Cooper Alan - Winston-Salem

CD Cover: Cooper Alan - Winston-Salem
 

Mit seinem Debüt-Album "Winston-Salem" steht der aus North Carolina stammende Cooper Alan mit beiden Beinen fest in der roten Erde seiner Heimat und dem elektrisierenden Chaos seiner Live-Shows. Es ist ein kühnes Konzeptalbum, das sich in "Winston" – die herzlichen, urigen, persönlichen Songs – und "Salem" unterteilt, das die ausgelassene, ausgelassene Energie einfängt, die ihn zu einer viralen Sensation und einer festen Größe auf Tournee gemacht hat.

Ist Cooper Alans neues Album "Winston-Salem" das Debüt des Jahres?

Auf dem gesamten Album "Winston-Salem" erzählt Cooper Alan Geschichten, die von Familie, Glauben und Kleinstadtleben geprägt sind, lässt aber dennoch viel Raum für whiskeygetränkten Humor und Honky-Tonk-Chaos. Es ist ein ambitioniertes, zweiseitiges Porträt, das ihn als eine der faszinierendsten neuen Stimmen der modernen Country Music etabliert.

"Winston-Salem" mit cleveren Wortspielen und filmreifen Erzählweise

Die "Winston"-Seite beginnt mit "Roots", einer melodischen Hymne im Stil von Brooks & Dunn meets Tim McGraw, die den stillen Helden gewidmet ist, die Kleinstädte – und die Nation – am Laufen halten: "Ersthelfer, Lehrer, Trucker – das Rückgrat des Landes." Es ist eine temperamentvolle Absichtserklärung, voller Twang und Stolz, die auf Alans Verehrung für gewöhnliche Menschen basiert, die Außergewöhnliches leisten. Von dort aus wechselt "Fourth of July" in emotional schwereres Terrain und beleuchtet PTBS aus der Sicht eines Veteranen: "Klingt wie eine Schlacht, draußen fallen Bomben, er schüttet sich noch einen ein, kämpft um sein Leben." Das Ergebnis ist einer der kraftvollsten Momente des Albums, eine Erinnerung an die stillen Kämpfe hinter patriotischen Feierlichkeiten.

Alans Fähigkeit, Persönliches und Universelles zu verbinden, kommt in "La-Z-Boy" und "5×7" besonders gut zur Geltung. Ersteres ist eine zarte, von Geigenklängen untermalte Ballade über die Weisheit seines Großvaters – eine Art stilles Vermächtnis, das nur die Zeit hinterlassen kann. Der zweite Titel, ein radiotauglicher Liebes-Song, nutzt das Bild eines gerahmten Fotos, um an die Meilensteine eines gemeinsamen Lebens mit seiner Frau zu erinnern: "I see five years of falling for you, seven months of saving up." Der Song ist eingängig, herzlich und nostalgisch – man denke an Lonestar in ihrer Blütezeit, mit gerade genug Modernität, um zeitgemäß zu wirken. Zusammen zeigen sie Alans Talent für Geschichtenerzählen, das sich gelebt und nicht geschrieben anfühlt.

Diese Aufrichtigkeit vertieft sich mit "Holy Ghost", "Starting to Show", "Better Dad" und "Good Mama" – vier Songs, die das emotionale Rückgrat von "Winston" bilden. "Holy Ghost" könnte sich problemlos neben Tim McGraws Höhepunkt einreihen, eine mitreißende Ballade, in der Alan seiner Frau dafür dankt, dass sie ihn aus der Dunkelheit geholt hat. "Starting to Show" beschreibt den nächsten Schritt auf ihrer Reise – die Schwangerschaft – mit entwaffnender Ehrlichkeit: "Ich bin total aufgeregt und kann es kaum erwarten, zehn kleine Zehen zu zählen." "Better Dad" folgt mit dem Versprechen, "es so lange zu versuchen, bis ich es richtig mache", und ist eine Hommage an die Präsenz seines eigenen Vaters und dessen Erziehung durch Liebe und Demut, während "Good Mama" die Fäden zusammenführt und sowohl seine Frau als auch seine Mutter mit lyrischer Fingerfertigkeit lobt: "Sie ist genau wie du, sie gibt mich nie auf." Das ist Country-Songwriting in seiner klassischsten Form – sentimental, ohne jemals kitschig zu werden.

