Bob Weir - Blue Mountain

CD Cover: Bob Weir - Blue Mountain

Der 68-jährige Grateful Dead Gitarrist legt mit "Blue Mountain" sein drittes Solo-Album vor.

Tief drinnen waren The Grateful Dead immer Country-Musiker. Die Hippie-Band aus Kalifornien, die Ende der 60er Jahre wie kaum eine andere für die von psychedelischen Drogen beeinflusste Musik der Gegenkultur stand, war verwurzelt in Bluegrass, Country und Folk. Sänger Jerry Garcia, dessen Tod 1995 das Ende der Band bedeutete, hatte als Banjo-Spieler angefangen. Auch Bob Weir, der als 16jähriger zu The Grateful Dead stieß und bald ihr Rhythmus-Gitarrist wurde, liebte Country.

Schon zuvor, mit gerade einmal 15 Jahren, war Bob Weir von zuhause ausgerissen. Es verschlug den jungen Bob aus San Francisco ins ländliche Wyoming, wo er als "farmhand", also als Aushilfe auf einem Bauernhof, arbeitete. Die Arbeit war hart, und es gab kein Radio. Doch abends am Lagerfeuer sang man zusammen, und Bob Weir lernte etliche "Cowboy-Songs", die sein Songwriting für Jahrzehnte beeinflussen sollten. Nun, mehr als 50 Jahre später, hat sich der gebürtige Kalifornier an diese Lieder erinnert und sie für sein drittes Solo-Album "Blue Mountain" aufgenommen.

Das Echo uralter amerikanischer Folksongs durchzieht "Blue Mountain"

Weir hatte immer Platten gemacht, während der Zeit mit den Grateful Dead und danach, unter anderem als Bobby and the Midnites und RatDog. Aber ein Solo-Album unter eigenem Namen hat es seit 1978 nicht mehr gegeben. Es sind nicht wirklich Traditionals, die Bob Weir hier singt, aber sie könnten es sein. Das Echo alter amerikanischer Folksongs zieht sich durch "Blue Mountain". Der Opener "Only A River" nimmt direkten Bezug auf das alte Seemannslied "Shenandoah". Einsame Nächte am "Red River Valley" werden besungen, heiße Tage in der Wüste und der Mondschein auf nächtlichen Pfaden. Der 27 Jahre jüngere Sänger und Songschreiber Josh Ritter, mit dem Bob Weir seit Jahren befreundet ist, schrieb die meisten dieser Texte alleine.

Ritter beschreibt den Klang des Albums mit "Big-sky Country" und in der Tat meint man in den guten Momenten von "Blue Mountain", sich mit Weir unter dem weiten Himmel der amerikanischen Prärien zu befinden. Stimmungsvolle schwarz-weiße Fotografien dieser Landschaft finden sich im Booklet der CD. Es ist eine ungewöhnlich hallige, offene Produktion für jemanden wie Bob Weir, der vor allem für seinen erdigen Sound bekannt ist.

Diese Produktion, die neben Weir Josh Kaufman verantwortete, tut insbesondere den ersten Songs auf "Blue Mountain" nicht gut. Die ersten beiden Stücke sind, wie auch das fade "Storm Country", schlicht überproduziert. Der Honky-Tonk von "Gonesville" und der raffiniert rumpelige Blues von "Lay My Lily Down" sind dagegen sehr gelungen. Viele der besten Momente hier sind den Instrumentalisten zu verdanken, der träumerischen Pedal Steel von Josh Kaufman in "Gallop on the run" und dem Akkordeon-Solo in "Darkest Hour".

Bob Weirs Stimme ist ausdrucksstärker denn je

"Blue Mountain" wurde mit versierten Musikern aus der US-amerikanischen Jamband-Szene aufgenommen, darunter Drummer Joe Russo und Gitarrist Steve Kimock. Von der Band The National stießen die Gitarristen Aaron und Bryce Dessner sowie Bassist Scott Devendorf dazu.

Weir selbst, der im Oktober 2016 69 Jahre alt wird, sieht auf dem Cover zerzaust und müde aus. Doch seine Stimme hat noch nie so gut geklungen: ausdrucksstark und selbstbewusst, kraftvoller denn je.

Fazit: "Blue Mountain" fühlt sich langatmig an, obwohl kaum ein Song länger als viereinhalb Minuten ist. Berühren tut hier nur weniges. Bob Weirs Songwriting war nie seine Stärke, doch sein rhythmisches Gitarrenspiel, der brillant aufgenommener Gesang und die hervorragenden Gastmusiker machen das Album dennoch empfehlenswert.

Label: Legacy (Sony) VÖ: 30. September 2016
01 Only a River
02 Cottonwood Lullaby
03 Gonesville
04 Lay My Lily Down
05 Gallop on the Run
06 Whatever Happened to Rose
07 Ghost Towns
08 Darkest Hour
09 Ki-Yi Bossie
10 Storm Country
11 Blue Mountain
12 One More River to Cross

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