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Es ist seit mehr als 40 Jahren so - ein bisschen Lärm am Samstagabend und Countrymusic, die laut von der Bühne ertönt. Countryfans füllen immer noch Tootsie's Orchid Lounge und erleben dabei den Zauber, der den Ort zu Amerikas beliebtester Kneipe macht. Sie hat sich seit 1960 nicht sehr verändert, als Hattie Louise "Tootsie" Bess eine Bar namens Mom's kaufte, sie nach sich benannte und in eine Oase für Songschreiber und Sänger verwandelte.

Tootsie's hat gute und schlechte Zeiten erlebt (genau wie die Songschreiber, die sie berühmt machten), aber sie bleibt eine der angesagtesten Bars von Nashvilles Innenstadt. Tootsie ist 1978 gestorben, aber der aktuelle Besitzer Steve Smith und sein Bruder John Taylor, der Manager der Kneipe ist, haben den Geist von Tootsie's erhalten und sie ins 21. Jahrhundert geführt.

"Sie ist ein Stück lebendige Geschichte", meint John Rumble, leitender Historiker der Country Music Hall of Fame and Museum. "Die Aura der Glanzzeit der 1960er kann in ihr immer noch wahrgenommen werden. Du kannst dort hingehen, abschalten, ein Bier trinken und die Stimmung genießen."

Diese Atmosphäre besteht durch Tootsie's Mitgefühl für und Großzügigkeit gegenüber den unermüdlich kämpfenden Songschreibern immer noch, welche in den frühen Tagen der Kneipe Stammkunden waren.

"Sie wurde zu einer Mutterfigur für die unterschiedlichen Leute, die dort rumhangen", erklärt Rumble. "Unter diesen Leuten waren Songschreiber wie Hank Cochran, Harlan Howard, Roger Miller und Willie Nelson. Die Kneipe befindet sich auch direkt neben dem Ryman Auditorium. Das Gebiet zwischen dem Ryman Auditorium und Tootsie's sowie Tootsie's selbst wurde zu einem ungezwungenen Treffpunkt für Künstler, die im Opry auftraten und ihrer Fans. Sie ist historisch gesehen eine der beliebtesten Countrybars der Welt."

Der Club und viele andere Treffpunkte aus Nashvilles Innenstadt gingen in den 1970ern und 1980ern durch eine schwere Phase. Smith kaufte den Club 1992. Er wollte den Zauber wieder aufleben lassen, durch den Tootsie's in ihrer Glanzzeit so besonders gewesen war.

"Sie war der Grundstein einiger Karrieren von älteren Stars", so Smith. "Sie ist ein geschichtliches Wahrzeichen und wichtig für das Erbe von Nashvilles Musikgemeinde."

Er und sein Bruder betonen, dass Tootsie Bess der Grund dafür ist, dass der Club so besonders ist. "Wir betreiben den Club nur", meint Taylor. "Diesen Ort hat Tootsie geschaffen. Wir machen oft Witze darüber, dass sie ihn noch immer besitzt und wir ihn nur für sie betreiben."

Tootsie's wäre Anfang der 1990er Jahre fast abgerissen wurden, damit auf der Fläche ein Park angelegt werden kann. Zu dieser Zeit war die Innenstadt von Nashville nur ein dunkler und gefährlicher Schatten des pulsierenden Fleckens, der sie heute ist.

"Es war furchtbar hier unten", erzählt Taylor. "Steve wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen, dass der Ort abgerissen wird. Er wohnte tatsächlich etwa drei Monate lang hier, um zu verhindern, dass er zerstört wird. Während dieser Zeit gelang es ihm, den Club als denkmalgeschütztes Gebäude eintragen zu lassen, so dass er nicht abgerissen werden kann."

Smith wusste, dass Tootsie's einen besonderen Platz in der Musikgeschichte von Nashville hat. Viele der Opry-Stars der 1960er schauten zwischen den Auftritten auf einen Drink vorbei. Die Bar wurde auch zu einem zweiten Zuhause für Songschreiber, die einen besonderen Platz in Tootsie Bess' Herzen hatten. Durch ihre Großzügigkeit entwickelte der Ort sich zu einem Lieblingsplatz, an dem Berühmtheiten und die Stars von morgen ein und aus gingen. Patsy Cline, Tom T. Hall, Waylon Jennings, Kris Kristofferson, Webb Pierce, Mel Tillis und Faron Young waren nur einige der Gäste, die Tootsie's zu einer äußerst beliebten Kneipe machten.

Das Wiederaufleben von Downtown Nashville und Tootsie's Wiederauferstehung waren in vielerlei Hinsicht miteinander verbunden. "Wir wollten dazu beitragen, dass die Innenstadt sich wieder entwickelt und wir wussten, dass dieser Ort für die Stadt einen großen historischen Wert hat", so Taylor. "Wir wurden 2000 zu einem Sponsor von Opry. Als wir im Opry Werbung machten, sagten wir den Leuten, dass sie in die beliebteste Kneipe der Welt zurückkommen sollten. Zu uns sind Alt und Jung gekommen. Sie erzählten uns, dass ihr Vater oder Urgroßvater ihnen gesagt hat, dass sie mal vorbeischauen sollten. Es war wirklich klasse."

Tootsie's wurde zu einem angesagten Treffpunkt für Touristen, die großartige Countrymusic sehen und hören wollen. Im Laufe der Zeit wurde der Club zu einem wichtigen Ort, an dem Countrystars von morgen üben. Terri Clark unterzeichnete bei Mercury Records, während sie regelmäßig im Club auftrat. The Lynns (Lorretta Lynns Töchter) haben ebenfalls einen Plattendeal bekommen, während sie dort unten auftraten. Dies ist ein Trend, der sich fortsetzt. Drei Finalisten aus der aktuellen Staffel von "Nashville Star" treten im Tootsie's auf.

Taylor ist der Meinung, dass eine der größten Entwicklungen für Tootsie's in den letzten Jahren die Gründung eines Plattenlabels ist. Tootsie's Records ist für den Club ganz natürlich nebenbei entstanden aufgrund der Fähigkeit der Verantwortlichen, großartige Sänger und Songschreiber zu entdecken, während diese sich noch entwickeln. "Wir gründeten 2003 ein Plattenlabel", erinnert sich Taylor. "Wir haben es hauptsächlich deswegen getan, weil wir, als wir [den Countrymusiker] John Stone trafen, wussten, dass wir etwas hatten. Wir haben lange darüber nachgedacht. John performt mit viel Energie und bietet das komplette Paket - toller Sänger, Songschreiber und Entertainer. Er verkörpert das, wofür Tootsie's steht."

Stone veröffentlichte sein Debütalbum Meet John Stone, auf dem auch die selbst geschriebene Single "Same on Me" zu finden ist, im Oktober 2004 auf Tootsie's Records. Er ist zurzeit im Studio und arbeitet an seiner nächsten Veröffentlichung.

Smith, der kürzlich erst einen anderen berühmten Club in Nashville The Nashville Palace erwarb, offenbarte, dass er weitere Möglichkeiten verfolgt, um die Marke Tootsie's zu erweitern.

"Ich kann dazu nicht viel sagen, weil alles noch in der Planungsphase ist", verrät Smith. "Aber wir verhandeln zurzeit darüber, einen Tootsie's Club im Flughafen zu eröffnen. Es wäre eine gute Möglichkeit für Menschen, die nur nach Nashville kommen, um ein bisschen davon zu erleben, was diesen Ort zur Music City macht."

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