Roy Rogers – Der singende König der Cowboys

Roy Rogers

Es gibt Schauspieler, die sind berühmt. Dann gibt es solche, die werden Legenden. Roy Rogers ist eine Legende. Über mehr als zwei Jahrzehnte war er der populärste Cowboy Hollywoods. Er spielte Hauptrollen in mehr als 100 Filmen, verkaufte Millionen Schallplatten, begeisterte das Publikum im Radio und wurde mit "The Roy Rogers Show" (1951–1957) auch noch zu einer Institution des amerikanischen Fernsehens.

Wie aus Leonard Slye eine amerikanische Ikone Roy Rogers wurde und in Deutschland unbekannt blieb

Der singende Cowboy gehörte zur Grundausstattung des amerikanischen Westerns der 1930er und 1940er Jahre. Diese Cowboys, in ihren stets knitterfreien Hemden, ritten nicht nur durch die Prärie, sondern griffen regelmäßig auch zur Gitarre und sangen nicht nur, nein, ein echter Cowboy wusste auch als Jodler zu überzeugen! Dieses auf uns heute durchaus bizarr erscheinende Kapitel der Filmgeschichte war seinerzeit ein Massenphänomen – und unglaublich erfolgreich. Dieses Kapitel der Filmgeschichte lässt sich denn auch nicht in zwei Sätzen zusammenfassen, weshalb wir bereits einen Artikel unter dem Titel "Als der Cowboy jodeln lernte" veröffentlicht haben.

Auf jeden Fall hieß der erste Superstar unter den musikalischen Helden Gene Autry. Er machte den singenden Cowboy zum Kassenmagneten und sorgte dafür, dass kein Studio am stimmgewaltigen Kuhhirten amerikanischer Prägung vorbeikam. Dann erschien Roy Rogers auf der Filmbühne und stellte sogar den Mann in den Schatten, dessen Platz er eigentlich nur temporär ersatzweise übernehmen sollte.

Roy Rogers: Vom Farmjungen zum Musiker

Roy Rogers wurde am 5. November 1911 als Leonard Franklin Slye in Cincinnati, Ohio, geboren. Als er noch ein Kind war, zog die Familie auf eine kleine Farm nahe Duck Run unweit von Portsmouth im Süden des Bundesstaates. Leonard Slye kannte das echte Leben im Mittleren Westen aus eigener Erfahrung. Viehzucht, Felder bestellen, Ernten einfahren: Dies ist die Welt, in der er aufgewachsen ist. Er selbst beschrieb seine Familie, zu der noch drei jüngere Geschwister gehörten, als liebevoll. Einfache Menschen, die hart arbeiteten und durch ihre Arbeit zu einem kleinen, bescheidenden Wohlstand gekommen waren. Wohlstand im Sinne von: Sie waren ihre eigenen Herren und konnten von ihrer Arbeit leben. Dieses bodenständige Elternhaus prägte ihn nachhaltig. Der freundliche, hilfsbereite Cowboy, den später Millionen Kinobesucher auf der Leinwand sahen, war nie bloß eine Rolle. Das Publikum glaubte Roy Rogers einfach, genau so zu sein, wie sie ihn sagen. Er wirkte nicht wie ein Schauspieler im Cowboykostüm. Da ritt vielmehr ein ehrlicher Kerl über die Leinwand, dem man abnahm, dass er nach Drehschluss noch dem Nachbarn beim Zaunbauen geholfen hätte.

Wie viele Familien jener Zeit blieb auch die Familie Slye von den wirtschaftlich schwierigen Jahren nach dem Börsencrash 1929 nicht verschont. Er selbst musste für den Zuverdienst Trucks fahren oder in einer Schuhfabrik arbeiten. Die Depression hatte die USA fest im Griff. Die ganzen Vereinigten Staaten? Leonard Slye sang gegen die Depression an. Er gründete verschiedene Gesangsgruppen, mit denen er bei kleineren Veranstaltungen auftrat und etwas Geld verdiente. Tatsächlich sprach sich schnell herum, dass da ein Sänger mit einer angenehmen Stimme sehr unterschiedliche Zuhörerinnen und Zuhörer anzusprechen vermochte. Seine Stimme klang männlich-sonor genug, um die Herren anzusprechen, aber auch weich genug, um die Damen zu verzücken. So erhielt er 1934 mehr als nur eine Chance!

