Redneck Rave Festival endet mit fast 50 Strafanzeigen

Redneck Rave

Redneck Rave: "Amerikas wildeste und verrückteste Country Party"

Im US-Bundesstaat Kentucky fand in der vergangenen Woche unter dem Namen "Redneck Rave" die, laut den Veranstaltern, "wildeste und verrückteste Country Party in Amerika" statt. Das Ergebnis davon sind zahlreiche Verhaftungen, Verletzungen bis hin zu aufgeschnittenen Kehlen.

Die Berichte über den "Redneck Rave" lesen sich wie die Beschreibungen eines schlechten amerikanischen Katastrophenfilms. Über fünf Tage fanden sich tausende Fans im Blue Holler OffRoad Park im Mammoth-Cave-Nationalpark, Kentucky, ein und konnten sich auf "Amerikas wildeste und verrückteste Country Party" freuen. Wobei Freude auf diesen Event wohl eine vollkommen fehlgeleitete Einschätzung wäre. Die Tage brachten dem örtlichen Edmonson County und dem zuständigen Sheriff Shane Doyle insgesamt 48 Anzeigen und zweifelsohne einige schlaflose Nächte.

Der "Redneck Rave"

Im Grunde sollte der "Redneck Rave" ein großer Event werden, mit Live-Musik, einem Demolition-Derby und Festival-Camping. Die Veranstalter kündigten das Ganze mit der Beschreibung "Schlamm, Musik und Chaos" (mud, music and mayhem) an. Und für Country-Rapper Justin Time, Organisator des ganzen Schauspiels, verliefen die Tage auch genauso. In seinen Worten gesprochen, war es "die coolste Sache, die er in seinem ganzen Leben gesehen hatte." ("the event was the coolest thing I've ever seen in my life.") Das Urteil der Behören wird diesbezüglich wohl deutlich anders ausfallen.

Schon in der Planung des Events war Sheriff Doyle klar, dass er schlichtweg nicht das Personal zur Verfügung hatte, um auf dem Gelände des Blue Holler OffRoad Parks präsent zu sein, schon gar nicht über 24 Stunden. Daher entschied sich der Sheriff zumindest das umliegende Gelände und Zufahrtsstraßen unter Kontrolle zu halten und nur bei medizinischen Notfällen das Areal zu betreten. Bereits mit etwas Fassungslosigkeit ist die Äußerung des Polizisten zu bewerten, der gestehen musste, dass "die Menschen dort tun würden, was sie eben tun." ("They were going to do what they were going to do") Somit beschränkte sich die Kontrolle von illegalen Handlungen auf den Bereich um die Event-Area und, wie erwähnt, die Zufahrtsstraßen.

Jedoch mussten die Polizisten vor Ort nicht lange auf eine erste Festnahme warten. "Bereits im ersten Auto, welches durch einen Kontrollpunkt wollte, fanden wir Meth, Marihuana und offenen Alkohol. Zudem hatte einer der Insassen zwei aktive Haftbefehle. Wir dachten: Nun, das verheißt nichts Gutes für das Wochenende." In Summe kamen Doyle und seine Kollegen während des Redneck Rave auf 48 Anklagen, wovon 14 Personen direkt verhaftet wurden. Bei den Tatbeständen erstreckte sich die erschreckende Bilanz von Körperverletzung und Strangulation bis hin zu Drogen- und Alkoholbesitz. Da einige Personen auch aus den umliegenden Staaten Michigan, Indiana, Missouri und Tennessee kamen, ergaben sich gerade in puncto Drogenmissbrauch zusätzliche Anklagen wegen Drogenhandels.

30 Anklagen wegen Drogen- oder Alkoholmissbrauch

Die Behörden meldeten nach dem Event 30 Anklagen in Verbindung mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch, bei denen es in sechs Fälle über ein Bußgeld hinausging und eine Strafanzeige gestellt wurde. Hauptsächlich handelte es sich bei den Tatbeständen laut Gerichtsakten um Marihuana und fertige Joints. Neben den Drogendelikten hatten die Behörden vor allem mit Körperverletzungen und Schlägereien zu tun. Dies ging in Einzelfällen jedoch so weit, dass ein Streit zwischen zwei Teilnehmern derart eskalierte, dass eine Person der anderen die Kehle aufschnitt. In speziell diesem Fall kam Doyle mit seinen Kollegen erst mit dem Eintreffen der Rettungskräfte auf das Gelände, der Täter war zu diesem Zeitpunkt bereits verschwunden.

Ein weiterer, immerhin gefasster Täter, soll eine Frau so lange gewürgt haben, dass diese das Bewusstsein verlor. Zwar stritt der 29-jährige Verdächtige die Tat ab, jedoch wurden seine Fingerabdrücke hinter dem Ohr des Opfers festgestellt. Neben klaren Straftaten ergaben sich zudem "Unfälle". Ein Gast fuhr mit seinem UTV (Side-by-Side-Fahrzeug) über einen Baumstamm, der sich durch den Boden seines Fahrzeugs bohrte und den Fahrer regelrecht aufspießte. Die Rettungskräfte mussten den Stamm im Opfer belassen, da es sicherer war, ihn mitsamt des Stamms ins Krankenhaus fliegen zu lassen. Zudem verlor ein Mann einen Teil seines Fingers, als er an seinem Fahrzeug arbeitete und sich der Wagenheber löste. Bei den vielen Einsätzen der Rettungskräfte stellte Doyle stets sicher, dass Polizeikräfte die Mediziner begleiteten.

Ein positives Fazit

Trotz all dieser erschreckenden Meldungen zieht Organisator Justin Time eine durchweg positive Bilanz, beziehungsweise freute sich über die negativen Schlagzeilen in vielen überregionalen Medien. In den Sozialen Medien teilte er fröhlich die Schreckens-Meldungen über sein Event und bedankte sich bei den Medienhäusern für die Publicity. Auch Sheriff Doyle sprach keineswegs davon, das Event in Zukunft verbieten zu wollen oder dem Blue Holler OffRoad Park mit Schließung zu drohen. Er sehe die Gönner hinter dem Projekt in der Pflicht, sich legal zu verhalten.

Justin Stowers, so der bürgerliche Name des Veranstalters Justin Time, ist sich unterdessen sicher, dass man in der Zukunft einige Dinge noch verbessern könnte. "Man nehme alle Vorschläge auf." ("We are listening to all your suggestions") Auf Anfrage reagierte Stowers bezüglich seines Events vorerst nicht, postete jedoch auf Facebook, dass er sich über die große Aufmerksamkeit der Medien freut. In seinem Post schrieb er: "Manche würden bei diesen Lügen und übertriebenen Schlagzeilen verrückt werden, aber ihr wisst wie man sagt, es gibt keine schlechte Publicity." ("Some would be mad about all these lies and over exaggerated headlines but you know what they say, no such thing as bad publicity") Für den Zeitraum vom 14. bis zum 17. Oktober 2021 sei ein weiterer "Redneck Rave" geplant.


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