Colton Bowlin - Grandpa's Mill

CD Cover:Colton Bowlin - Grandpa's Mill
 

Colton Bowlin löst mit seinem von David Ferguson (Tyler Childers) produzierten Debüt-Album "Grandpa's Mill" die hohen Erwartungen ein: ein Werk, das nicht auf Effekte und Moden setzt, sondern auf Haltung, Herkunft und Herz. Country pur!

Colton Bowlin veröffentlicht mit "Grandpa's Mill" sein Debüt-Album

Schon mit dem Single-Vorboten "Don't Come Home" hat Colton Bowlin die Messlatte hoch gelegt: Ein Song, der weniger durch Überraschungen, als durch Intensität überzeugt. Dass er singen kann, dass er seine Gitarre nicht nur als Begleitinstrument, sondern als Erzählinstrument versteht, war da bereits offensichtlich. Doch ein ganzes Album muss mehr bieten als ein starker Appetizer. Und: Der Mann aus den Südstaaten liefert ab!

Produziert wurde "Grandpa's Mill" von David Ferguson, bekannt für seine Arbeit mit Tyler Childers und Sturgill Simpson. Eine Referenz, die verpflichtet und die man auch hört: Der Sound ist, wie bei Childers oder Simpson, organisch, warm und analog im besten Sinne. Keine geglättete Soundästhetik, sondern Luft zwischen den Noten und Instrumenten. Aufgenommen in den Chase Park Transduction Studios in Athens, Georgia, atmet "Grandpa's Mill" in jedem Track den Geist der handgemachten Musik.

Colton Bowlins Debüt-Album: die Vorschusslorbeeren waren berechtigt

Der Opener "Clinton County" setzt das erste Ausrufezeichen: Melancholisch, sehr traditionell, getragen von schnörkellosen Akustikgitarren-Akkorden und einer fein eingestreuten Pedal Steel. Bowlins leicht kratzige Stimme – wehmütig, mit jener leidensbereiten Grundierung, die große Country-Sänger auszeichnet – erinnert in ihrer Färbung tatsächlich an Tyler Childers, ohne zur Kopie zu werden. Im Refrain schiebt sich eine knurrende Orgel ins Klangbild, sie verleiht dem Ganzen soulige Wärme und hymnische Größe. Ein Song über Wurzeln, über das Davongehen und das Zurücksehnen – und ist damit programmatisch für das gesamte Album.

"Time For Sale" verweist noch mehr auf Colton Bowlins Kernkompetenz: auf die leisen, akustischen Momente. Fingerpicking auf der Gitarre, eine zurückhaltende Melodie, keine Effekte, kein Pathos. Musik für endlose Highways oder für die gedankliche Reise in die eigene Vergangenheit. Hier zeigt sich, dass Bowlin ein Mann für Zwischentöne ist. Merke: Er muss nicht laut werden, um gehört zu werden.

Mit "Don't Come Home" wird es jetzt trotzdem rockiger. Wuchtige Drums und eine rabiate E-Gitarre belegen den kompromisslosen Country-Rock-Ansatz. Die Harmonieverbindungen sind jedoch nicht sonderlich originell, sondern recht erwartbar und so folgt der Song bekannten Mustern. Bowlins eindringlicher Gesang rettet den Track allerdings vor der Beliebigkeit und verleiht ihm Tiefgang und Glaubwürdigkeit. Er phrasiert – auch hier – mit einer inneren Haltung, die jede Textzeile als intimen Tagebuch-Eintrag erscheinen lässt.

Ähnlich verhält es sich mit "Dirty River", einem schwerblütigen, soulgetränkten Blues. Straight, ein wenig trübsinnig, mit klarer Struktur. Kein Glanzlicht des Albums, aber ein solides Statement, dass Bowlin auch im raueren Terrain bestehen kann. Doch es wird deutlich, dass eine wahre Stärke nicht im lauten Aufbegehren, sondern im stillen Erzählen liegt.

"Grandpa's Mill": hat alles, was authentischer Country braucht

Genau dort brilliert er. "Missed The Dance" – wieder akustisch angelegt – öffnet beispielsweise ein Fenster zu jener sensiblen Seite, die "Grandpa's Mill" trägt. Ein Track, eingefärbt in einer dunkelgrauen Stimmung, in dem es über verlorene Momente und verpasste Chancen geht – und damit auch über das Leben an sich. Hier wie dort singt er nicht über die großen Breitleinwand-Dramen, sondern über die kleinen Risse und Verletzungen im Alltag.

"Grandpa's Mill" ist eine persönliche Hommage an seine Kindheit in der ländlichen Grenzregion zwischen Kentucky und Tennessee. Benannt nach der Futtermittelanlage seines Großvaters, in der Bowlin erste musikalische Schritte machte, ist "Grandpa's Mill" mehr als eine Song-Sammlung: Es ist ein Soundtrack zu einem Ort, der ihn geprägt und geformt hat – und in dem er von Liebe, Familie, Glaube, das Altern, das Weggehen und Wiederkommen berichtet. Also von Themen, die so alt sind, wie die Country Music selbst.

Dass Bowlin alle zwölf Titel allein geschrieben hat, unterstreicht seinen Anspruch als klassischer Sänger-Songschreiber. Er ist da konsequent, lässt Kompromisse und keine fremden Federn zu. Ob ihn das in die höchsten Etagen des Country-Pantheon tragen wird, sei dahingestellt. Fest steht: Colton Bowlin besitzt jene seltene Mischung aus handwerklichem Können, emotionaler Wahrhaftigkeit und stilistischer Bodenhaftung, die eine große Karriere allemal ermögichen.

Fazit: Mit seinem Debüt-Album "Grandpa's Mill" gelingt Colton Bowlin ein Einstand nach Maß: solider, authentischer Country und Country-Rock – bei dem die leisen Töne die besten sind.

vgw
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