Die Stimme des romantischen Westens

Die Sons of the Pioneers waren Stars. Aus heutiger Sicht gehören sie zu den bedeutendsten Formationen der amerikanischen Westernmusik überhaupt. Während viele Cowboylieder jener Zeit eher schlicht gehalten waren, setzten die Sons of the Pioneers auf mehrstimmigen Harmoniegesang, A-Begleitmusiker und Texte, die den Wilden Westen nicht als Ort permanenter Schießereien beschrieben, sondern als Landschaft unendlicher Weite, Lagerfeuerromantik und Freiheit.

Hinter den Sonf of Pioneers stand Bandgründer Bob Nolan, der nicht nur Sänger, sondern einer der bedeutendsten Songschreiber der Country- und Westernmusik war. Aus seiner Feder stammen mit "Tumbling Tumbleweeds" (1934) und "Cool Water" (1936) zwei Lieder, die bis heute praktisch jeder Countryfan kennt. Kaum eine Dokumentation über den amerikanischen Westen kommt ohne mindestens eines dieser Stücke aus. Besonders "Cool Water" entwickelte sich zu einem Klassiker, den später Künstler wie Bing Crosby, Marty Robbins oder Michael Martin Murphey neu interpretierten.

Cool Water (Single Version)

Das heißt, als Leonard Slye das Angebot unterbreitet bekam, in Nolans Band einzusteigen, stieg Leonard Slye nicht in irgendeine Band ein. Für den Musiker Leonard Slye war dies de facto bereits ein Sechser im Lotto, denn musikalisch spielten sie in der ersten Liga und entsprechend verdienten sie → gutes Geld. Gemeinsam mit Bob Nolan und den anderen Pioneers stand er plötzlich auf den großen (seinerzeit wichtigen) Radiobühnen und vor einem Publikum, das weit über die Grenzen der Country Music hinausreichte – eine Ausgangslage, für die die meisten jungen Musiker der Zeit einen Mord begangen hätten.

Ach ja, und dann waren da die singenden Cowboys auf der Leinwand. Für die Sons of Pioneers ergab sich da eine zusätzliche Einnahmequelle. Die Sänger waren beliebt und irgendwo fand sich in einem B-Western immer ein Lagerfeuer, um das man ein paar Musiker platzieren konnte, die den Hauptdarsteller stimmlich flankierten (und mit deren Namen ein Studio vielleicht auch noch auf dem Kinoplakat werben konnte, wie den Sons of Pioneers). So kam Leonard Slye 1935 als Mitglied der Gruppe zu seinem ersten Leinwandauftritt in Columbia Pictures "Gallant Defender" (1935) als Teil seiner Band.

Ein Streit als Chance

Wenn es um Western ging, kam in den 1930er Jahren niemand an Republic Pictures und Studiochef Herbert J. Yates vorbei. Dessen größter Trumpf hieß Gene Autry. Autry war der Superstar der singenden Cowboys. Filme wie "Das singende Cowgirl" ("Tumbling Tumbleweeds", 1935) machten ihn zum Liebling des amerikanischen Publikums. Seine Schallplatten verkauften sich hervorragend und seine Filme spielten zuverlässig Geld ein.

1937 geriet Autry mit Republic Pictures in einen heftigen Vertragsstreit. Das Studio wollte ihn enger an sich binden, Autry wehrte sich. Herbert Yates reagierte, wie Studiobosse damals eben reagierten: Er setzte seinen größten Star kurzerhand kalt. Das Problem solcher Machtspielchen: Die Produktionsmaschine muss weiterlaufen. Republic suchte einen singenden Cowboy mit Charisma und an genau dieser Stelle brachte sich Leonard Slye ins Spiel.

Wie dies genau passierte, schließlich war er "nur" ein Sänger aus Nolans Band (und dieser war der Chef, Slye "nur" ein Angestellter), ist nicht ganz überliefert, aber Yates gefiel Slyes Auftreten. Während Gene Autry den Kumpel von nebenan verkörperte, wirkte Leonard Slye eleganter, sportlicher, größer. Er saß geschmeidig im Sattel, fast so, als wäre er in ihm geboren. Er war verdammt gutaussehend, ohne dabei geschniegelt zu wirken. Heute würde man sagen, er war der amerikanische Schwiegersohn. Jede Schwiegermutter seufzte heimlich, wenn sie in mit ihrem "Alten" verglich, aber auch die Schwiegerväter nannten einen wie ihn Sohn. Er war einfach ein Sympatikus. Nur sein Name war denkbar ungeeignet für ein Kinoplakat, darum wurde aus Leonard Slye Roy Rogers.

Dieser Roy Rogers startete vom ersten Tag an durch!

