Van Zant - My Kind of Country

CD Cover Van Zant - My Kind of Country
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Redaktionswertung Bewertung: 3,5 Sterne = gut
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Der Name "Van Zant" klingt in der Musikbranche wie Donnerhall. Zumindest unter den Southern-Rock-Freunden. Schließlich war es Ronnie Van Zant, der gemeinsam mit seiner Band Lynyrd Skynyrd zu den Gründervätern dieses Genres avancierte. Sein Bruder Donnie schrieb als Stimme der ebenfalls southern-rockenden Kult-Band "38 Special" ebenfalls einige Kapitel Musikgeschichte. Und auch der jüngste Spross der Van Zants, Johnny, hat Talent, Stimme und mit seinen 48 Jahren ein bewegtes Musikerleben hinter sich - u.a. nach Ronnie Van Zants Tod in 1977 als Sänger von Lynyrd Skynyrd. Die Van Zants scheinen über einen ausgeprägten Familiensinn zu verfügen. So machten Johnny und Donnie bereits 1980 musikalisch gemeinsame Sache, die nach verschiedenen Solo-Projekten und einer längeren Auszeit von Johnny - er arbeitete mehrere Jahre als Trucker - Ende der 90er Jahre ihre Fortsetzung fand ("Brother To Brother", "Van Zant II"). Mit "My Kind Of Country" erscheint jetzt eine weitere Produktion aus dem Hause Van Zant. Ein Titel, der unter Country-Freunden Hoffnungen weckt ...

Irrtümlicherweise. Denn die beiden auf dem Cover dunkel gekleideten, dafür aber umso fröhlicher lachenden Gesellen meinen - dafür braucht es nicht mal das Studium des Titeltracks - den Begriff "Country" nicht als Genrebezeichnung. Mit "My Kind Of Country" liefern Johnny und Donnie vielmehr ihre persönliche Wunschvorstellung des Amerikas anno 2007 ab. Es ist das Amerika des George Bush Jr.'s: mit Eistee, NASCAR-Rennen, Jeans, Football, Pick-ups ("clean fun") und jeder Menge Star-Spangled-Banner-Geschwenke. So weit, so ernüchternd. Richtig übel wird es aber dann, wenn die zwei Südstaatler den Macho ("Honey get that man a beer") oder den Chauvi ("Ain't no strangers 'round here") raushängen lassen. Gegen diese Plattitüden kommt auch der keineswegs üble, mit Countrytupfern garnierte Southern-Rock an, mit dem sie ihren Patriotismus untermalen.

Das gilt leider für mehrere Songs, zum Beispiel auch für das im Dreiviertel-Takt gehaltene "These Colors Don't Run". Der Titel lässt ja schon üblen Hurra-Patriotismus erahnen - und Zeilen wie "let me tell you son, we're still number one" bestätigen die Befürchtungen. Harter Redneck-Tobak ist das, und nur schwer verdaulich für einen halbwegs aufgeklärten Menschen, der sein politisches Wissen nicht ausschließlich über CNN bezieht. So viel zu den Inhalten...

Musikalisch können die beiden Rauhbeine allerdings durchaus punkten. Schon der robuste Opener "Train" schiebt mit fetzigem Southern-Rock, temperamentvollem Gitarrensolo und würzigem Gesang an, wie ein Amtrak-Zug zwischen San Antonio und El Paso. Da kommt Freude auf.

Wenngleich die beiden Van Zants ihre Stärken im Rock 'n' Roll ("Goes Down Easy", "It's Only Money") und natürlich im Southern-Rock ("We Can't Do It Alone") haben, können Johnny & Donnie - vermutlich als eine Art von Altersmilde - in gefühlvollen, balladesken Titeln punkten. Beste Beispiele hierfür bieten "That Scares Me" und das finale, von Johnny & Donnie gemeinsam mit Brad und Brett Warren geschriebene "Headed South", in denen sich die beiden von ihrer verletzlichen Seite zeigen. Und die steht ihnen allemal besser, als dieser Wir-tollen-Amis-Quatsch.

Auch wenn die Beiden ihr neues Album in Nashville (gemeinsam mit dem A-Session-Team) aufgenommen und neben Brett und Brad James als Songautoren Country-Könner wie Bob DiPiero und David Lee Murphy verpflichtet haben, spielt Country nur eine Nebenrolle: Als Tupfer, als Beiwerk, als musikalische Randnotiz in Form einer Fiddle, Pedal Steel Guitar oder Dobro. Van Zant steht - das war so, das bleibt so - für Southern-Rock.

Fazit: Stammtisch-Texte, verpackt in würzige Southern-Rock-Klänge. Bush-Wähler werden das Album lieben, alle anderen sollten die Lyrics besser überhören. Merke: nicht vom Titel beeinflussen lassen! Mit "Country" ist nicht die Musik, sondern die amerikanische Heimat der beiden Rock-Recken gemeint.

Label: Columbia Nashville (Sony) VÖ: 9. November 2007

  • Titelliste

  • Links

01 Train 07 It's Only Money
02 These Colors Don't Run 08 We Can't Do It Alone
03 Goes Down Easy - Album Version 09 Friend
04 That Scares Me 10 It's All About You
05 My Kind Of Country 11 Headed South
06 The Hardest Thing


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