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Nach 30 Jahren verabschiedet sich die "Country Time" mit Doc Schulze bei Radio Euroherz.

Country-Fans haben es 2017, zumindest in der Medialandschaft, nicht leicht gehabt. Nach den Einstellungen der Country-Sendungen auf WDR4 und SWR4 sowie die Trennung von Sky und GoldStar TV müssen sich nun auch die Country-Freunde in Hof von ihrer wöchentlichen Country-Radio-Sendung verabschieden. Im Vergleich zu den anderen Sendungen verschwand die "Country Time" eher sang und klanglos aus dem Äther.

Etwas mehr als 30 Jahre ist es her, als die Bayerische Landeszentrale für neue Medien in München entschied, dass in dem Freistaat auch private Radiosender ihr Programm verbreiten dürfen. Am 3. Oktober 1987 konnte man in Oberfranken erstmalig Radio Euroherz empfangen. Im November und Dezember 1987 unternahm man die ersten Gehversuche in Sachen Country Music. Damals schon mit an Bord: Doc Schulze, der dann im Januar 1988 seine eigene Sendung. Die "Country Time mit Doc Schulze" erhielt und seitdem wöchentlich die Hörer mit Country Music versorgte.

Bereits kurz nach Start erfreute sich die "Country Time mit Doc Schulze" großer Beliebtheit. Grund hierfür dürfte der Mix an Country Music, der neben aktueller Chartware auch Klassiker und Raritäten enthielt, gewesen sein. Immer wieder lud sich Doc Schulze auch Live-Gäste in sein Studio ein. Jeder nationaler Country-Künstler, der ein wenig auf sich hält, war dort schon live zu Gast. Aber auch viele US-Amerikaner klopften bei Radio Euroherz an die Tür und bekamen Einlass. Einige von Ihnen, zum Beispiel jene, die in Deutschland auf Tournee waren und nicht am eigentlichen Sendetag ins Studio kommen konnten, bekamen sogar ein "Country Time Spezial" auf einem eigenen Sendeplatz. Auch schafften es immer wieder Country-Lieder in das reguläre Tagesprogramm vom Radio Euroherz.

Das unrühmliche Ende der Country Time auf Radio Euroherz

Von Betriebsbeginn an musste sich Radio Euroherz die Frequenz mit Extra Radio teilen und obwohl die Bayerische Landeszentrale für neue Medien immer wieder versuchte, Radio Euroherz die Frequenz alleine zuzuweisen, konnte sich Extra Radio jahrelang mit Klagen vor Gericht durchsetzen.

Das Bundesverwaltungsgericht urteilte am 31. Mai 2017 endlich, dass die neuerliche Verteilung der UKW-Frequenzen rechtmäßig ist. Dadurch sendet Radio Euroherz seit dem 1. Dezember 2017 nicht unterbrochen von Extra Radio, die jetzt eine eigene Frequenz erhalten haben. Der aktuelle Senderclaim lautet: "Die meisten 80er und die Hits von heute" und in diesen Claim scheint die Country Time nicht mehr zu passen.

Eigentlich hätte die "Country Time mit Doc Schulze" am 25. November 2017 live über den Äther gehen sollen, aber die Sendung fiel aus. Ohne große Ankündigung oder zumindest einem anständigen "Auf Wiedersehen" wurde die Sendung unangekündigt aus dem Programm geworfen. Bereits am 11. und 18. November 2017 fiel die Sendung urlaubsbedingt aus. Es muss ein Schock für Doc Schulze gewesen sein, als er wiederkam und man ihm mitteilte, dass seine Sendung am 25. November 2017 nicht stattfindet. Nicht einmal bis zum Jahresende hatte man dem Radio-Veteran gegeben, um sich von seinen Fans zu verabschieden. Nicht einmal eine Abschlusssendung auf dem angestammten Sendeplatz hielt man bei Radio Euroherz für angemessen. Ohne großes Aufhebens schickte man Doc Schulze am Montag, einen Sendeplatz, den er sonst nicht belegte, letztmalig auf Sendung.

Über das abrupte Ende kann nur spekuliert werden. Wollte man die Hörer über die Absetzung nicht informieren und die zweiwöchige Urlaubszeit dazu nutzen, die Sendung möglichst ohne viel Aufhebens aus dem Programm zu nehmen? Auf die Anfrage von CountryMusicNews.de wich der Studioleiter Thomas Ploß zu diesem Punkt mehrfach aus. Auf die Frage, warum man die Sendung nach 30 Jahren überhaupt aus dem Programm nehme, sagt Thomas Ploß, dass er möchte, dass die Hörer zukünftig das Programm "durchhören" können. Soll heißen, dass man dieselbe Musik am Vormittag, am Nachmittag, in den Abendstunden und in der Nacht hören kann.

Auch wenn man inzwischen bundesweit der Auffassung ist, dass man eventuell die Hörer in den Abendstunden durch musikalische Spezialprogramme verliert, hätte man der Country Time und Doc Schulze nach 30 Jahren doch etwas mehr Respekt zollen können und ihm und den Hörern die Möglichkeit geben sollen, sich voneinander zu verabschieden. Ob die Vorgehensweise von Radio Euroherz wirklich Hörerorientiert ist, wird sich zeigen. Über die Protestwelle gegen Siemens-Job-Abbau und die Art und Weise, wie der Großkonzern mit seinen Angestellten umgeht, hat Radio Euroherz berichtet. Aber bei Siemens handelt sich ja um einen Weltkonzern und bei Radio Euroherz nur um ein kleines privatrechtliches Radio.


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