Alyssa Bonagura strahlt auf ihrem neuen Album "America's Backroads" Wärme und Weisheit aus
Alyssa Bonagura, die sich auf der Bühne ebenso zu Hause fühlt wie hinter dem Mischpult, hat sich einen Ruf für prägnantes Songwriting, reichhaltige Musikalität und ein tiefes Verständnis für Einflüsse aus Country, Americana und Pop erarbeitet. Ihr Album "America's Backroads", eine 13 Titel umfassende Sammlung, die in Nashville aufgenommen und vollständig von Bonagura mitgeschrieben und produziert wurde, fühlt sich wie der Höhepunkt einer jahrzehntelangen Reise an und verbindet persönliches Storytelling mit den gelebten Erfahrungen von Tourneen und Songwriting über Kontinente hinweg. Mit Mitwirkenden wie Joe Bonamassa, Jeffrey Steele und David Sneddon präsentiert das Album nicht nur ihre Stimme, sondern auch ihre Identität als Musikerin und kreative Gestalterin.
"America's Backroads" beginnt genau so, wie der Titel es vermuten lässt: mit Freiheit und einem Gefühl von grenzenlosen Möglichkeiten
"I Wanna Go" gibt den Ton an mit einem sumpfigen, leicht verzerrten Gitarrenriff, das von der Hitze des Südens durchdrungen zu sein scheint, bevor es in einen entspannten Groove übergeht, der zu gleichen Teilen Country, Rock und Backroad-Coolness ist. "Jump in, get close, pick a road, I wanna go", singt sie und fasst die zentrale Aussage des Albums in einer Zeile zusammen: Dies ist ein Album über Bewegung, Verbundenheit und die Orte – sowohl im wörtlichen als auch im emotionalen Sinne –, die wir im Leben durchqueren. Es ist eine clevere Neuinterpretation eines Songs, der ursprünglich von Morgan Evans aufgenommen wurde, doch hier wirkt er zutiefst persönlich, verwurzelt in Bonaguras eigener Geschichte, die sie auf der Straße aufgewachsen ist.
Dieses Gefühl von Identität und Selbstreflexion setzt sich in "Small Town Tuesday (Who U Gonna Be?)" fort, einem der herausragenden Momente des Albums. Aufgebaut um eine klirrende, an Sheryl Crow erinnernde Gitarrenlinie und dialogartige, fast gesprochene Strophen, verbindet der Song den Sonnenschein der Westküste mit der Selbstbeobachtung einer Kleinstadt. "Jeder hat jemanden, der er sein möchte … wer wirst du sein?", fragt sie und bringt damit das wiederkehrende Thema des Albums – die Selbstdefinition – auf den Punkt. Bonaguras raue, gelebte Stimme trägt das Gewicht der Erfahrung, während ein bluesiges Gitarrensolo diesem letztlich zutiefst nachdenklichen, erwachsenen Country-Rock-Song zusätzliche Tiefe verleiht.
"Circles" tendiert zu einem ausgefeilteren, radiotauglichen Sound, behält aber eine rauchige, sinnliche Note bei, die an Alannah Myles' "Black Velvet" oder das klassische Heart der 80er Jahre erinnert. "Du bringst mich zum Drehen wie ein Rad … wo ich bin, da fängst du an", singt Alyssa Bonagura und erkundet die berauschende Anziehungskraft von Liebe und Verbundenheit. Es ist ein Song darüber, in einer anderen Person Vollkommenheit zu finden, aber auch über die schwindelerregende, manchmal überwältigende Natur dieser Verbindung. Thematisch fügt er sich nahtlos in die Auseinandersetzung des Albums mit Beziehungen ein – nicht nur romantischen, sondern auch emotionalen und spirituellen –, auch wenn er ursprünglich vor etwa einem Jahrzehnt ein Hit für Jana Kramer war!
Alyssa Bonagura liefert ein Album voller Geschichten, Orte und Emotionen
"Life is a Road" führt diesen Gedanken weiter und greift erneut die Bilder von Bewegung und Entscheidung auf, die einen Großteil des Albums prägen. Wiederum unter Rückgriff auf jene an Sheryl Crow erinnernde Sprachmelodie singt Bonagura Zeilen wie "Du kannst sein, wer du sein willst, lieben, wen du lieben willst" mit der Weisheit einer, die sich ihren Weg hart erkämpft hat. Es ist ein Song, der von ihrer eigenen Reise geprägt zu sein scheint – vom Aufwachsen im Tourbus bis zum Studium am Liverpool Institute for Performing Arts von Paul McCartney –, und der amerikanische Country-Storytelling mit einer unverkennbar britischen Pop-Sensibilität verbindet.
"Closin' In From Miles Away" vertieft die klangliche Palette und verbindet akustische Intimität mit dem Punch des Southern Rock. Die Strophen wirken introspektiv, "wie ein Gang auf dem Hochseil", und hinterfragen, ob eine Beziehung überleben wird, bevor sich der Refrain zu einem Groove im Stil von Lynyrd Skynyrd entfaltet. Gospel-angehauchte Hintergrundstimmen verleihen dem Song Textur und Wärme und verstärken das wiederkehrende Gefühl von Gemeinschaft und Verbundenheit auf dem Album. Es ist ein Song, der die Spannung zwischen Unsicherheit und Hoffnung einfängt – ein Thema, das sich durch das gesamte Album zieht.
