The Lazy Boys - Get a Life

CD Cover: The Lazy Boys - Get a Life

Die sächsische Landeshauptstadt Dresden ist für vieles, jedoch nicht nicht unbedingt vorrangig berühmt für musikalische Hochkultur, und wenn, dann eher für klassische Chöre und Orchester. Doch wie meistens, ist es eher die im Untergrund entstandene Musik, die erst wirklich interessant ist und in einer irgendwo existierenden Subkultur der Stadt entdeckten irgendwann die vier Musiker Mirko Glaser, Joe Gerstengarbe, Mario Wachsmann und Raoul Lesche ihre Leidenschaft für die frühe amerikanische Geschichte des Rock'n'Roll, Rockabilly und Country.

Als "Kinder der DDR", wie sie sich beschreiben, kennen sie die Sehnsucht nach Ferne nur allzu gut, und genau diese Musik zu spielen, ist, wie sie sagen, auch ein "innerer Grenzübertritt". Bereits vor 18 Jahren gründeten sie ihre Band "The Lazy Boys" und verfeinerten ihren Stil mehr und mehr. Country Music in Deutschland zu machen, genauer "Rock'n'Roll and Country with a hint of dirty blues" ist ihre Mission und abgesehen von hunderten Live-Konzerten hierzulande, zwei Touren durch die USA, unter anderem nach Las Vegas und Texas, sogar in den Ural, produzierten sich auch immer wieder fleißig Alben. Mit "Get A Life" legen sie nun Nummer Sechs vor und beweisen, dass mit Hingabe, Fleiß und einer kleinen Brise Wahnsinn am Ende was Handfestes heraus kommt.

Vorbilder sind die "alten" Pioniere des Rock'n'Roll, wie die Tennessee Three oder Carl Perkins. In jener Zeit der späten 1950er und 1960er begannen Musiker wie sie, den rauen Stil der Rhythmusgitarre in gefügige Country-Melodien einzubauen, starker schwarzer Rhythm and Blues fand seinen Einsatz und genau diesen Stil möchten die "Lazy Boys" ins Jetzt herüber transportieren.

Die meisten der 13 selbst geschriebenen Songs des Albums sind hier absolut tauglich. "Wham Bam" oder "Develish" sind einfach coole Rockabilly-Nummern. Beim Titelsong "Get A Life" oder "The Beast" wird der Country-Einfluss schon deutlicher. Zu "The Beast" haben die vier auch ein recht gut inszeniertes Video veröffentlicht. Überhaupt muss man sagen, dass die CD-Promotion der "Lazy Boys" im Vorfeld absolut perfekt durchstrukturiert verlief. So stellte die Band im Fernsehstudio bei MDR Sachsen die Ballade "Migrant Bird" vor. Fürs Album hatte sie sich für den sehr schönen Song weibliche gesangliche Unterstützung geholt.

Professionelle Arbeit kommt nicht von ungefähr, denn Joe Gerstengarbe, der das Album auch selbst produziert, hat dieses Handwerk unter anderem in Studios in Nashville gelernt, bevor er sein eigenes in Dresden gründete.

Auch Sänger und Gitarrist Mirko Glaser, der seiner Heimatstadt eine Bar betreibt, die dort Anlaufpunkt anderer Musiker und diverser Nachtschwärmer ist, zieht es selbst immer wieder in die USA. Aus den Begegnungen und Geschichten, die ihm dort widerfahren, schöpft er das Material zum Liederschreiben. Der Versuch in "Tijuana Rain" eine Nacht in Mexiko wieder auferleben zu lassen, scheitert jedoch, denn was wie Mariachi klingen soll, hört sich auf der Aufnahme eher nach königlich-bayerischer Blasmusik an. Dennoch hat der Frontmann die passende derbe Stimme, der den derben Stil der Band betont.

Ihre (Live-)Erfahrung merkt man den vier Männern an, überhaupt, dass sie "ihre" Musik gefunden haben. Ohne Schnörkel, geerdet, jedoch vielfältig und manchmal auch mit leicht morbidem Einschlag, wie beim Text von "Must Kill You Now". Die Welt nicht so ernst nehmen, jedoch die Arbeit. So kommt am Ende ein Album raus, das sich sehen lassen kann und auch, wenn es aus Deutschland kommt, durchaus nicht "deutsch" klingt.

Fazit: Wer solide gemachten Rockabilly mit Country-Einschlag mag, liegt mit "Get A Life" absolut richtig.

Label: Part (Broken Silence) VÖ: 6. November 2015
01 Get A Life
02 Bitch
03 Resist
04 Tijuana Rain
05 Nighttime Shuffle
06 Wham Bam
07 Crush On You
08 Devilish
09 Hit The Road
10 Midnight Pain
11 I Must Kill You Now
12 The Beast
13 Migrant Bird

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