Peter Bursch

Peter Bursch ist der Gitarrenlehrer der Nation: Über 1,5 Millionen Mal hat sich sein legendäres "Gitarrenbuch" verkauft. Zum 40. Jubiläum veröffentlicht der Voggenreiter Verlag dieses ganz auf Spaß und ohne Noten basierende Lehrbuch. Eines der Themen: die Gitarrentechnik, die es für Country braucht. Wir sprachen mit dem sympathischen Alt-Hippie, der uns spontan eine kleine Gitarrenstunde spendierte.

Peter Bursch ist ein Phänomen. Er ist: Hippie, Kommunarde, Diplom-Ingenieur, Lehrer, Frohnatur, Mathematik-Freak, Familienmensch, Oldtimer-Fahrer, Kultmusiker und - vor allem - der Gitarrenlehrer der Nation. Vor 40 Jahren veröffentlichte der Gründer der deutschen Krautrock-Band "Bröselmaschine" - zu der immer wieder auch Helge Schneider gehört - sein Lehrbuch "Peter Bursch's Gitarrenbuch". Das Werk, das gänzlich ohne Noten auskommt, dafür ganz auf Spaß und schnelle Erfolgserlebnisse beim Gitarrenspielen-Lernen setzt, entwickelte sich zum Bestseller: Insgesamt verkaufte sich das Buch bis heute über 1,5 Millionen Mal. Und dabei wird es wohl nicht bleiben. Denn zum 40. Jubiläum des legendären Lehrbuchs veröffentlicht der Voggenreiter Verlag jetzt eine erweiterte, mit CD und DVD ausgestattete neue Version. Zu den Inhalten gehören auch die Techniken, auf die es bei der Country Music ankommt: Fingerpicking und Hammering. Wir gingen mit dem Kult-Gitrarrenlehrer auf Tuchfühlung.

Zunächst einmal hat uns interessiert, worauf Gitarristen achten sollten, wenn sie einen Country-Song spielen? "Die meisten Songs haben eine einfache Anschlagtechnik - und das wichtige bei der Anschlagtechnik ist, dass das so einen leichten Swing hat. Die haben meistens immer die Betonung auf die Zwei und Vier. Das bringt diesen Swing rein, das macht unheimlich Spaß", sagt Bursch. Der nächste Schritt wäre, dass man eine Bassbegleitung spielt, für die auch Johnny Cash berühmt gewesen sei. Peter Bursch: "Der spielte immer eine Bassseite und dann schlug er die restlichen Seiten an. Das heißt, dass man zu jedem Griff immer auch einen Basston spielt. Das ist für viele Country-Songs charakteristisch." Komplizierter sei die nächste Stufe: das Fingerpicking. In der Country Music sei diese Technik sehr populär, deshalb nenne man sie auch "Country-Picking". "Das kommt eigentlich vom Banjo, die Gitarristen haben sich diese Technik abgeguckt. Da springt der Daumen hin und her und spielt die Viertel, und der Mittel- und der Zeigefinger zupfen immer den Gegentakt. Das ist nicht leicht, macht aber sehr viel Spaß."

Peter Bursch's Gitarrenbuch

Grundsätzlich aber schätzt Bursch das Genre "Country" als technisch nicht so anspruchsvoll ein. Es gehe mehr um das Gefühl, um das Feeling der Musik.
"Wenn man dieses swingende Feeling hat, dann ist das eher leicht. Dann klingt gleich alles gut, auch wenn man nur ein paar einfache Griffe kann", sagt er und ergänzt: "Viele Country-Songs haben ja nur drei, vier Griffe, das ist nicht so schwer zu lernen. Wichtig ist aber die Rhythmik. Wenn man das raus hat, dann kann man schon auf die Bühne gehen und loslegen."

Große Hochachtung hat Bursch aber von den solistischen Fähigkeiten von verschiedenen Country-Gitarristen. Die Technik heiße "Hammering", dabei würde man mit den Fingern auf den Saiten hämmern - und das "in einer irren Geschwindigkeit." Zu seinen Favoriten gehört Keith Urban. "Den habe ich letztes Jahr live gesehen, den finde ich unglaublich", verrät er, "der hat auch eine tolle Ausstrahlung und er spielt toll. Der bringt etwas Rockiges in die Country Music rein. Das begeistert mich sehr." Zu seinen weiteren Gitarren-Helden Nashvilles zählt Bursch Emmylou-Harris-Sideman Tony Rice, den Country-Blues-Spezialisten und einstigen Eric-Clapton-Mistreiter Albert Lee sowie den legendären Session-Gitarristen und Produzenten Chet Atkins.

Ob Clapton, Lee oder Atkins - alle waren und sind sie Experten des Fingerpicking. Laut Bursch lässt sich diese - zwar nicht gerade leichte - Technik dennoch relativ schnell erlernen. Zumindest wer das dafür nötige Feeling mitbringe. Wer schon ein paar Monate Gitarre spielt, könne sich durchaus an diese Finesse wagen, meint der Gitarrenlehrer. "Man braucht dazu drei Finger, die man hintereinander zupft. Da geht es schon genau zu, da muss man auf die Saiten schauen, damit man die richtige trifft." Das erfordere etwas Geschicklichkeit und das dauere auch ein paar Wochen, bis man das raus habe. "Also da geht nicht von heute auf Morgen", sagt er, aber es ist zu schaffen. Behilflich dabei ist natürlich auch sein Buch. Anhand von Songbeispielen - wie zum Beispiel "Blowin' In The Wind", "Memphis, Tennessee", "Knockin' On Heaven’s Door", "Country Doodle" und "Ramblin' On My Mind" - verrät der Gitarrist und Lehrer, worauf es bei der Musik ankommt. "Das geht ganz schnell", sagt Bursch "dann können die Schüler schon die ersten Songs spielen. Ein frühes Erfolgserlebnis ist bei meiner Methode ganz wichtig."

Nicht ganz unwichtig ist natürlich auch das geeignete Instrument. Grundsätzlich müsse man in Konzert- und Westerngitarre unterscheiden. Die Konzertgitarre ist mit Nylonsaiten bespannt und leichter zu greifen - und damit für absolute Anfänger die ideale Wahl. Die Westerngitarre ist mit Stahlsaiten bestückt. Diese ließe sich schwerer greifen, würde aber - wie es der Name schon klar macht - vor allem im Country den Ton angeben. Anfänger empfiehlt Bursch ein Instrument ab rund 300 Euro. "Die Gitarre sollte eine massive Decke haben", sagt Bursch. Dann habe man auch lange Spaß an dem Instrument.

Als Gitarrist war Peter Bursch natürlich schon öfters in Nashville. Seit 1974 besucht er die Countrymetropole regelmäßig. Auch mit seinen Schülern: "Im letzten Jahr war ich mit 20 meiner Schüler dort", sagt er und seine Augen leuchten bei der Erinnerung. "Wir haben dort auch einen Auftritt gespielt, das war toll." Ansonsten habe die deutsche Gitarristen-Reisegruppe die Museen, Clubs und Studios der Stadt besucht. "Das war ein Riesenerlebnis", schwärmt er, "wir haben viele Musiker getroffen, darunter auch den Sohn von Johnny Cash." Es sei eine tolle Reise gewen, denn "Nashville ist schon eine verrückte Stadt".

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