CD Cover: Kristy Cox - Ricochet

Mit "Ricochet" biete Kristy Cox Bluegrass made in Australien.

Bluegrass ist ein traditionelles Genre. Eine ruhige, ausschließlich auf akustischen Instrumenten basierende Musikform - und damit irgendwie das Gegenteil von hip. Möchte man meinen. Doch in Amerika - und offenbar auch in Australien - machen sich immer mehr junge Talente, nicht selten ausgemachte Großstadt-Hipster, auf, um Bluegrass in die Neuzeit zu überführen. Dabei laden sie den auf Banjo, Fiddle, Kontrabass und Akustikgitarre basierenden Sound um zeitgemäße Melodien und Inhalte auf. Wie perfekt diese Kombi glücken kann, belegt Kristy Moore mit ihrem neuen Album "Ricochet".

Kristy Cox setzt kompromisslos auf Bluegrass und Folk

Wie es heißt, hat die aus Australien stammende Kirsty Cox schon früh ihre Liebe für Buegrass und Folk entdeckt. Um aber in diesem Bereich wirklich groß werden zu können, war der Umzug nach Amerika - das Mutterland des Genres - unumgänglich. 2013 hat die junge, hübsche Sängerin schließlich ihre Koffer gepackt und es ihrem Landsmann Keith Urban nachgemacht. Ob sie ähnlich erfolgreich wird, wie Nicole Kidmans Gatte? Na ja, wohl eher nicht. Zumindest nicht, wenn sich Kristy Cox musikalisch auch weiterhin so treu bleibt, und "nur" auf Bluegrass setzt. Nur - weil die Fangemeinde, verglichen mit dem Country-Pop des Keith Urban, natürlich weitaus kleiner ist.

Egal. Was soll's. Es geht ja schließlich um Musik und nicht um potentielle Käufer und Zielgruppen, oder? Kristy Cox dürfte hier wohl zustimmen, wie ihr aktuelles Album "Ricochet" nahelegt. Schon der Titeltrack (und vorab ausgekoppelte Single) präsentiert eine kraftvolle, den Bluegrass-Roots zugewandte Sängerin, der aber dennoch die Tuchfühlung zu mehrheitsfähigen Pop-Gefilden irgendwie gelingt.

Wie? Durch die Art zu Singen und - vor allem - wegen der herrlich einfühlsamen Melodie im Refrain. Kaum jemand dürfte beim Hören dieses Akustik-Tracks auf die Idee kommen, den Song mit einem altbackenen Traditions-Genre in Verbindung zu bringen. Keinesfalls, denn es geht die Post ab. Dafür sorgen ein flott gezupftes Banjo, ein treibender, von Bass und Gitarre angefeuerter Groove und Miss Cox, die es als Sängerin mit den besten ihres Fachs aufnehmen kann.

Mit "Ricochet" verbindet Kristy Cox Tradition mit Moderne

Also beispielsweise mit Alison Krauss. Auch wenn sie beim Titeltrack noch eher an Lady Antebellum als an die Bluegrass-Königin erinnert - in den weiteren Songs, wie beispielsweise der rührigen Liebesballaden "A Bed This Cold" oder in dem Folk-Titel "I Can Smell Almost The Smoke" lässt die Sängerin tatsächlich an Alison Krauss denken. Gibt es ein schöneres Kompliment für eine Bluegrass-Sängerin?

Wohl kaum. Andererseits ist die Newcomerin vom fünften Kontinent alles andere als eine Krauss-Kopie. Im Gegenteil. In der keltisch angehauchten Roots-Ode "Sweet English Rose", in der wunderbaren Ballade "Cry Me A River" oder in dem vertonten Roadtrip "South to North Carolina" beweist sie eine eigene Handschrift, einen eigenen Sound. Und der verbindet geradezu vorbildlich das Gestern mit dem Heute.

Fazit: Mit Alben wie "Ricochet" von Kristy Cox haben die traditionsreiche Genres Bluegrass und Folk eine attraktive Zukunft. Ein Volltreffer!

Label: Mountain Fever (hier nicht veröffentlicht) VÖ: 19. Januar 2018
01 South to North Carolina
02 Cry Me A River
03 Just Me Leaving
04 A Bed This Cold
05 Ricochet
06 Right Where You Left It
07 I Can Almost Smell the Smoke
08 Sweet English Rose
09 Blame it on God
10 I Still Pray

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