Vom Ersatzmann zum Megastar

Republic Pictures hatte mit Roy Rogers eigentlich nur einen Ersatz für Gene Autry gesucht. Doch bereits nach wenigen Filmen (solche Filme wurden oft in zwei Wochen abgedreht) wurde klar: Roy Rogers war nicht einfach nur der Mann, der eine Lücke füllte. Er entwickelte sich zu einem eigenen Star.

Sein erster großer Erfolg als Hauptdarsteller war "Under Western Stars" (1938). Der Film erzählte die Geschichte eines singenden Cowboys, der sich für die Rechte einfacher Farmer einsetzt, eine Rolle, die perfekt zu Rogers’ Image passte. Er war kein harter Revolverheld, der Probleme mit der Waffe löste. Er war der freundliche Held, der mit Überzeugungskraft, Mut und gelegentlich einem Lied auf den Lippen für Gerechtigkeit sorgte.

Innerhalb kürzester Zeit wurde Roy Rogers zum wichtigsten Westernstar des Studios. Filme wie "Southward Ho!" (1939), "The Arizona Kid" (1939) und "The Carson City Kid" (1940) festigten seinen Ruf. Er verband dabei zwei Dinge, die das Publikum liebte: die Abenteuer des klassischen Westerns und die Musik des Country. Mit Filmen wie "Sunset in the West" (1950), "Bells of San Angelo" (1947) oder "Under California Stars" (1948) blieb Rogers auch nach dem Zweiten Weltkrieg ein Publikumsliebling. Seine Filme waren keine düsteren Abgesänge auf eine vergangene Zeit, sondern farbenfrohe Fantasien über einen Westen, den es in dieser Form nie gegeben hat, der aber genau deshalb so erfolgreich war.

UNDER WESTERN STARS - Roy Rogers, Smiley Burnette, Carol Hughes - Full Western Movie [English] - HD

Trigger war auch berühmt!

Zu Roy Rogers Markenzeichen gehörte nicht nur ein obligatorischer, weißer Cowboyhut, die Gitarre oder seine freundliche Art. Da war auch noch Trigger, sein Pferd! Das goldfarbene Palomino wurde zu einer der berühmtesten Tierfiguren der amerikanischen Unterhaltungsgeschichte. Während andere Westernhelden einfach ein Pferd ritten, war Trigger ein Partner. Er reagierte auf Kommandos, konnte scheinbar auf Wunsch Tricks ausführen und wurde in den Filmen fast wie ein eigener Charakter behandelt. Das Publikum liebte ihn. Trigger erhielt Fanpost, besaß einen eigenen Pferdeanhänger und wurde bei öffentlichen Auftritten genauso bewundert wie sein Besitzer.

In einer Zeit, in der Merchandising gerade erst begann, erkannte man schnell den Wert dieser Figur. Von Trigger gab es Spielzeug, Bilder und unzähligen Produkte warben mit seinem Konterfei.

Trigger ist darüber hinaus der Beweis, dass Roy Rogers ein gutes Näschen fürs Geschäft hatte, denn eigentlich hieß Trigger Golden Cloud und war ein so genanntes Leihpferd, sprich: Es war für die Arbeit am Set ausgebildet. So ritt Olivia de Havilland Golden Cloud in ihrer Rolle als Maid Marian im legendären "Robin Hood" von 1938. Roy Rogers erkannte die ungeheure Gelehrigkeit des Tieres und kaufte es für seinerseits stolze 2.500 Dollar. Der Rest ist, wie bekannt, Geschichte.

Roy Rogers Sings Don't Fence Me In | Hollywood Canteen | Warner Archive

Dale Evans – mehr als nur die Frau an seiner Seite

Roy Rogers heiratete 1933 Lucile Ascolese, über die erstaunlich wenig bekannt ist. Sie war weder Schauspielerin noch Sängerin und die Ehe wurde geschieden bevor aus Leonard Slye endgültig Roy Rogers wurde. Eine Scheidung passte natürlich nicht ganz zum späteren hypersauberen Image des King of the Cowboys, doch aus heutiger Sicht waren die beiden schlicht sehr jung, als sie heirateten. Damals mag das mit der frühen Heirat normal gewesen sein, was nichts daran ändert, dass es keine Verbindung für die Ewigkeit sein sollte.

1936 heiratete er Grace Arline Wilkins. Auch sie hatte keinerlei Verbindung zur Showbranche. Was aber perfekt zur Marke Roy Rogers passte. Als er in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre zum Superstar aufstieg, war Grace ein Teil dieser Erzählung. Statt eine Hollywoodschönheit zu daten, war Rogers der Typ von nebenan. Glück verheiratet. Bodenständig.

