"Grateful" ist das dritte Studio-Album der The Red Clay Strays
Heutzutage wird viel darüber diskutiert, was als Country Music gilt und was nicht, und die Truppe aus Mobile ist vielleicht die erste Gruppe mit einem CMA-Award, die aktiv versucht, dieses Etikett so weit wie möglich abzuschütteln. Auf einem Album wie "Moment of Truth", auf dem die Welt erstmals die Musik von The Red Clay Stray kennenlernte, in deren Instrumenten noch Spuren von Sumpfalgen zu finden waren, gab es kaum "Boot-Scootin’" zu hören. Auch auf "Made by These Moments" findet man kaum Geige oder Steel Guitar, stattdessen greift die Gruppe Gospel-Motive auf und versetzt sie in eine südstaatlich-gotische Kulisse. Der Gruppe mögen zwar Filzhüte und Sporen fehlen, aber die Stücke fügen sich in eine Definition des Genres ein, die so abstrakt ist wie eh und je.
Auf "Greatful" spürt man die Sun-Records-Attitüde
Wie klingt also ein drittes Red-Clay-Strays-Album nach der postkulturellen Übernahme? Beruhigend vertraut, wenn auch vielleicht ein Hauch zu übertrieben. "Grateful" ist viel selbstbewusster als seine beiden Vorgänger, da es versteht, Dramatik im Interesse der Eindringlichkeit richtig einzusetzen und gleichzeitig etwas von der Selbsternstheit abzuschwächen, die die früheren Werke der Band prägte. Auf jeden predigenden Kanzel-Moment wie "Demons In Your Choir" folgt bald ein Skynyrd-B-Side-Stück wie "Down South".
Die Band ist bestrebt, alle Klischees des tiefen Südens abzudecken, doch die Variationen wirken dabei nie zusammenhanglos. Das wird zu ihrem Markenzeichen, während die Band sich in die Sphäre der bekannten Namen vorwagt. Dennoch gibt es ein bewusstes Bestreben, die Stimmung konzentriert und frei von kommerziellen Vorbehalten oder billiger Nostalgie zu halten.
The Red Clay Strays sind amerikanische Musik
Selbst die härteren Stücke der Band wirken befreit von dem Melodram, das ihre ersten beiden Alben in einer permanenten düsteren Stimmung hielt. "Walkin’ Away", komplett mit Colemans charakteristischer rauer Stimme, wirkt wie ein klassischer Juke-Joint-Abschluss an einem schweißtreibenden Augustabend. "Can’t Fix You" wirkt, als würde es die Wolken der Erkenntnis teilen, anstatt in der Pfütze über verlorene Liebe zu schmollen. Je enger und vertrauter sie miteinander werden, desto selbstbewusster zeigen sich die Red Clay Strays.
Zwischen den einst himmelerschütternden Gefühlen ihrer früheren Projekte hin- und herpendelnd, scheinen sie diese nun mit neuem Lebensmut und einer frischen Perspektive zu betrachten. "Was wirst du heute tun, denn die Sonne ruft deinen Namen?", singt Coleman in "Do Today", wo jene grüblerische Prahlerei etwas viel Ganzheitlicherem gewichen zu sein scheint, selbst in einem Song über die Akzeptanz des Todes. Das Thema ist eine Sache, doch das bisher gospelorientierteste Werk der Band offenbart sich in seinem kompromisslosen Optimismus.
Fazit: The Red Clay Strays sind dabei sich von einem viralen TikTok-Momenten zu einer etablierteren Band entwickeln, die die amerikanische Musik in der Gegenwart prägt. "Grateful" wird ihnen ganz sicher nicht im Weg stehen.










