Albert Hammond - Body of Work

CD Cover: Albert Hammond - Body of Work
 

Wer meint, die Bezeichnung "Genie" sei in seinem Fall zu hoch gegriffen, hat vermutlich nicht seinen imposanten Back-Katalog, sondern nur seine eigenen Hits parat. Doch auch die haben: Musikgeschichte geschrieben. Nur zur Erinnerung, da wären beispielsweise: "It Never Rains in Southern California", "Free Electric Band", "I'm a Train" oder "Down by the River", sein erster, 1972 erschienener Charts-Erfolg und mittlerweile längst Evergreen - genau wie die anderen erwähnten Tracks. Noch erfolgreicher war der in London geborene Songschmied aber glatt mit Songs für andere Künstler. Der Beat-Klassiker "The Air That I Breathe" für die Hollies entstammt genauso seiner Feder wie "When I Need You" (Leo Sayer), "Nothing's Gonna Stop Us Now" (Starship), "To All the Girls I've Loved Before" (Willie Nelson & Julio Iglesias) und Whitney Houstons Hymne für die Ewigkeit: "One Moment In Time". Noch Fragen?

Das Songwriter-Genie Albert Hammond meldet sich mit "Body Work" zurück

In den letzten Jahren hat er es etwas gemütlicher angehen lassen. Klar, der Mann wird Mitte Mai 80 Jahre alt. Und mit seinen vielen Tantiemen-Millionen lässt es sich bestimmt gut leben. Musikmachen kann für den Briten also nur noch Leidenschaft und Vergnügen sein. Eine Position, die einem alle Freiheiten ermöglicht, wo man wirklich machen kann, was man möchte. Beispielsweise das Album "Body Work" aufnehmen und sich auf dem Cover mit offener Jeans-Jacke und bauchfreiem Body präsentieren. Respekt, gut gehalten. Gut gealtert. Auch musikalisch?

Albert Hammond: die Songwriter-Legende zeigt sich nachdenklich

Nun ja. Der Opener und dazu erste Single-Auskopplung "Don't Bother Me" lässt jedenfalls Zweifel aufkommen. Denn der erstaunlich stumpf-rockende Track klingt mit pappigen Drums und sägender Gitarre nicht nur staubig antiquiert, sondern auch stumpf und charmefrei. "Lass mich in Ruhe, Babe" mosert er in dem eher nach einem Demo klingenden Song.

Gut, wir haben verstanden, wir stören den Track nicht weiter und switchen auf "Shake a Bone", der schon deutlich eher an Albert Hammond erinnert. Hier sind interessante, ohrwurmtaugliche Harmonien, ein gefälliger Rhythmus und eine bluesige Akustikgitarre auszumachen - leider aber auch billig klingende, einen Bläsersatz simulierende Synthesizer. Das galt schon in den 80er Jahren als akustische Luftverschmutzung.

Viel Kopfarbeit bei "Body Work"

Doch es wird besser. Ein erstes Highlight setzt "Gonna Save the World". Hier singt er altersweise über blauäugige Idealisten, die - mittels "waving pretty signs - denken, sie könnten die Welt nicht nur verbessern, sondern glatt retten. Diese bittere Song-Pille für "Letzte Generation"-Follower hat er in sphärische, hippieske Klänge verpackt und mit einigen Nashville-Top-Playern eingespielt (unter anderem Drummer Jerry Roe und Gitarrist Ilya Toshinsky).

Gut geht es weiter: "Both Ways" verströmt gefälligen Folk-Flair und dazu eine Refrain-Melodie, die schon sehr an "Me And Bobby McGee" erinnert; "Somebody's Child" ist ein luftig-leichter Song, den man ab der zweiten Strophe mühelos mitsingen kann; "Knocking on Your Door" klingt wie ein Leo Sayer-Song in den 70ern und mit "Let It Go" und "Anything You Want Me To Do" serviert er prima Folk-Kost.

Für die Glanzlichter der Song-Sammlung sorgen das mit hitverdächtiger Melodie und einem zwingenden Bo-Diddley-Groove ausgestattete "Like They Do Across the River" und der muntere Rock 'n' Roller "Gonna Be Alright", in dem der rüstige Veteran das Lebern feiert und glatt "fuck all night, fuck all day" schmettert. Diesem Frohsinn setzt Hammond so manch deprimierende Note entgegen: Der Abgesang auf Amerika bei "The American Flag" beispielsweise oder der Rückblick auf seine Zeit in Kalifornien bei "Goodbye LA". Selbst in dem eher fröhlichen "Let It Go" wird es textlich düster: "if your world is breaking up, then your're just like me".

Fazit: Melancholische Rückschau, düsterer Ausblick: Auf "Body Work" zeigt sich Songwriter-Veteran Albert Hammond von seiner nachdenklichen Seite - und lässt gelegentlich seine Klasse aufblitzen.

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