The Pines - Above The Prairie

CD Cover: The Pines - Above The Prairie

Das Trio aus Minnesota hat sich auf schwermütigen Ambient-Folk spezialisiert; ihr neues Album "Above The Prairie" ist eine atmosphärische, alles andere als gut gelaunte Angelegenheit.

Es ist so etwas wie das Markenzeichen von The Pines: Auch das neue "Above The Prairie"-Cover-Motiv der Band ist in lila-schimmernden Blautönen gehalten und zeigt ein düster-romantisches Landschaftsbild.

Es ist eine zutiefst melancholische Welt, die Alex und Benson Ramsey bewohnen. Die Brüder stammen aus einem Städtchen mit dem hübschen Namen Moonrise, Iowa. Benson traf in David Huckfelt einen Bruder im Geiste, während er in Tucson, Arizona wohnte. Gemeinsam begannen sie, Stücke zu schreiben und gründeten The Pines dann zurück im mittleren Westen der USA, in Minneapolis, Minnesota. Hier stieß auch Alex Ramsey als Keyboarder zu den beiden Songwritern. Die Songs des Trios waren von Anfang an kontemplativ und akustisch geprägt.

Doch was 2004 mit schwungvollerem Folk-Rock begann, wurde mit jeder Platte schwermütiger. Auf ihrem fünften Album "Above The Prairie" muss man beinahe Angst um den Gemütszustand des Songwriter-Duos haben, so tief in Moll sind diese zehn neuen Kompositionen getaucht. Wenn Ramsey und Huckfelt, die auch die Lead-Sänger der Band sind, in "Hanging on Earth" gleich eine ganze "galaxy of broken hearts" besingen, dann versinken sie tief in Unglück und Selbstmitleid.

The Pines - ein akustisches Trio in entrückten Keyboard-Sphären

Noch immer basiert der Sound der Band auf einem akustischen Folk-Trio, aber The Pines erweitern ihr Spektrum mit Banjo, Geige und den charakteristisch sphärischen Keyboard-Flächen. Die sorgen, passend zu dem Sternenhimmel auf dem Cover von "Above The Prairie", für eine leicht entrückte, schwebende Atmosphäre, die ihren Höhepunkt im letzten Song des Albums findet. "Time Dreams" ist eine der letzten Aufnahmen des Dichters und Sängers John Trudell. Trudell, der im Dezember 2015 verstarb, war einer der wichtigsten Aktivisten der amerikanischen Ureinwohner. Hier ist er mit einer bewegenden Spoken-Word-Performance zu hören, in der er ein Gedicht über die Unfähigkeit des Menschen, eine innige Verbindung mit der Erde einzugehen, rezitiert.

The Pines selbst nennen ihre Musik "Transcendental Folk" oder "Country Noir". Ungewöhnliche, Synthesizer-getriebene instrumentale Zwischenspiele unterstreichen die ätherische Qualität dieser Musik, die der Vater der Ramsey-Brüder co-produzierte. Bo Ramsey, ein Singer/Songwriter, der schon Lucinda Williams und Greg Brown produzierte, lud Gäste wie Brown und Iris Dement dazu ein, im Gospel-Chor auf "Here" zu singen, einem der zentralen Stücke von "Above The Prairie".

"Above The Prairie" fängt die Stimmung der Weite des Mittleren Westens ein

Die Stärke dieser Band liegt nicht im Songwriting, sie liegt im Erschaffen von Stimmungen. Nach einmaligem Hören mögen diese Songs alle ähnlich klingen, doch mit der Zeit findet der aufmerksame Hörer eine emotionale Verbindung zu diesen getragenen, tief empfundenen Stücken, die so eigentlich nur in den Weiten des mittleren Westens der USA entstanden konnten.

Fazit: Flächige Keyboards, sanfte Gitarren, melancholischer Gesang und emotionale Texte - "Above The Prairie" von The Pines ist ein Album, auf das man sich einlassen muss.

Label: Red House (in-akustik) VÖ: 5. Februar 2016
01 Aerial Ocean
02 There In Spririt
03 Lost Nation
04 Hanging from the Earth
05 Here
06 Where Something Wild Still Grows
07 Sleepy Hollow
08 Villisca
09 Come What Is
10 Time Dreams


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