1941 adoptierten die beiden ihre Tochter Cheryl Darlene. Die Geburt ihres gemeinsamen Sohnes Roy Rogers, Jr., den die meisten Fans später als Dusty Rogers kennenlernen sollte, mündete jedoch in einer Tragödie. Grace erkrankte infolge der Geburt an einer Embolie und verstarb wenige Tage später im Krankenhaus.

Dass er noch während des Trauerjahres Dale Evans heiratete, stieß denn auch kurzzeitig nicht wenigen Fans übel auf. Zunächst einmal war Dale Evans selbst eine bekannte Sängerin und Schauspielerin. Als Frances Octavia Smith 1912 in Texas geboren, hatte sie sich mit einigen Ellenbogen Richtung Hollywood durchgeschlagen. Zu diesen Ellenbogen gehörten zwei nicht unturbulente Ehen. Dale Evans war allerdings, ungewöhnlich für ihre Zeit, nicht nur Sängerin, sondern auch Songschreiberin. Fehlendes Selbstbewusstsein konnte man ihr nicht vorwerfen. Mit Roy Rogers hatte sie 1944 den Filmhit "Cowboy and the Senorita" gedreht.

Cowboy and the Senorita (1944) Roy Rogers & Dale Evans | Western | Full Length Movie

Ihre Chemie auf der Leinwand schwappte nicht einfach aufs Publikum über, das Studio erkannte in den beiden ein Traumpaar. Das passte einfach. Also drehten sie weitere Filme zusammen und im Studio war man durchaus entzückt, dass Rogers nach seinem tragischen Verlust ausgerechnet seine Filmpartner Dale Evans ehelichte. Mehr Publicity geht nicht.

Was dabei übersehen wird: Dale Evans war tatsächlich eine gute Freundin von Roy und Grace Rogers, einige Quellen sagen sogar, dass sie und Grace beste Freundinnen waren, weitaus enger als sie und Roy. Was für die enge Bindung spricht, zeigt sich daran, dass sie direkt Graces Kinder adoptierte und somit auch rechtlich als ihre Mutter agieren konnte.

Während sie und ihr nunmehr Gatte noch einige weitere Filme drehten, übernahm sie immer mehr Verantwortung im Hintergrund. Ein beträchtlicher Teil der Marke Roy Rogers – vor allem sein Sprung ins Fernsehen Anfang der 50er, gehen auf ihren Geschäftssinn zurück. Da man(n) dazu neigt, von der Frau an seiner Seite zu sprechen, wird nicht nur ihre Rolle als Geschäftsfrau übersehen, vielmehr wird ihr ganz eigener Beitrag zur Westernmusik fast verloren. 1950 schrieb sie den Song "Happy Trails". Der wurde nicht nur zum Erkennungszeichen des Paares. Die Worte "Happy trails to you, until we meet again" gehören bis heute zu den bekanntesten Zeilen der amerikanischen Country- und Westernmusik. Das Lied wurde von zahlreichen Künstlern interpretiert und ist praktisch jedem Countryfan ein Begriff.

Wenn Roy Rogers für den singenden Cowboy stand, dann war "Happy Trails" der Soundtrack dieses Mythos. Und der stammt von Dale Evans.

"Happy Trails" by Roy Rogers & Dale Evans 1952

Die Marke weitergedacht

Roy Rogers war ein Unterhaltungsunternehmen, Jahrzehnte bevor der Begriff "Franchise" überhaupt Teil der Alltagssprache wurde. Es gab Roy-Rogers-Comics, Roy-Rogers-Cowboyhüte, Lunchboxen, Schallplatten und unzählige andere Produkte. Kinder spielten mit Roy-Rogers-Figuren, hörten seine Lieder und sahen seine Filme. Erwachsene gingen ins Kino oder hörten seine Radiosendungen.

Gemeinsam mit Trigger, Dale Evans und auch noch seinem Hund Bullet schuf Rogers eine Wohlfühlmarke, die ihm einen sanften Übergang in seine zweite Karriere ermöglichte.

Der Fernsehstar

Schon Ende der 1940er deutete sich an, dass der B-Western (im Sinne von in zwei Wochen abgedrehten und im Akkord montierten Filmen) vorbei war. Selbst für B-Western stiegen die Produktionsanforderungen. Rogers erkannte außerdem, dass der Siegeszug des Fernsehens nicht aufzuhalten war. Mochten die Geräte noch wenig ausgereift sein, liebten die Amerikaner ihre Kästen doch. Roy Rogers wartete nicht darauf, dass die Veränderungen ihn einholten. Wenn der Western nun in den Wohnzimmern stattfinden sollte, war das eben so!

