CD Cover: Danny Worsnop - The Long Road Home

Metal-Sänger Danny Worsnop veröffentlicht mit "The Long Road Home" sein Country-Debüt.

Was kommt raus, wenn ein Metal-Sänger auf den Country-Geschmack kommt? Antwort: "The Long Road Home" vom On/Off-Sänger der britischen Metalcore-Band Asking Alexandria. Nicht schlecht. Aber auch nicht so richtig originell.

Einen Mann wie Danny Worsnop muss man auf diesem Portal schon mal erklären. Der aus dem britischen Beverley, East Yorkshire, stammende Sänger - Jahrgang 1990 - machte als Frontman der Metalcore-Band Asking Alexandra von sich reden. Die Band, auch das sei erwähnt, genießt in einschlägigen Kreisen einen guten Ruf. Was man von Danny Worsnop nicht unbedingt sagen kann. Bedingt durch Drogenabhängigkeit und Alkoholprobleme war ein Konzert der Band stets eine Art Lotteriespiel: Singt er oder ist er dafür zu betrunken? Wenn er allerdings in der Lage war, ein Gastspiel zu geben, dann war der Mann immer für eine hervorragende Show gut.

"The Long Road Home" mit viel Gefühl und Energie

Das hört man auch seinem Solo-Debüt "The Long Road Home" an. Keine Frage, er ist ein grandioser Sänger. Er packt alles, was er an Gefühl und Energie hat, in seine Stimme, er kann überzeugen und er wirkt bei jedem Wort glaubwürdig. Wenn das nicht gute Voraussetzungen für ein starkes Album sind? Positiv - zumindest für Country-Freunde - hat sich auch ausgewirkt, dass es Worsnop ins texanische Dallas verschlagen hat. In dieser Region kann man Country-Klängen, selbst wenn man sich noch so sehr bemüht, nicht aus dem Weg gehen. Scheinbar hat diese musikalische Infiltration auch bei dem britischen Trunkenbold Wirkung gezeigt. Und so steht er nun auf dem Cover-Foto da - bärtig, Holzfällerhemd, verschwitztes Feinripp; in der Rechten eine Gitarre, in der Linken eine verbeulte Reisetasche. Ein reisebereiter Mann, stehend an "The Long Road Home".

Nun ja, ob ihn die Straße nach Hause führen wird, darf bezweifelt werden. Diese staubige Landstraße vom Cover führt ihn bestimmt nicht in die britische Provinz. Dennoch sagt der für sein Alter reichlich rau, um nicht zu sagen "verlebt", klingende Künstler in den Liner-Notes: "The Long Road Home is a journey. One of self-discovery, therapy through music, and exploration of my soul." Er wäre nicht der erste Künstler, für den das Songschreiben, die Musik eine Form der Eigentherapie wäre. Bei dem Trip in die sensible Musiker-Seele macht er bei verschiedenen Eckpunkten seiner Persönlichkeit Halt: bei der Sehnsucht nach Harmonie und Liebe, wie im gefühlvollen, im Drei-Viertel-Takt gehaltenen Rock-Opener "Prozac"; beim Freiheits- und Party-Bedürfnis des Sängers, wie er es im gut aufgelegten, reiselustigen und partywilligen "Mexico"("lay back and soak it up with an ice cold bottle of bud"), aber auch bei der unverkennbar selbstzerstörerischen Ader von Danny Worsnop, wie er sie in der augenzwinkernden Revue-Nummer "I Feel Like Shit" und dem wohl genauso gut gemeinten, wie hoffnungslosen "Don't Overdrink It" zeigt.

Eine labile Seele neigt freilich auch zu Selbstmitleid und einem Gefühl der Minderwertigkeit. In der wirklich ausnehmend schönen Country-Rock-Ballade "Anyone But Me" lebt er diese finsteren Momente großartig aus - mit Sicherheit ein Glanzlicht der CD. Trotzdem ist das alles natürlich kein lupenreiner Country. Wie auch? Der Mann ist Brite; seit er 17 ist, singt er in Metalbands. So ähnelt sein Sound nicht selten an Bon Jovi, wenn den Mainstream-Rockern mal wieder nach Sessions in Nashville ist. Aber: Danny Worsnop macht sein Country-Ding besser. Er gibt als desillusionierter Streuner, als singender Vagabund eindeutig die bessere Figur ab, als die doch sehr glatt rockenden Bon Jovis.

Wer das bezweifelt, sollte sich nur mal - eine weitere Ballade - "High" anhören. Bei diesen ganz nach endlosen Highways, Verlorensein und Suchen klingenden Tönen möchte man den traurigen Helden am liebsten in den Arm nehmen: So schlimm ist das alles nicht, Danny! Das wird schon! Schon im nächsten Track hat er sich schon wieder gefangen: "I Got Bones", ein knochentrockener Country-Rocker, mit großem Refrain, abhebendem Gitarren-Solo und einer wummernden Orgel. Über allem aber: die Whiskey gestählte Stimme von Danny Worsnop.

Fazit: Danny Worsnop ist noch nicht im Country angekommen, aber auf einem guten Weg. Als Sänger ist der Mann top, das Songmaterial von "The Long Road Home" hat allerdings noch Luft nach oben.

Label: Earache (Warner) VÖ: 17. Februar 2017
Disk 1
01 Prozac
02 Mexico
03 I Feel Like Shit
04 Anyone But Me
05 High
06 I Got Bones
07 Quite a While
08 Don't Overdrink It
09 I'll Hold On
10 Midnight Woman
11 Same Old Ending
12 The Man

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