"Hard Acre", einer der besten Titel des Albums, ist der emotionale Höhepunkt der "Winston"-Hälfte. Mit kaum mehr als einem Klavier und Alans voller, beeindruckender Stimme erzählt er die Geschichte eines Witwers, der gezwungen ist, sein Land zu verkaufen – ein "verdammt schwer zu verkaufendes Stück Land", was auch als "verdammt schwer zu verkaufendes Stück Herz" verstanden werden kann. Es ist eine Meisterleistung in Wortwitz und Zurückhaltung, eine herzzerreißende Ballade, die von Randy Travis oder dem frühen Garth Brooks geschrieben worden sein könnte. Von dort aus schließen "Take a Life" und "Devil in My Mind" das "Winston"-Kapitel mit dunkleren Tönen – ersteres ist eine packende, von Johnny Cash inspirierte Moralgeschichte über Mobbing und dessen lebenslange Folgen, letzteres ein gospelartiger Rocksong, in dem Alan gesteht: "Ich habe einen Engel in meinem Bett für den Teufel in meinem Kopf." Er dankt seiner Frau ein letztes Mal und wirft dabei ein Licht auf die psychische Gesundheit, mit der sich jeder identifizieren kann. Beide Songs beweisen seine Fähigkeit, gewichtige Themen zu behandeln, ohne an musikalischer Kraft zu verlieren.

Tracks wie "Plead the Fifth" und "Drunk Drink" bringen einen dazu, ein paar Pints Guinness zu kippen

Wenn der "Salem"-Teil beginnt, gehen die Lichter an und der Whiskey fließt. "Plead the Fifth" eröffnet diesen Abschnitt wie ein Kanonenschuss – ein Trinklied mit irischem Flair, das "Auld Lang Syne" in einen Bar-Hit verwandelt und von einer verdammt wilden Nacht erzählt. "Damn in Me" hält das Feuer am Brennen und kanalisiert sumpfigen Funk, während Alan knurrt: "Ich kann nicht der Mistkerl sein, den sie aus mir machen wollen." Es ist ein scharfer, trotziger Mittelfinger gegenüber den Anzugträgern der Branche – und ein Beweis dafür, wie er seine Karriere auf Authentizität aufgebaut hat. Dann kommt "Dale Dickens (RIP)", ein rasantes Bluegrass-Mordlied, das mit der Geschwindigkeit von Garth Brooks' "Ain't Going Down Till the Sun Comes Up" voranschreitet, und "BOS", ein von den 1950er Jahren inspirierter Rocksong, der seinen Titel frech als "Son of a Bitch, but not a bitch of a son" (Sohn eines Mistkerls, aber kein Mistkerl von einem Sohn) neu definiert. Beide Tracks zeigen Alans Humor und seine hochkarätige Showmanship in voller Fahrt, und Dale Dickens wird auch in "BOS" erwähnt – Alan zeigt uns, dass er ein so talentierter Songschreiber ist, dass er seine Songs mit denselben Charakteren und Easter Eggs miteinander verbinden kann!

Das Chaos geht weiter mit "Crazy Shady Uncle", einem Southern-Rock-Protestlied, das Uncle Sam zu einer zwielichtigen Figur macht, die hart arbeitenden Menschen Geld aus der Tasche zieht oder, wie Alan sagt, "Rednecks, die Schecks an die Regierung ausstellen". Der Song ist ausgelassen, ironisch und überraschend aufschlussreich – etwas, worüber sich ein Künstler wie Charlie Daniels in seinem Backkatalog sehr gefreut hätte. "Alive" treibt die rebellische Ader noch weiter voran und verbindet Western-Pfeifen und cineastische Gitarren mit einer lyrischen Tirade gegen Gier, falsche Country-Stars und "Gauner in Washington, denen du und ich völlig egal sind". Es ist ein Protestsong, der sich gleichzeitig zeitlos und modern anfühlt – man stelle sich Shinedown vor, die auf den Geist von Johnny Cash treffen. "Greener Grass", "Take Bobby Home" und "Drunk Drink" schließen das Album mit einem Augenzwinkern und einem Grinsen ab: eine luftige Hymne an das Gras, ein rockabilly-lastiger Song über das Einfangen eines betrunkenen Kumpels und schließlich ein irisch angehauchter Pub-Singalong, der dafür sorgt, dass der "Salem"-Teil des Albums so endet, wie er begonnen hat – mit einem Toast, einem Jubelruf und einem irischen Trinklied.

Fazit: "Winston-Salem" ist mehr als nur ein Debüt – es ist eine Erklärung. Auf seiner umfangreichen Trackliste schafft Cooper Alan es, die Aufrichtigkeit des Heartlands mit mitreißender Tapferkeit zu verbinden und bietet einen zweiseitigen Einblick in seine Persönlichkeit auf und hinter der Bühne.

vgw
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