"As Is", dem neuen Album von Josiah and The Bonnevilles – Songs aus dem Leben, gefühlvoll und ehrlich interpretiert
"Unverändert" zeigt sich Josiah Leming – der Namens- und Impulsgeber von Josiah and The Bonnevilles – gemäß dem Albumtitel also. Für seine Herangehensweise an die Musik, auf die sich der Sänger und Songschreiber bezieht, mag das stimmen. Inhaltlich aber nicht. Schließlich präsentierte er 2024 als letzten Longplayer "Country Covers II", bei dem er sich – wie schon auf "Country Covers" aus dem Jahr vorher – an Cover-Versionen abarbeitete. Zwei gelungene Alben, das allemal.
Josiah and The Bonnevilles: am stärksten mit eigenem Material
Doch Leming, der seine ersten Songs bereits als 13-Jähriger schrieb, vergeudet mit Fremdmaterial nur sein erstaunliches kompositorisches Talent. Mit "As Is" besinnt er sich nun also wieder seiner Fähigkeiten und entwirft für das ohne jegliches Klang-Schnick-Schnack inszenierte Album zehn erstklassige Folk-, Americana- und Country-Tracks. Rau, erdig, ehrlich, gefühlvoll und mit herrlicher Poesie. Wem beim Hören des Song-Sets Namen wie Springsteen, Dylan oder Childers in den Sinn kommen, liegt trotz der astronomischen Popularitäts-Unterschiede nicht ganz falsch.
Josiah Leming wuchs in Morriston, Tennessee, gemeinsam mit sieben Geschwistern auf. Ein Haushalt, in dem es ganz sicher rund ging. Mit acht saß er regelmäßig am Klavier, später erstand seine Mutter ein Casio-Keyboard. Mit 13 entdeckte er die Klangwelten von Travis, Neil Young, Bob Dylan und Ryan Adams. Damit war die Spur für den späteren Sänger und Songschreiber nicht nur gelegt, sondern auch erlesen gepolt. Wie ernst es Leming schon als Teenager war, es als Musiker zu schaffen, bewies er mit 17 Jahren: er schmiss die Schule, um mit seiner Gitarre durch die Lande zu ziehe. Er schlief im Auto und spielte in jeder Kneipe, in jedem möglichen Café für Essen und Benzin. Ein modernes Hobotum, Boxcar Willie hätte an ihm sicher seine Freude gehabt.
Irgendwie landete der reisende Musiker dann doch noch bei einem Casting-Format, bei American Idol. Er schaffte es zwar nicht ins Finale, dennoch wurde ein Warner Bros. Records-Manager auf ihn aufmerksam. Der Rest: über ein Dutzend Alben, hochwertig, aber ohne Eintrag in die Hitlisten. Dennoch kann Josiah Leming längst auf eine treue Fangemeinde zählen. Stetes Touren und prestigeträchtige Auftritte – wie eine Performance in der Grand Ole Opry 2024 – festigten seinen Ruf, einer der interessantesten Künstler im modernen Country und Americana zu sein.
Diesem Ruf wird er mit "As Is" erneuts gerecht. Ab den ersten Takten des Openers "Good Boy" – ein Song, der auch gut Tyler Childers zu Gesicht stehen würde: Behäbig, düster – aber auch bis zur Schmerzgrenze ehrlich und authentisch. Der instrumentale Aufwand ist, wie bei allen weiteren Tracks, minimalistisch. Eine wiederholende, simple Gitarrenphrase, eine Pedal-Steel, Bass und ein stoisches Schlagzeug sorgen stets für die zurückhaltende Kulisse, um der leidenschaftlichen Stimme von Josiah Leming den gebührenden Raum zu geben. Man spürt, man fühlt: hier singt jemand nicht nur einen Text, hier lebt jemand jedes Wort. Eine Gabe, die nur wenige mitbringen – und die immer die Menschen berührt.
"As Is”: starke Songs, hervorragend interpretiert
Das gelingt dem bisher – zumindest in Deutschland – sträflich unter Wert gehandelten Künstler in allen Titeln: In dem flotten, fast schon fröhlichen "Carolina Heart", in der mystisch aufgeladenen Country-Ballade "Going Gone", in dem so auf Vintage getrimmten Roots-Track "Mountain Girl", dass man fast an Woody Guthrie denken möchte, oder in der im langsamen Sechs-Achtel-Takt angelegten Ballade "Redline".
Für das Highlight des Albums sorgt indes "Hell Without The Flames" – ein, beim ersten Hören vielleicht noch leicht schräger Track. Doch das puristische Arrangement, bei dem eine fast unbeholfene Akustik-Gitarrenmelodie den harmonischen Anker bildet, entfaltet schon nach wenigen Takten faszinierende, tiefgehende Gänsehaut-Vibes. Offenbar empfinden das viele Hörer so, denn: auf Spotify räumt der Track richtig ab. Mit dem durchaus an Dylan oder an andere Folk-Großmeister erinnernden Titeltrack beendet Josiah Leming und seine Bonnevilles das Album. Ein würdiger Abschluss eines vollauf gelungenen Werks.
Fazit: Wer anspruchsvolle Sänger und Songschreiber, ehrlichen Folk und Americana und kosmetikfreien Country mag, wird "As Is" von Josiah and The Bonnevilles lieben. Hand drauf!










