The Once - Departures

CD Cover: The Once - Departures

Schon mal was von The Once gehört? Nein? Kein Wunder, die Formation hat bisher noch nicht für Hits und dicke Schlagzeilen gesorgt. Was schade ist...und irgendwie auch ungerecht. Denn das aus St. John’s, im kanadischen Nirgendwo von Neufundland, angesiedelte Folk-Trio hat musikalisch einiges anzubieten. Natürlich keine Von-der-Stange-Ware und auch keinen so richtig kommerziellen Mainstream. Selbst für gängige Radioformate eignen sich nur die wenigsten Songs von Sängerin Geraldine Hollett, Phil Churchill und Andrew Dale, ihren Musikern an Gitarre und Banjo.

Wer weiß, vielleicht muss man in einer Stadt wie St. John’s leben, am Nordatlantik, am Zipfel der Zivilisation, um so eine Musik zu machen. Musik ohne Schnick-Schnack, ohne Gimmick und billigen Effekten, dafür irgendwie ehrlich, gefühlvoll, ja sogar: tief gehend.

Im Fokus der zehn Titel von "Departures", ihr bereits viertes Album, steht erneut die glockenklare Stimme der kanadischen Vokal-Fee Geraldine Hollett. Sie prägt mit ihrem gleichermaßen hohen wie warmen Gesang den Sound der Band. In den Vordergrund drängt sie sich dennoch nicht und lässt ihren ernsthaften Mitstreitern reichlich kreativen Raum. Wer so denkt, so tickt und so viel Talent mitbringt, wie die drei, kann eigentlich nur hochwertige Musik fabrizieren. Deshalb kann man über "Departerures" schnell auch ins Schwärmen geraten.

Songs wie der flotte Opener "The Town Where You Lived", das ruhig-herbstliche, herrlich-hoffnungslose "We Are All Running" oder das schon fast an ein Gebet erinnernde "You Lead, I Will Follow" strahlen Schönheit und inneren Frieden aus. Und das ohne große Arrangement-Anstrengungen. Meistens reichen akustische Instrumente aus. Gelegentlich rührt ein Drummer die Trommel oder sorgt ein kleiner Bläsersatz für einen Anflug von akustischer Opulenz. Doch alles ist sparsam reduziert, der luftige Zauber bleibt stets erhalten. Das gilt natürlich auch dann, wenn sie – wie bei "All The Hours" – einen Abstecher in urwüchsige Bluegrass-Gefilde machen oder bei "Fool For You" schon fast einen echten Folk-Rock raus hauen.

Nach ein paar Songs meint man, dass man das seit 2004 bestehende Trio kapiert hat. Dass man es, wie Fußballer immer über Spiele sagen, "lesen kann". Kann man nicht. The Once bleiben unberechenbar und sind mit jedem Song, mit jedem Takt für eine Überraschung gut. Eine davon heißt "Can't Help Falling In YouLove". Was das kanadische Dreigestirn aus der Elvis-Ballade macht, ist schlichtweg magisch. Der King dürfte vom Rocker-Himmel herab bestimmt seinen Segen zu dieser großartigen Version geben. Mit der zweiten Cover-Version "Sonny's Dream" würdigen sie ihren ebenfalls aus Neufundland stammenden Singer/Songwriter Ron Hynes – der damit einen häufig gecoverten Song-Volltreffer landete (u.a. Christy Moore, Great Big Sea und Allison Crowe).
Die Version von The Once kann mit allen anderen Interpretationen locker mithalten: sie betten den Track in einer wunderschönen Country-A-Cappella-Fassung ein.

Als echten Ausreißer des CD-Zehners muss man die temperamentvolle, leicht überdrehte Revue-Nummer "The Nameless Murderess" bezeichnen. Ein gewöhnungsbedürftiger Titel, der mit jedem Hördurchgang besser wird.

Fazit: Vielfältiger, leiser, aber auch extrem eindringlicher Folk des neufundländischen Trios – wer einen Geheimtipp sucht, wird hier fündig!

Label: Nettwerk (Soulfood) VÖ: 19. September 2014

  • Titelliste

01 The Town Where You Lived 06 Into Your Life
02 We Are All Running 07 Can't Help Falling In Love
03 You Lead, I Will Follow 08 Standing At Your Door
04 Fool For You 09 The Nameless Murderess
05 All The Hours 10 Sonny's Dream


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