Erasure - On The Road To Nashville

CD Cover Erasure - On The Road to Nashville
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Redaktionswertung Bewertung: 4 Sterne = gut
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Das ist ja wohl der Hammer; ziemlich unglaublich; verrückt. Ja, und sehr mutig und sympathisch ist das auch. Und das Schönste daran: es funktioniert. Was? Erasure, die aus den beiden blassen, homosexuellen Briten Andy Bell und Vince Clarke bestehende Elektro-Pop-Combo, hat den Stecker aus Synthie und Drum-Computer gezogen und ist mit Akustik-Gitarre, Dobro, Mandoline & Co. "On The Road to Nashville" aufgebrochen. Das Ergebnis dieses Experiments, dieser Kampfansage an Schubläden und Genre-Register, liegt nun als Live-CD und Bonus-DVD vor.

Nashville-Insider werden dann wenigstens noch erwarten, dass die beiden, seit 1985 auf Hitkurs befindlichen Briten im "Wilde Horse Saloon" Station gemacht haben, jener Touri-Country-Location in Downtown Nashville. Aber nix da. Für Erasure öffneten sich am 6. Mai 2006 gar die Pforten des Ryman Auditoriums. In der ehemaligen Kirche mit der Da-hörst-du-eine-Feder-aufs-Parkett-fallen-Akustik traten von Elvis bis Cash alle auf. Hier holen sich die Großen der Countrymusik den Ritterschlag, die letzten Meriten, die Aufnahme in den wirklich engen Zirkel des Genres. Und jetzt also Erasure. Hängt da die Latte nicht um, sagen wir, ein paar Meter zu hoch?

Von wegen! Als ob das alles nicht schon erstaunlich genug wäre, müssen sich Erasure im Country-Tempel gefühlt haben, als stünden sie in der Brixton Academy auf der Bühne. Wie bei einem Heimspiel quittiert das Publikum jede kleine, im typisch nasalen Brit-Slang vorgetragene Ansage und wirklich jeden einzelnen Song mit frenetischem Applaus. Ja, Nashville liebt offenbar diese Band und diese Musik. Und ehrlich, geneigter Leser, Sie werden das auch tun. Großes Indianer-Ehrenwort! Denn Bell und Clarke gelang es, unterstützt durch eine sechsköfige Akustik-Band, ihre sorglosen Pop-Melodien völlig neu zu arrangieren - und ihnen so einen vorher einfach nicht da gewesenen Tiefgang einzuhauchen. Manchmal ist das geradezu unglaublich. Zum Beispiel bei dem Titel "Sometimes", den vermutlich so gut wie jeder schon mal auf einem der landesüblichen Dudel-Radios gehört, aber wohl kaum richtig registriert hat. Jetzt, im akustischen Outfit, mit Pedal Steel und Banjo, entfalten der Song und auch die Stimmen von Clark und Bell urplötzlich eine packende Aura. Gleiches gilt für "Breathe", "A Little Respect", "Against My View", "Rock Me Gently", "Victim Of Love" oder ihre Hits Jahrgang 1988 "Stop!" und "Ship of Fools".

Für alle Zweifler, die partout an Musikmärchen nicht glauben wollen, liefern Erasure den DVD-Beweis. Das Extra macht, wie die CD, richtig Spaß. Sie zeigt Aufnahmen von Nashville, vom Ryman Auditorium, man erfährt vom Manager der Konzerthalle ein paar hübsche Details und natürlich bringt die DVD außerdem das aufgezeichnete Konzert. Hier sieht man, wie nervös vor allem Sänger Andy Bell bei dem Auftritt ist, wie er in seinen extra geschmacklosen Klamotten und mit Bauchansatz ungelenk zu den wohl immer noch ungewohnten Rhythmen den Tanzbären abgibt, sich aber stimmlich voll ins Zeug legt. Zu den Extras der DVD gehören zwei Songs, die ein Fan im Publikum aufgenommen hat und der kurze Film "The Road To Union Street" - in dem erklären Clark und Bell, wie sie von Electro auf den Country-Trip kamen.

Fazit: Glatter Wahnsinn, Erasure verpacken ihre Songs in ein Country-Kostüm, und es sitzt ausgezeichnet.

Label: Mute (EMI) VÖ: 20. Februar 2007

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Disc 1 tracks
01 Boy 10 Tenderest Moments
02 Blue Savannah 11 Ship of Fools
03 Oh L'Amour 12 Love to Hate You
04 Alien 13 Against My View
05 Breathe 14 Piano Song
06 Victim of Love 15 Rock Me Gently
07 How Many Times? 16 Stop!
08 Spiralling 17 Chains of Love
09 Sometimes 18 Zugabe: A Little Respect
tracks
Disc 2 tracks
01 Stay with Me (DVD) 04 Sometimes (DVD)
02 Love Affair (DVD) 05 Road to Union Street (a short film)
03 Blue Savannah (DVD)


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