Von 1951 bis 1957 lief "The Roy Rogers Show" im amerikanischen Fernsehen. Gemeinsam mit Dale Evans, Trigger und Hund Bullet wurde er nun wöchentlich in die Wohnzimmer von Millionen Zuschauern übertragen. Die Serie konservierte all das, wofür Roy Rogers stand: Abenteuer, Musik, Freundschaft und einen klaren moralischen Kompass. Der Westen war hier nicht brutal oder zynisch, sondern ein Ort, an dem das Gute am Ende gewann.

Danach verabschiedete sich Roy Rogers aus dem ganz großen Rampenlicht. Er hatte als singender Cowboy seine Zeit und im Gegensatz zu vielen anderen Schauspielerinnen und Schauspielern, die verzweifelt ihrem Erfolg anhängen, zog er einen Strich. 20 Jahre war er ein Star gewesen und er verließ die große Bühne, als das Publikum dies noch aufrichtig bedauerte. Was nicht bedeutet, dass er sich zurückgezogen hätte. Er trat als Musiker live und in diversen TV-Unterhaltungsshows auf und verkörperte dort ein Echo aus einer vergangenen Zeit. Daher widerstand er der Versuchung, etwa durch Gastrollen in TV-Serien diesen Nostalgiefaktor überzustrapazieren, auch wenn ihm immer wieder Rollen angeboten wurde. Roy Rogers blieb Roy Rogers, bis…

Mackintosh & T.J.

1975 kehrte Roy Rogers tatsächlich noch einmal vor die Spielfilmkamera zurück. "Mackintosh & T.J." wird gemeinhin als Spätwestern bezeichnet, obwohl die Handlung im Jahr 1975 angesiedelt ist. Rogers spielt einen in die Jahre gekommenen Ranch-Arbeiter, der spürt, dass seine Zeit langsam abläuft. Während er sich auf den Weg zu einem neuen Job macht, trifft er auf den jungen Herumtreiber T.J. Beide sind auf ihre eigene Art Außenseiter der Gesellschaft und Mackintosh entwickelt allmählich väterliche Gefühle für den jungen Mann.

Der Film war kein Hit und damit auch kein großes Leinwand-Comeback. Gelobt wurde allerdings allgemein Roy Rogers’ Darstellung, die ein nuanciertes Talent offenbarte, das er in seinen großen Erfolgsfilmen nie wirklich hatte ausspielen dürfen. Denn melancholische Zwischentöne, Zweifel oder die Darstellung eines alternden Helden waren im klassischen B-Western nicht vorgesehen. Dort musste Roy Rogers immer der strahlende Sieger sein. In "Mackintosh & T.J." durfte er im zarten Alter von 64 Jahren erstmals zeigen, dass sich hinter dem perfekten Cowboy auch ein verdammt guter Schauspieler verbarg.

In den 1980er Jahren trat er schließlich noch in zwei Episoden der 20th Century Fox-Serie "Ein Colt für alle Fälle" ("The Fall Guy", 1981–1986) auf und spielte sich selbst – musikalische Einlagen inklusive.

Roy Rogers starb am 6. Juli 1998 in Apple Valley, Kalifornien. Doch eigentlich verschwand er nie.

In den Vereinigten Staaten blieb er weit mehr als ein ehemaliger Westernstar. Roy Rogers ist eine nationale Ikone und ein Teil der amerikanischen Popkultur. Sein Name steht bis heute für eine romantisierte Vorstellung vom Westen: für Freiheit, Anstand, Freundlichkeit und die Hoffnung, dass am Ende das Gute gewinnt. Seine Lieder werden bis heute gesungen, seine Filme regelmäßig wiederentdeckt, und der "King of the Cowboys" gehört in Amerika noch immer zum kulturellen Gedächtnis.

In Deutschland hingegen blieb Roy Rogers weitgehend eine Randerscheinung. Nur wenige seiner Filme fanden hierzulande den Weg in die Kinos und der große Mythos des singenden Cowboys erreichte das deutsche Publikum nie in jener Intensität wie in den USA. Bis auf einen kurzen Momente Ende der 1970er Jahre: Mit der ZDF-Reihe "Western von gestern" erhielten alte Hollywood-Western der 1930er- und 1940er Jahre ihre Deutschlandpremiere im Vorabendprogramm. In diesem Umfeld – lernte das Publikum auch Roy Rogers kennen - den singenden – und manchmal sogar jodelnden – König der Cowboys.

vgw
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Als der Cowboy jodeln lernte
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