Da kommt es fast schon überraschend, dass der Auftakt- und Titelsong "Potato In Rio" eher nachdenklich daherkommt. Loving singt vom verlassen werden und dem damit verbundenen Schmerz. Trotz der eher schweren Thematik kommt musikalisch dennoch die erwartete Lockerheit auf, und die seichte Gitarrenbegleitung erinnert durchaus an jene Island-Klänge, denen beispielsweise Kenny Chesney des Öfteren verfällt. Gesanglich merkt man jedoch schnell, dass man bei Loving so einige Abstriche machen muss. Es ist keineswegs schlecht, was die Stimmbänder des Musikers da zum Besten geben, aber große Nuancen kann er nicht setzen und der Wiederkennungswert strebt gegen Null. Dennoch überzeugt das musikalische Gesamtpaket und der Opener lässt sich "gut weghören", um es mal etwas salopp zu formulieren.
Es folgt mit "Angel Girl" eine Nummer, die ebenfalls angenehm auf den Ohren liegt, aber trotzdem irgendwie den nötigen Biss vermissen lässt. Es plätschert alles so ein bisschen vor sich hin, und genau da liegt das Problem. Lovings Musik ist nett zu hören, aber eben auch nicht mehr. Für ein bisschen mehr Pepp sorgt dann "Naked Sunday", die erste Singleauskopplung des Albums. Unverblümt singt Loving davon, den Sonntag nackt mit seiner Herzensdame zu verbringen. Untermalt mit einer flotten, tanzbaren Melodie stellt der Titel eine erfrischende Abwechslung dar. Der Bass wummert, die Gitarre schrammelt und die Mundharmonika (!) sorgt für das gewisse Extra. "Geht doch!", möchte man sagen.
Prompt fällt Loving jedoch von einem Extrem ins andere und fährt den Spaßpegel mit "Blonde and Blue" wieder ganz weit runter. Das ist aber gar nicht mal schlecht, denn die langsame und melancholische Nummer mausert sich zu einem echten Hinhörer. Gitarre, Bass und Keyboard erzeugen einen wirklich tollen Klangteppich, und auch Lovings Stimme passt hier wirklich hervorragend. Auch im Folgenden hält Loving stets die Waage zwischen ruhigeren Titeln und etwas forscheren Tönen. Besonders hervor stechen dabei das von einem Piano dominierte "It’s All About the Love" und das seichte "I Don’t Even Know Your Name", bei dem mit unterschwelligem Meeresrauschen im Hintergrund auch mal wieder der Bezug zum Albumcover hergestellt wird. Noch deutlicher wird dieser Bezug allerdings bei "Give Me Summertime". "Give me a tall palm tree and a beer with lime. Just give me summertime”, singt Loving da und versprüht mit dem Song eine gehörige Portion gute Laune.
Zum Abschluss des mit 10 Titeln bestückten Albums liefert Loving einen Weihnachtssong namens "Bethlehem" ab, in dem es allerdings weniger um den Weihnachtsmann und Rentiere als vielmehr um die tiefere Bedeutung des Weihnachtsfestes geht. Noch mag diese Thematik zwar nicht so recht zur Jahreszeit passen, doch spätestens im Dezember dürfte der besinnliche Track für die passende Stimmung unterm Weihnachtsbaum sorgen.
Fazit: David Lovings verspätetes Debüt hat durchaus einige starke Momente zu bieten. Nicht jeder Song zündet gleichermaßen, und auch große Erfolge sind mit diesem Album eher nicht zu erwarten. Aber Loving hat Spaß an seiner Musik, und das merkt man.
Label: Tall Horse (hier nicht veröffentlicht) | VÖ: 1. Juli 2014 |
Titelliste
01 | Potato in Rio | 06 | It's All About the Love |
02 | Angel Girl | 07 | Give Me Summertime |
03 | Naked Sunday | 08 | Southern Moon |
04 | Blonde and Blue | 09 | Lindsay's Song (Too Much for Me to Say) |
05 | I Don't Even Know Your Name | 10 | Bethlehem |