Diese Spannung weicht in "Hippies & Gypsies", einem der persönlichsten Stücke des Albums, einer nachdenklicheren Stimmung. Basierend auf einer wahren Begebenheit, bei der sie gemeinsam mit ihrem Vater in einem Pfandhaus in South Dakota eine Gitarre fand, ist der Song eine Liebeserklärung an die Reise selbst. Mit seinem folkigen, akustischen Arrangement und den subtilen Klavierklängen verkörpert er den Geist von Joni Mitchell und Joan Baez, während die Melodieführung vage an Billy Joels "Piano Man" erinnert. Bei "Hippies & Gypsies" geht es nicht um das Ziel oder den Erfolg: Es geht um Entdeckungen und die Momente, die uns zu dem machen, was wir werden. Hier werden auch Bonaguras Herkunft und Einflüsse am deutlichsten spürbar.
"America's Backroads" ist geprägt der Liebe zu Künstlerinnen wie Joni Mitchell und Sheryl Crow
"Foundation" bringt den Groove zurück und verbindet Southern Funk mit Gospel- und R&B-Einflüssen. "Es gibt ein starkes Fundament der Liebe", singt sie und baut eine Metapher rund um Beziehungen auf, die im Laufe der Zeit entstehen. Man hört deutlich Anklänge an Lainey Wilsons moderne Country-Attitüde, gemischt mit der Seele von Aretha Franklin und Janis Joplin. Es ist einer der musikalisch reichhaltigsten Titel des Albums, untermauert von einem Gefühl von Wärme und emotionaler Verankerung.
Diese Wärme entlädt sich in purer Freude in "Feels So Good", einer Heartland-Rock-Hymne, die wie geschaffen für offene Autobahnen und Sommerausflüge wirkt. Aufgebaut auf einem Riff im Stil von Tom Petty, ist der Song eine Hymne an das Leben: "Lass uns einfach losfahren, Baby, mit heruntergelassenen Fenstern." Es ist wohl der unmittelbarste und radiotauglichste Moment des Albums, verkörpert aber auch dessen Kernphilosophie: Dankbarkeit, Freiheit und das Leben in vollen Zügen in der Gegenwart.
"Love You Like That" mit Joe Bonamassa fügt dem Mix eine Prise Blues-Rock-Attitüde hinzu. Mit Anklängen an die Rolling Stones und Faces ist es ein grooviger Rückblick, der sich sowohl zeitlos als auch mühelos anfühlt. Bonaguras Gesang tendiert hier zu einer rohen, rockigeren Note, während Bonamassas Gitarrenspiel eine Ebene von Authentizität hinzufügt, die den Track zu etwas wirklich Besonderem erhebt.
Der letzte Teil des Albums schlägt einen eher introspektiven Ton an, beginnend mit "Noise", einer sanften Ballade, die auf Akustikgitarre und lebhaften Bildern aufbaut. "All this place needs is a little noise", singt sie und stellt sich ein Haus voller Leben vor: Geburtstagsfeiern, Lagerfeuer, Familie. Es ist ein Lied über Wiederherstellung, sowohl physisch als auch emotional, und es unterstreicht Bonaguras Stärke als Geschichtenerzählerin.
"When You Move to LA" reduziert alles noch weiter und bietet einen der intimsten Momente des Albums. "Es ist eine Stadt der Engel, die durch die Hölle geht", bemerkt sie und fängt damit die Einsamkeit und den Widerspruch ein, Träume an einem Ort zu verfolgen, der sich zugleich magisch und isolierend anfühlen kann. Es ist ein wunderschön zurückhaltender Titel, der wie geschaffen für Songwriter-Runden und stille Besinnung wirkt. "Old Friends" setzt diesen sanften, nachdenklichen Ton fort und verbindet Einflüsse von Sheryl Crow, Joni Mitchell, Train und sogar den Beatles zu einer warmen, nostalgischen Meditation über Wiederannäherung und Vergebung. Es erinnert daran, dass die Beziehungen, die wir pflegen – in der Vergangenheit und Gegenwart –, uns genauso prägen wie die Wege, die wir gehen.
Schließlich beschließt der Titeltrack "America's Backroads" das Album auf passende Weise. Als sanfte, folkige Ballade wirkt er wie eine Zusammenfassung all dessen, was zuvor kam: Freiheit, Bewegung, Reflexion und Identität. Während Bonagura davon singt, sich eine Gitarre zu schnappen und nach Westen aufzubrechen, wird das Bild von offenen Straßen und endlosem Himmel zu einer Metapher für ihr Leben und ihre Karriere. Es ist ein ruhiges, nachdenkliches Ende, das die zentrale Botschaft des Albums unterstreicht: Die Reise ist alles.
Fazit: "America's Backroads" ist ein facettenreiches, zutiefst persönliches Album, das Country, Rock, Folk und Pop zu einem einzigartigen Alyssa-Bonagura-Sound verschmilzt.










