Vicki Lawrence - The Night The Lights Went Out in Georgia (The Complete Bell Recordings)

Dieses Cover, diese Frisur, dieser Blick. Ganz klar, da waren die 70er Jahre am Werk. Vicki Lawrence ist ein Kind dieser Epoche. Nicht weil sie da geboren wurde - das war eine Weile früher, 1949 - sondern weil sie da ihre große Zeit hatte. Na ja, groß. So richtig, richtig groß war die Dame aus Inglewood, Kalifornien, eigentlich nie.

Mitte der 60er Jahre sang sie bei der Gruppe "The Young Americans", ab 1967 spielte sie in der damals enorm populären The Carol Burnett Show - für diese Performance bekam sie den wichtigsten TV-Preis, den Emmy®. Und es ging weiter bergauf: 1973 rangierte sie mit dem Titel-Song aus dem Album "The Night The Lights Went Out In Georgia", der 1992 von Reba McEntire gecovert wurde, zwei Wochen auf Platz eins der Billboard Hot 100-Charts. Die Krönung. Aber auch, traurig, traurig, der Wendepunkt in ihrer Karriere. Denn von nun an ging es irgendwie nur noch abwärts. Zumindest musikalisch. Ihre nachfolgenden Alben, erschienen 1974, 1979 und 1990, versandeten in der Bedeutungslosigkeit. Als TV-Star aber war sie, und ist sie eigentlich immer noch, recht gut im Geschäft - in den 90er mit einer eigenen Talksendung, zuletzt als Gaststar in "Hannah Montana".

Nun aber kommt in einer Neuauflage ihr großer Wurf wieder unters Volk: "The Night The Lights Went Out In Georgia". Neben den elf Tracks des Erfolgsalbums ist auf der CD auch noch Platz für das einst nur in Australien erschienene Album "Ships In The Night" plus drei Bonus-Tracks.

Jede Menge Hörstoff also. Ein Stoff, der ohne Kanten und Ecken auskommt und der sich ohne Umwege in die Gehörgänge schmiegt. Damals war das Pop für die weiße Upper Class, heute ist es "Easy Listening". Manche nennen diese Art von Musik "Fahrstuhlmusik". Doch damit wird man weder zeitlosen Songs wie der Klassiker "Killing Me Softly", "Little Green Apples" oder dem Titeltrack noch der Sängerin gerecht. Ähnlich wie Petula Clark serviert sie diesen, von jazzigen Harmonien, federnden Rhythmen und viel, viel Geigen-Pomade angerührten Sound mit absoluter Lässigkeit. Stimmlich aber kann sie mit der Easy-Listening-Queen nicht mithalten, dafür ist das Stimmchen der kastanienbraunen Föhnfrisur-Trägerin zu dünn.

Das wird auch bei "Dime A Dance" (von Bob Stone) deutlich. Bei dem leisen Intro wackelt sie dann doch recht unüberhörbar durch die Noten. Doch das stört den nostalgischen, Nimms-Leicht-Hörgenuss keineswegs. Dafür haben die wunderbar melodischen Songs und letztlich auch ihre Stimme viel zu viel Charme.

Unterm Strich trifft das alles auch auf die Titel von "Ships In The Night" zu. Wieder präsentiert sie Klassiker wie Stevie Wonders "You Are The Sunshine of My Life" oder "Who Do I Call When I Need You" oder Songs von ihrem damaligen Ehemann Bobby Russell, wie "Funny Girl" oder der Titelsong. Um einen Tick souliger wird es nur mal, wenn sie den Bobby Flax/Lanny Lambert-Song "Makin' Love In My Mind" anstimmt. Nett. Aber natürlich genauso aus der Zeit gefallen wie ihre Frisur auf dem Coverfoto.

Fazit: Easy-Listening mit einer vergessenen 70er-Jahre-Größe. Charmant, gefällig und so aufregend wie ein Schluck Eierlikör.

Label: Real Gone (H'Art) VÖ: 11. April 2014

  • Titelliste

01 The Night the Lights Went Out in Georgia 14 In Another Woman s Arms
02 Mr. Allison 15 Take Me to Heaven
03 Killing Me Softly 16 Cameo
04 Sensual Man 17 Ships in the Night
05 Little Green Apples 18 Funny Girl
06 He Did with Me 19 Makin Love in My Mind
07 (For a While) We Helped Each Other Out 20 Who Do I Call When I Need You
08 It Could Have Been Me 21 The Light on the Back Porch Door
09 Dime a Dance 22 You Are the Sunshine of My Life
10 Gypsys, Tramps and Thieves 23 Old Home Movies
11 How You Gonna Stand It 24 The Other Woman
12 Mama s Gonna Make It All Better 25 I'm Glad I m Not... (Neuveröffentlichung)
13 Who Broke Your Heart and Made You Write That Song


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