Fritz Portner tödlich verunglückt

Fritz Portner ist tot

Die graue Country-Eminenz der Schweiz, Fritz Portner, ist tot

Vielen unserer Leser wird der Name Fritz Portner zunächst nichts sagen, aber kaum ein anderer Mensch hat die Country-Szene in der Schweiz auf so vielfältige Weise geprägt wie Fritz Portner. Bei seiner letzten Wanderung auf dem Hirtenweg (oberhalb Klöntal) ist Fritz Portner am 9. August 2022 tödlich verunglückt.

Sein erlernter Beruf Buchdrucker erschien ihm als ein aussterbendes Metier und gegen den väterlichen Rat wollte Fritz Portner an die Schauspielschule. Dass sein Talent für die Bretter, die die Welt bedeutet, nicht ausreicht, wurde ihm aber schnell klar. Die Schulzeit gab ihn einen guten Einblick, für den späteren Umgang mit Künstlerinnen und Künstlern, die ja oft genug auch schauspielern.

Die berufliche Laufbahn von Fritz Portner war vielseitig. Erarbeitete für den United Artists Filmverleih in der Schweiz und holt Schauspielergrößen wie Roger Moore ("James Bond") und Jack Nicholson ("Einer flog über das Kuckucksnest") in die Schweiz. Als Werbeleiter bei United Artists sorgte er für starke Besucherzahlen, die später den verkauf des legendären Filmverleihs ermöglichte.

Ohne Fritz Portner hätte die St. Galler Open-Air-Ära in den 1980er-Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit geendet. In einer unruhigen Zeit für das Country-Festival übernahm er den Posten des Verantwortlichen für Booking, Künstlerbetreuung und Technik. 1985 trat er das Booking an den neuen Festivalleiter Andreas Müller ab und war bis zu seiner Demission 2001 für Artist Relations zuständig, dazu gehörte das Handling aller Anreise-Unwägbarkeiten und Sonderwünsche der auftretenden Künstler. Mit Herbert Grönemeyer kam es gar zum legendären Disput auf offener Bühne.

Schon in frühen Jahren entwickelte Fritz Portner eine Affinität zur Country Music. Im Alter von zehn Jahren kaufte er eine erste Johnny-Cash-Platte. Seine Country-Kompetenz sprach sich international herum: In den Neunzigern ernannte ihn die Country Music Association (CMA) in das Bord for Directors International. Dort eckte er mit seiner erfrischend direkten Art aber immer wieder an, weil die CMA die Besonderheiten des europäischen Marktes nicht begreifen wollte und immer wieder versuchte die Szene hierzulande ins amerikanische Korsett zu stecken. Nachdem er merkte, dass er nichts positiv verändern konnte, trat er von seinem Posten zurück.

Über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt wurde er als Manager des bis dato immer noch erfolgreichsten Country-Künstler in der Schweiz, John Brack († 1. Mai 2006). Er produzierte über Jahrzehnte hinweg die Sendung "Country Roads" auf 3SAT und setzte sich für die Ausstrahlung der CMA Awards auf demselben Sender ein. Gemeinsam mit AGR Television und CountryMusicNews.de unterstützte er 2011 und 2012 die ersten beiden Country Music Meetings in Berlin.

Über mehrere Dekaden hinweg hat Fritz Portner die Country Music Szene hierzulande geprägt und durch seinen Tod klafft nun eine große Lücke, die schwer zu füllen sein wird. Möge er in Frieden ruhen.


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