trägt nicht zuletzt Das Zentrum bei, ein zentraler Veranstaltungsort, in welchem regelmäßige Lesungen, Theater-, Comedy- sowie Musik-Events oder auch Workshops aller Art stattfinden und in dem eben auch Fiddler's Green schon öfter zu Gast waren. Ihr zigstes Konzert dort war einmal mehr ein Ereignis vor allem für Stammfans der Band oder zumindest ihrer Musikrichtung, viele an entsprechenden Band- oder Tour-Shirts zu erkennen.
Dennoch war das Haus leider nicht ausverkauft und obwohl Fiddler's Green bei ihren Openern schon des Öfteren ein gutes Händchen bewiesen hatten, zeigte man sich zunächst bei Beginn vom Redwood erst mal noch zurückhaltend. Wer weiß, was einem da so als Country/Bluegrass untergejubelt wird? Doch die fünf MusikerInnen brauchte nicht lange, um das Geschehen im Griff zu haben und vor allem Sängerin Jimmy meisterte souverän durch Songs zum Mitmachen, wie "Place Like Hell" oder "Moonshine" die Lage. Erst seit einem Jahr besteht die Band in dieser Besetzung, arbeitet aktuell am ersten Album, das voraussichtlich im Frühjahr 2027 erscheinen wird.
Einen Song haben Redwood bereits veröffentlicht und stellten "Pilgrim" auch dem Publikum in Bayreuth vor. Redwood sind energetisch, roh und dennoch einladend und liebevoll in ihrer Darstellung. Eine junge Band und dennoch eine spürbare Einheit, die einfach nur Lust hat, die Musikwelt mit ihrem Neo-Folk zu erobern. Als Vorbilder nennen die Fünf Bands wie die Bridge City Sinners oder The Dead South. In ähnlich prägnant wundervoller Art spielten sie das einzig weitläufig bekannte Lied an diesem Abend, "You Are My Sunshine".
Möglicherweise wird eine Band mit dieser Hingabe den Sprung zum Hauptact schon sehr bald vollziehen und so manch eingestaubtes Denken durchbrechen.
Fiddler's Green in gewohnter Tradition
Diese natürliche Begeisterungsfähigkeit und Neugier haben die Musiker von Fiddler's Green lange hinter sich. Seit 2006 spielen sie in der aktuellen Besetzung zusammen, davon noch zwei der ursprünglichen Gründungsmitglieder. Wie sich die alternative deutsche Kulturszene mit der Zeit verändert hat, davon können sie wohl erzählen. Doch vielleicht macht auch gerade der Wandel und die Reife eine Band aus und ihre Fanbase dankt es ihnen. Diese sei lt. Drummer Frank Jooss über all die Jahre stabil. Auch kämen durchaus immer wieder jüngere Konzertbesucher nach.
Doch nehme er allgemein natürlich wahr, dass sich in der Kulturwelt ein Wandel vollzogen habe, was seiner Meinung nach in erster Linie der schwierigen wirtschaftlichen Lage geschuldet sei. Viele kleinere Bands und Veranstalter würden sich schwertun, Clubs sterben. Noch immer würden große Festivals dagegen gut laufen. Man sei eher bereit, viel Geld für ein Ticket eines bekannteren Künstlers auszugeben. Doch mache er sich dennoch keine Sorgen um die Kunst an sich. Viele Menschen schätzen handgemachte Musik, wie sie auch Fiddler's Green machen. Gerade im aktuellen Akustik-Programm würden auch viel Country-Einflüsse stecken und so lange Menschen diese ehrliche Arbeit mögen, werde es auch immer Live-Musik geben.
Zu schätzen wissen die Fans von Fiddler's Green im Übrigen nicht nur deren Musik, sondern auch ihre aktivistische Einstellung. So unterstützt die Band zum einen die Aktion "Schule ohne Rassismus" und deren Aussage gegen Diskriminierung und Gewalt. Zum anderen entstand bereits vor Jahren eine enge Zusammenarbeit mit Greenpeace und es komme regelmäßig zu Treffen mit Mitarbeitern der regionalen Gruppen. Auch habe es schon Aktionen der Organisation auf Veranstaltungen von Fiddler's Green gegeben.
In Bayreuth beschränkte man sich an diesem Abend rein auf die Show und mit dieser waren die sechs Künstler von der ersten Sekunde an Herr der Lage. Sie wussten, die meisten Besucher kennen die Lieder und am Ende wird es eine Forderung nach Zugabe geben. Hier gab es kurz tatsächlich eine wohltuende Ballade, bis man das Publikum am Ende doch mit Vollgas entließ.
Fiddler's Green erzeugen eine eigene Gemeinschaft, die zusammen singt, tanzt und mitgeht, etwas, was die Menschen gerade jetzt so dringend brauchen und sich danach so tief sehnen. Vielleicht ist das das Geheimnis ihres Bühnenprogramms. Die Fans mitnehmen, eine Verbindung und Erinnerungen schaffen. Was sind schon 35 Jahre? Oder 36. Wir hoffen mal, für Fiddler's Green geht's weiter oder eben in eine nächste Generation. Denn Live-Acts wie am gestrigen Abend sollten nicht verschwinden.
Die Unplugged-Tournee führt beide Bands gemeinsam noch in vier weitere deutsche Städte. Danach geht es für Fiddler's Green im Sommer auch nach Österreich und in die Schweiz auf zahlreiche größere und kleinere Festivals. Viele Konzerte weiterer Künstler stehen in unserem Terminkalender.









